Porcius Festus, der römische Prokurator in Judäa (60-62), hält es für absurd, einen Gefangenen ohne Anklage festzuhalten. Der einzige Punkt, den Festus ausmachen kann, ist, dass Paulus daran glaubt, dass Jesus auferstanden ist.
Als Herodes Agrippa II. hinzukommt, ergibt sich eine gute Gelegenheit, den Fall zu besprechen. Er war die Fachperson, da er die Oberaufsicht über den Hohepriester hatte. »Diesen Mann würde ich gern selber einmal hören!«, erwiderte Agrippa.
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Porcius Festus, der römische Prokurator in Judäa (60-62), hält es für absurd, einen Gefangenen ohne Anklage festzuhalten. Paulus konnte man nichts anhängen (Vers 8). Festus will Paulus nach Jerusalem bringen. Doch Paulus weiß, dass das nicht hilfreich ist, weil man ihn auf dem Weg dorthin töten möchte. Der einzige Punkt, den Festus ausmachen kann, ist, dass Paulus daran glaubt, dass Jesus auferstanden ist. Er wird als Verwalter gleich in die Mentalität des Landes eingeführt. Paulus weiss, dass er nicht nach Jerusalem, sondern nach Rom gehen soll (Apostelgeschichte 19,21 / 23,11).
Als Herodes Agrippa II. hinzukommt, ergibt sich eine gute Gelegenheit, den Fall zu besprechen. Er war die Fachperson, da er die Oberaufsicht über den Hohepriester hatte.
Herodes Agrippa II. wurde wie sein Vater am römischen Kaiserhof erzogen. Als dieser 44 n. Chr. starb (Apostelgeschichte 12), war sein Sohn noch zu jung, um seine Nachfolge anzutreten. Auf seine Bitte hin erhielt Herodes von Chalkis von Kaiser Claudius, nach dem Tod seines Bruders Agrippa I. aus dessen Erbe die Verfügungsrechte über den Tempel in Jerusalem. Diese umfassten insbesondere das Recht, den Hohepriester zu ernennen.
Im Jahr 53 n. Chr. erhielt Herodes Agrippa II. vom römischen Kaiser Claudius anstelle seines Onkels die ehemalige Tetrarchie des Philippos (Chalkis), also die Landschaften Batanaea, Trachonitis und Gaulanitis, sowie die Gebiete des Lysanias (Karte gelbes Gebiet). Im Jahr 54 n. Chr. erweiterte der neue Kaiser Nero sein Herrschaftsgebiet erneut: Herodes Agrippa II. erhielt die Städte Tiberias und Tarichea in Galiläa (Karte weißes Gebiet) sowie Julias im nördlichen Teils Peräas mit den umliegenden Dörfern.
Durch die Verfügungsrechte über den Tempel in Jerusalem wurde er zum Oberhaupt aller religiösen Juden, sowohl im Land als auch in der Jüdischen Diaspora. Er hatte das Recht, den Hohenpriester einzusetzen. Im Jahr 53 n. Chr. setzte er sich auch für die Juden von Alexandria ein.
Herodes Agrippa II. versuchte erfolglos, den Jüdischen Krieg (66–70 n. Chr. Jerusalem und bis 73 n. Chr. Masada) gegen die Römer durch Verhandlungen zu verhindern. Nach dem Krieg begleitete er den römischen Feldherrn und späteren Kaiser Titus nach Rom.
Berenike war als Mitglied der Dynastie der Herodianer eine jüdische Königin.
In erster Ehe wurde Berenike im Alter von 13 Jahren im Jahr 41 n. Chr. mit Marcus Iulius Alexander, dem Sohn des alexandrinischen Alabarchen Tiberius Iulius Alexander, verheiratet. Nach dem frühen Tod ihres ersten Mannes heiratete sie im Jahr 44 n. Chr. ihren Onkel Herodes von Chalkis, den Bruder ihres Vaters Herodes Agrippa I. Da dieser im Jahr 44 n. Chr. von Kaiser Claudius zum König ernannt wurde und als Herrschaftsgebiet die Region um Chalkis in den Libanon-Bergen erhielt, war Berenike an seiner Seite Königin von Chalkis. Sie gebar ihrem zweiten Mann die beiden Söhne Berenikianos und Hyrkanos.
Nach dem Tod ihres zweiten Mannes im Jahr 48 n. Chr. lebte Berenike jahrelang mit ihrem Bruder Herodes Agrippa II. zusammen. Gerüchten zufolge hatte sie eine inzestuöse Beziehung mit ihm. Sie wurde die Geliebte des späteren Kaisers Titus. Bei dessen Thronbesteigung im Jahr 79 n. Chr. musste er die Beziehung aus nationalen Interessen beenden. Theodor Mommsen charakterisierte Berenike als eine „Kleopatra im Kleinen.“
Wie aus der Apostelgeschichte 25,13 – 26,32 hervorgeht, begaben sich Berenike und ihr Bruder im Jahr 60 nach Caesarea, wo sie dem neuen römischen Prokurator von Judäa, Porcius Festus, ihre Aufwartung machten. Dort musste auch der Apostel Paulus in Gegenwart des Festus vor Herodes Agrippa II. und Berenike erscheinen und sich gegen die von den Juden erhobene Anklagen verteidigen. Im nächsten Abschnitt betrachten wir die Verhandlung (Apostelgeschichte 26).
Bei seiner Ankunft in Judäa fand Festus das Land in stetem Schrecken vor den Räubern, die die Dörfer einäscherten und plünderten. Sie führten kleine gekrümmte Dolche, ähnlich den römischen „sicae“, woher sie auch den Namen Sikarier erhielten.
Die Verhandlung vor Festus Apostelgeschichte 25 Hfa
1 Drei Tage nachdem Festus sein Amt angetreten hatte, reiste er von Cäsarea nach Jerusalem. 2 Dort kamen die obersten Priester und die einflussreichsten Juden zu ihm, um Paulus erneut anzuklagen. Sie baten Festus, 3 ihnen als Zeichen seines Wohlwollens einen Gefallen zu tun und Paulus nach Jerusalem bringen zu lassen. In Wirklichkeit wollten sie den Gefangenen unterwegs überfallen und töten. 4 Aber Festus lehnte den Vorschlag ab: »Paulus bleibt in Cäsarea«, entschied er. »Ich reise bald wieder zurück. 5 Wenn er tatsächlich etwas Unrechtes getan hat, können eure Anklagevertreter mitkommen und ihn verklagen.«
6 Nach etwa acht bis zehn Tagen kehrte Festus nach Cäsarea zurück. Schon am folgenden Tag setzte er die Verhandlung an und ließ Paulus vorführen. 7 Kaum hatte man ihn hereingebracht, da drängten sich die Juden aus Jerusalem um Paulus und legten ihm zahlreiche schwere Vergehen zur Last. Aber sie konnten nichts beweisen. 8 Paulus verteidigte sich mit den Worten: »Ich habe weder gegen das Gesetz der Juden verstoßen noch den Tempel entweiht oder die Gesetze des Kaisers übertreten.«
9 Festus wollte den Juden einen Gefallen tun und fragte Paulus: »Bist du damit einverstanden, dass wir deinen Prozess unter meinem Vorsitz in Jerusalem weiterführen?« 10 Paulus erwiderte: »Ich stehe hier vor einem kaiserlichen Gericht. Vor dem Kaiser muss mein Fall entschieden werden. Wie du weißt, habe ich das jüdische Recht nicht verletzt. 11 Sollte ich ein Unrecht begangen haben, das mit dem Tod bestraft werden muss, dann bin ich bereit zu sterben. Wenn die Beschuldigungen der Juden aber unbegründet sind, darf mich auch niemand an sie ausliefern. Ich fordere, dass meine Angelegenheit vor dem Kaiser in Rom verhandelt wird!« 12 Nachdem Festus sich mit seinen Beratern besprochen hatte, entschied er: »Du hast dich auf den Kaiser berufen; man wird dich also vor den Kaiser bringen.«
13 Einige Tage später kamen König Agrippa und seine Schwester Berenike nach Cäsarea, um Festus nach seinem Amtsantritt offiziell zu begrüßen. 14 Während ihres mehrtägigen Aufenthaltes sprach Festus mit dem König über Paulus. »Von meinem Vorgänger Felix«, so erklärte Festus, »habe ich einen Gefangenen übernommen, dessen Fall noch nicht entschieden wurde. 15 Kurz nach meiner Ankunft in Jerusalem erschienen seinetwegen die obersten Priester und die führenden Männer der Juden bei mir. Sie verlangten seine Verurteilung. 16 Ich antwortete ihnen aber, dass es bei uns Römern nicht üblich ist, einen Menschen abzuurteilen, nur um seinen Anklägern einen Gefallen zu erweisen. Dem Angeklagten muss stattdessen die Gelegenheit gegeben werden, seinen Anklägern gegenüberzutreten und sich gegen die Anschuldigungen zu verteidigen. 17 Nachdem sie hierhergekommen waren, zögerte ich nicht und setzte schon am nächsten Tag die Gerichtsverhandlung an, bei der ich den Gefangenen vorführen ließ. 18 Doch ein Verbrechen, wie ich es vermutet hatte, konnten ihm seine Ankläger nicht vorwerfen, als sie ihm gegenüberstanden. 19 Es ging lediglich um Streitfragen ihrer Religion und um irgendeinen verstorbenen Jesus, von dem Paulus behauptet, dass er am Leben sei. 20 Nun kenne ich mich auf diesem Gebiet sehr wenig aus. Deshalb schlug ich Paulus vor, die Verhandlung in Jerusalem fortzuführen. 21 Doch Paulus verlangte, vor den Kaiser gebracht zu werden, und forderte dessen Entscheidung. So lange wolle er in Haft bleiben. Darum befahl ich, ihn weiter in Gewahrsam zu halten, bis ich ihn vor den Kaiser bringen kann.«
22 »Diesen Mann würde ich gern selber einmal hören!«, erwiderte Agrippa. »Morgen hast du die Möglichkeit dazu«, antwortete Festus. 23 Am folgenden Tag zogen Agrippa und Berenike mit ihrem ganzen Hofstaat in den Gerichtssaal ein. Sie wurden von hohen Offizieren und den vornehmsten Bürgern der Stadt begleitet. Auf einen Befehl von Festus brachte man Paulus herein. 24 Festus begann: »König Agrippa! Verehrte Anwesende! Vor euch steht der Mann, dessen Hinrichtung alle Juden in Jerusalem wie auch hier lautstark gefordert haben. 25 Aus meiner Sicht hat er allerdings nichts getan, was die Todesstrafe rechtfertigen würde. Weil er sich aber selbst auf den Kaiser berufen hat, habe ich entschieden, ihn nach Rom bringen zu lassen. 26 Doch ich weiß nicht, was ich dem Kaiser als Anklageschrift vorlegen soll. Deshalb habe ich ihn euch vorführen lassen, besonders dir, König Agrippa, damit ich nach dem Verhör weiß, was ich schreiben soll. 27 Denn es wäre doch unsinnig, einen Gefangenen vor den Kaiser zu bringen, ohne sagen zu können, was gegen ihn vorliegt.«
Impuls aus dem offenen Bibel-Treff Ebnat-Kappel
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