Paulus soll seine Gesetzestreue beweisen

Paulus verkündet die Gemeinschaft mit Gott allein aus Glauben. Damit stößt er bei den Traditionalisten auf Widerstand. Durch die pointierte Darstellung des Evangeliums fühlen sie sich angegriffen.

Im Glauben geht es nicht um Formen und Normen, sondern um eine vertrauensvolle Beziehung zu Jesus, die sich natürlich auch in Formen und Traditionen ausdrückt – doch immer mit Jesus im Zentrum.

Als Paulus in Jerusalem ankam (Apostelgeschichte 21,17-40), wollten die Gemeindeverantwortlichen aufzeigen, dass Paulus nicht gegen die Tradition ist. Sie wussten, dass dies kritisiert wurde (Apostelgeschichte 21,21). Doch die Kritiker ließen sich nicht überzeugen.

Spannend ist, wie Gott nun Paulus aus dieser Situation rettete. Er benutzte dazu die verfeindete römische Macht. Gott hilft auch uns manchmal von ganz unerwarteter Seite.

Als Paulus zuvor der Gemeinde in Jerusalem von seinen Reisen berichtete, war es ihm wichtig zu erzählen, was Gott getan hatte. Nicht er stand dabei im Fokus, sondern Gott (Apostelgeschichte 21,19).

Im Glauben liegt der Fokus stets auf Gott und auf seinem Handeln und nicht auf uns. Traditionen verlieren an Wichtigkeit. Man besinnt sich auf das Wesentliche – und das ist beim christlichen Glauben der auferstandene Jesus.

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Paulus verkündet die Gemeinschaft mit Gott allein aus Glauben. Damit stößt er bei den Traditionalisten auf Widerstand. Durch die pointierte Darstellung des Evangeliums fühlen sie sich angegriffen.

Wie bei einer guten Flasche Wein braucht es im Glauben beides: eine Form und einen Inhalt. Paulus betonte den Inhalt, da eine Flasche ohne Inhalt wertlos ist.

Er erlebte, dass aller Eifer in seinem Leben nicht das brachte, was die Begegnung mit dem auferstandenen Jesus auf der Straße nach Damaskus in ihm bewirkte (Philipper 3,8).

Im Glauben geht es nicht um Formen und Normen, sondern um eine vertrauensvolle Beziehung zu Jesus, die sich natürlich auch in Formen und Traditionen ausdrückt – doch immer mit Jesus im Zentrum.

Schon bei Kornelius stellte damals Petrus zusammen mit den Leitern der Gemeinde fest, dass eine Hinwendung zum biblischen Gott neues Leben gibt (Apostelgeschichte 11,18), auch wenn dies nicht in der gewohnten jüdischen Form geschah. Gott sieht auf das Herz und nicht auf äußere Formen (vgl. David, 1.Samuel 16,7).

Beim Apostelkonzil in Jerusalem stellten die Verantwortlichen fest, dass Gott die Herzen durch den Glauben reinigt (Apostelgeschichte 15,9) und nicht durch irgendwelche formellen Handlungen.

Bis heute gibt es Diskussionen darüber, ob nun die Handlung oder der dargestellte Inhalt wirksam ist. Die Frage ist eigentlich sinnlos, weil Glaube sich in einer Handlung ausdrückt (Jakobus 2,17) und eine Handlung ohne Glauben nichts bewirkt.

Als Paulus in Jerusalem ankam (Apostelgeschichte 21,17-40), wollten die Gemeindeverantwortlichen aufzeigen, dass Paulus nicht gegen die Tradition ist. Sie wussten, dass dies kritisiert wurde (Apostelgeschichte 21,21).

Doch die Kritiker ließen sich nicht überzeugen und brachten einen neuen unbegründeten Vorwurf ins Spiel: Paulus habe einen Nichtjuden in den Tempel gebracht (Apg. 21,28-29).

Im Judentum gibt es eine klare Unterscheidung zwischen Juden und Nichtjuden (Heiden). Zur Zeit von Paulus gab es sogar eine physische Trennmauer auf dem Tempelplatz (siehe Bild erste Seite). Es war eine ca. 1,2 Meter hohe Steinmauer, welche den eigentlichen Tempelbezirk vom sogenannten Vorhof der Heiden trennte. Der Historiker Josephus schreibt, dass in regelmäßigen Abständen Warnschilder angebracht waren.

Bei Ausgrabungen in den Jahren 1871 und 1935 fand man solche in Stein gemeißelten Warnungen, die auf Griechisch und Lateinisch abgefasst waren. Darauf steht: „Dass kein Fremder eintrete innerhalb der Schranke der Einfriedung des Heiligtums! Wer ergriffen wird, ist für den Tod, der darauf folgen wird, selbst verantwortlich.

Paulus hält im Epheserbrief fest: Jesus hat die Trennung zwischen Juden und Nichtjuden aufgehoben (Epheser 2,15). Auf dem Tempelplatz war sie noch gültig.

Spannend ist, wie Gott nun Paulus aus dieser Situation rettete. Er benutzte dazu die verfeindete römische Macht. Gott hilft auch uns manchmal von ganz unerwarteter Seite.

Die Treppenstufen zur Festung stellen die traditionellen Darstellungen des Tempelplatzes in Frage. Ebenso wäre die Burg Antonia zu klein für die 6000 Soldaten mit Hilfspersonal, die Josefus erwähnt.

Als Paulus zuvor der Gemeinde in Jerusalem von seinen Reisen berichtete, war es ihm wichtig zu erzählen, was Gott getan hatte. Nicht er stand dabei im Fokus, sondern Gott (Apostelgeschichte 21,19).

Im Glauben liegt der Fokus stets auf Gott und auf seinem Handeln und nicht auf uns. Denn wer fasziniert auf Gott schaut, erhält einen neuen Blick für das aktuelle Geschehen. Manches, wie beispielsweise eine Tradition, verliert an Wichtigkeit. Man besinnt sich auf das Wesentliche – und das ist beim christlichen Glauben der auferstandene Jesus.

Apostelgeschichte 21,15-40 Hfa

15 Bald darauf bereiteten wir alles für die Weiterreise vor und machten uns auf den Weg nach Jerusalem. 16 Einige Brüder aus Cäsarea begleiteten uns. Sie brachten uns zu Mnason, der aus Zypern stammte und einer der ersten Christen war. In seinem Haus sollten wir übernachten.

17 Von der Gemeinde in Jerusalem wurden wir herzlich aufgenommen. 18 Am Tag nach unserer Ankunft ging Paulus zusammen mit uns zu Jakobus; auch alle Leiter der Gemeinde hatten sich bei ihm versammelt. 19 Paulus begrüßte sie alle und berichtete ausführlich, was Gott durch seine Arbeit unter den Nichtjuden getan hatte. 20 Darüber waren alle froh; sie lobten und dankten Gott.

Dann aber sagten sie: »Du weißt, lieber Bruder, dass Tausende von Juden zum Glauben an Jesus gefunden haben, und sie alle befolgen weiterhin streng die Gesetze von Mose. 21 Man hat ihnen nun von dir berichtet, du würdest die Juden außerhalb Israels lehren, nicht mehr nach dem Gesetz zu leben. Sie sollten zum Beispiel ihre Kinder nicht mehr beschneiden lassen und die Ordnungen unseres Volkes missachten. 22 Was sollen wir jetzt tun? Sie werden auf jeden Fall erfahren, dass du in Jerusalem bist. 23 Wir möchten dir deshalb Folgendes raten: Hier sind vier Männer, die gerade ein Gelübde beendet haben. 24 Unterstütze sie, indem du die Kosten für das Abschlussopfer und das Abschneiden der Haare übernimmst. Erfülle außerdem zusammen mit ihnen alle vom Gesetz geforderten Reinigungsvorschriften. Dann werden alle sehen, dass an den Gerüchten über dich nichts Wahres ist und du gewissenhaft das Gesetz befolgst.

25 Wie die nichtjüdischen Christen leben sollen, haben wir ja schriftlich geregelt. Wir haben damals entschieden, dass sie kein Fleisch von Tieren essen dürfen, die Götzen geopfert wurden; sie sollen kein Blut verzehren und auch kein Fleisch von Tieren, die nicht völlig ausgeblutet sind. Außerdem sollen sie keine verbotenen sexuellen Beziehungen eingehen.«

26 Paulus nahm ihren Vorschlag an. Am nächsten Tag begleitete er die Männer und begann zusammen mit ihnen die vorgeschriebene Reinigung. Dann ging er in den Tempel und meldete dem Priester, dass die Männer ihr Gelübde erfüllt hatten. Nach der festgesetzten Frist von sieben Tagen sollte dann für jeden von ihnen ein Opfer dargebracht werden.

27 Die sieben Tage waren fast vorüber, als einige Juden aus der Provinz Asia Paulus im Tempel wiedererkannten. Sie wiegelten das Volk gegen ihn auf, packten ihn 28 und schrien:

»Helft uns, ihr Männer aus Israel! Das ist er, der mit seiner Lehre überall gegen unser Volk, gegen das Gesetz und gegen diesen Tempel hetzt! Und nicht genug damit! Jetzt hat er sogar Nichtjuden in den Tempel gebracht und dadurch diese heilige Stätte entweiht!« 29 Sie hatten nämlich Paulus zusammen mit Trophimus aus Ephesus in der Stadt gesehen, und nun vermuteten sie, Paulus habe ihn auch mit in den Tempel genommen. 30 Ganz Jerusalem geriet in Aufruhr. Die Menschen liefen zusammen, sie ergriffen Paulus und zerrten ihn aus dem Tempel, dessen Türen man eilig schloss. 31 Die Menge war nahe daran, Paulus umzubringen, als dem Kommandanten des römischen Regiments gemeldet wurde: »Die ganze Stadt ist in Aufruhr!«

32 Mit einem Trupp Soldaten und einigen Hauptleuten lief er sofort zum Tempelplatz. Als die Menge den Kommandanten und die Soldaten sah, hörte sie auf, Paulus zu schlagen. 33 Der Kommandant nahm Paulus fest und ließ ihn mit zwei Ketten fesseln. Anschließend fragte er die aufgebrachte Menge, wer dieser Mann sei und was er getan habe. 34 Aber die einen schrien dies, die anderen das, und der Tumult war so groß, dass er letztlich nichts Genaues in Erfahrung bringen konnte. Deshalb befahl der Kommandant, Paulus in die Festung zu führen. 35 Auf den Treppenstufen dorthin mussten die Soldaten Paulus tragen, um ihn vor der wütenden Menge zu schützen. 36 Die Leute drängten heran und tobten: »Weg mit dem! Bringt ihn um!«

37 Als man Paulus gerade in die Festung bringen wollte, sagte er zu dem Kommandanten: »Kann ich kurz mit dir sprechen?« – »Du sprichst Griechisch?«, fragte dieser überrascht. 38 »Dann bist du also nicht der Ägypter, der vor einiger Zeit in der Wüste viertausend bewaffnete Rebellen um sich sammelte und einen Aufstand anzettelte?« 39 »Nein«, erwiderte Paulus, »ich bin ein Jude aus Tarsus und ein Bürger dieser bekannten Stadt in Zilizien. Bitte erlaube mir, zu den Leuten zu reden.« 40 Der Kommandant willigte ein. Paulus blieb auf der obersten Treppenstufe stehen und gab dem Volk mit der Hand ein Zeichen, dass er etwas sagen wollte. Nachdem sie sich beruhigt hatten, sprach er auf Aramäisch zu ihnen.

Hanspeter Obrist, September 2025

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