Was ist der Grund dieser Feier? Ihr steht an der Schwelle ins Erwachsenenalter.
Im Judentum feiert man die Bar- oder Bat-Mizwa. Es ist die Feier der religiösen Mündigkeit. Die Jugendlichen übernehmen ab diesem Zeitpunkt die Verantwortung für ihr geistliches Leben.
In der Schweiz erreichen Jugendliche gemäß Artikel 303 des Schweizerischen Zivilgesetzbuches (ZGB) mit dem vollendeten 16. Lebensjahr die religiöse Mündigkeit. Deshalb beginnt in der katholischen Kirche mit 16 Jahren die kirchliche Unterweisung.
In unserer Viva-Kirche gab es für euch bisher am Sonntagmorgen ein eigenes Programm. Mit dem Eintritt ins junge Erwachsenenalter heißen wir euch herzlich WILLKOMMEN im Gottesdienst. Ihr habt bis jetzt jeweils am dritten Sonntag im Monat in verschiedenen Bereichen mitgeholfen. Das war nicht nur für euch, sondern für die ganze Kirche eine Bereicherung. Wir freuen uns, dass ihr auch weiterhin Aufgaben übernehmen werdet. Unsere Gemeinschaft lebt von den vielen Beiträgen, die ehrenamtlich übernommen werden.
Wir möchten euch heute nicht nur willkommen heißen, sondern Gott für euren neuen Lebensabschnitt auch um seinen Segen bitten. Es ist uns wichtig, nicht nur heute, sondern auch weiterhin für euch zu beten und euch in guten und auch in herausfordernden Zeiten zur Seite zu stehen.
Wenn wir euch heute segnen, wünschen wir, dass Gott sich euch zuwendetet und euch mit seiner Liebe und seinem Frieden erfüllt und euch reich segnet.
Für den heutigen Tag habt ihr folgenden Vers ausgewählt: „Ich sehe immer auf den HERRN. Er steht mir zur Seite … Bei dir, HERR, bin ich in Sicherheit“ (Psalm 16,8-9).
In einer bewegten Welt wünschen wir uns Sicherheit. Das gibt uns Halt. Aber wie gehen wir mit den vielen Veränderungen um, die zum Leben gehören? Auch ihr steht vor einem neuen Lebensabschnitt. Oft schwirren viele Fragen im Kopf herum. Finde ich am neuen Ort Freunde? Schaffe ich es, den neuen Schulstoff zu lernen? Habe ich noch Zeit für meine Hobbys? Was könnten noch weitere Fragen sein?
Wie gehen wir nun mit diesen Unsicherheiten um? Wenn wir in die Bibel schauen, finden spannende Antworten. Im von euch ausgewählten Verse steht: „Ich sehe immer auf den HERRN. Er steht mir zur Seite“.
Was gibt mir also Sicherheit?
ER
Gott ist nicht ein Gedanke der Menschen, sondern wir sind ein Gedanke Gottes. Er hat uns als Originale geschaffen. Deshalb ist es auch so wichtig, ihn zu fragen, was er zu einer Situation denkt. Er allein kennt uns so gut, dass er uns echt helfen kann. Es ist ein Zusammenspiel zwischen ihm und mir.
In der Schöpfung sehen wir, wie fantasievoll Gott ist. Es ist faszinierend zu sehen, wie ALLES voneinander abhängt. Nichts kann allein bestehen. Genauso hat er auch uns Menschen auf Ergänzung hin angelegt. Wenn wir uns von Gott und anderen Menschen ergänzen lassen, entfaltet sich ein erfülltes Leben. Gottes Anweisungen sollen uns zu einem glücklichen Leben leiten.
Deshalb ist die Bibel für uns eine große Inspiration. Durch die Erfahrungen von Menschen und Völkern lernen wir, was wirklich zählt. Dieses Buch ist immer aktuell und beinhaltete sehr wertvolle Lebensweisheiten. Jesus zeigt uns auch, wie sein Vater im Himmel denkt und fühlt. Wenn wir uns für Gottes Wort öffnen, wird unser Herz immer wieder neu berührt, selbst wenn wir meinen, eine Geschichte oder eine Person in der Bibel schon gut zu kennen.
Jesus hat den Inhalt der Schriften wie folgt zusammengefasst: Liebe zu Gott und den Mitmenschen (Markus 12,29-31). Liebe lässt die freie Entscheidung zu. Niemand muss, doch jeder ist eingeladen.
Und was, wenn wir feststellen, dass wir uns von Gott abgewandt haben? Dann lädt Gott uns ein, uns ihm wieder zuzuwenden und uns mit ihm zu versöhnen. Wir können das Vergebungsangebot annehmen und Jesus einladen, uns neu zu prägen. Und das immer wieder. Auf ihn sehen, ist eine Entscheidung, die ich für mich getroffen habe und bis heute in Anspruch nehme. Ich bin so dankbar für Gottes Geduld mit jedem von uns. Wenn wir auf ihn sehen, wird unser Denken immer wieder erneuert.
Also ein N für alles wird neu.
Durch wen wird alles neu? Durch den König.
K Der König, der am Kreuz für uns alles auf sich nahm, was zwischen dem himmlischen Vater und uns steht. Am Kreuz wird aufgehoben, was unseren Weg zu Gott durchkreuzt. Das, was uns belastet, löst sich nicht einfach in Luft auf, sondern wird bei Jesus abgelegt. So werden wir frei. Dann können wir als seine Kinder sicher sein, dass wir keinen Moment allein sind. Auch dann nicht, wenn es Stürme gibt im Leben. Und die gibt es immer wieder. Was hilft uns in einem großen Sturm?
Wenn Jesus unser König ist, dann wird ER für ALLE, die das wollen zum ANKER.
Ihr habt Rettungsringe mitgenommen. Sie halten uns über Wasser. Das hilft. Aber findet uns jemand? Was gibt mir Sicherheit im Sturm? Gibt es noch Hoffnung? Was ist mein Anker im Sturm?
Im Hebräerbrief wird es so beschrieben: „18 Gottes Zusage ermutigen und stärken alle, die an der von Gott versprochenen Hoffnung festhalten. 19 Diese Hoffnung ist für uns ein sicherer und fester Anker, der hineinreicht in den himmlischen Tempel.“ (Hebräer 6,18-19).
Jetzt sind wir wieder bei Psalm 16:
„Er steht mir zur Seite … Bei dir, HERR, bin ich in Sicherheit.„
Der niederländische Priester, Psychologe und geistliche Schriftsteller Henri Nouwen erzählt über eine Begegnung mit Zirkus-Trapezkünstlern. In seinem Buch „Die Gabe der Vollendung“ schreibt er:
Eines Tages saß ich mit Rodleigh, dem Leiter der Truppe, in seinem Wohnwagen und unterhielt mich mit ihm übers Fliegen durch die Luft. Er sagte:
„Als Luftspringer muss ich absolutes Vertrauen auf den haben, der mich auffängt. Sie und das Publikum halten vielleicht mich für den großen Star am Trapez, aber der wirkliche Star ist Joe, mein Fänger. Er muss für mich im Bruchteil einer Sekunde parat sein und mich aus der Luft angeln, wenn ich im hohen Bogen auf ihn zufliege.“
„Wie klappt das immer?“, frage ich zurück.
„Nun, das Geheimnis besteht darin, dass der Flieger nichts tut und der Fänger alles! Wenn ich auf John zufliege, muss ich bloß meine Arme und Hände ausstrecken und darauf warten, dass er mich auffängt und sicher auf die Rampe zurücksetzt.“
„Und Sie tun dabei nichts!“, erwiderte ich ziemlich überrascht.
„Nein, gar nichts,“ wiederholte Rodleigh. „Das Schlimmste, was der Flieger tun kann, ist, nach dem Fänger greifen zu wollen. Aber ich soll ja nicht Joe auffangen, sondern er mich. Würde ich nach Joes Handgelenken greifen, könnte ich sie brechen, oder er könnte die meinen brechen, und das wäre für uns beide das Aus! Ein Flieger soll nichts als fliegen, ein Fänger nichts als auffangen; und der Flieger muss mit ausgestreckten Armen völlig darauf vertrauen, dass sein Fänger im richtigen Augenblick nach ihm greift.“
In: Henri J.M. Nouwen, Die Gabe der Vollendung. Herder GmbH, Freiburg i.Br 1994, S. 81-82.
Im großen Trapezakt der Erlösung ist Gott der Fänger und wir die Flieger. Wir vertrauen ausschließlich auf Gottes Fähigkeit, uns aufzufangen und strecken ihm die Hände entgegen.
Wenn auch ihr gerne ein Bibelwort mit auf den Weg nehmen wollt, dürft ihr gerne am Ausgang eines ziehen.