Kategoriearchiv: Sonntagsgedanken Tagblatt

Sonntagsgedanken Toggenburger Tagblatt – 10. Oktober 2026

Meine Zeit steht in deinen Händen

Das steht in Psalm 31,16. Der Schreiber David steckt in einer tiefen Krise. Er wird verfolgt, hat Angst und fühlt sich einsam. Auch wir kennen Zeiten, in denen uns alles entgleitet. David sagt in Psalm 31,15-16: „Ich hoffe auf dich. Du bist mein Gott. Meine Zeit steht in deinen Händen.“

Das Wissen, dass Gott die Zeit in seiner Hand hält, nimmt den Druck, alles im Leben selbst kontrollieren und erklären zu müssen.

Was bedeutet „meine Zeit“? Im Kontext meint es „meine Lebenszeit“. Aber es gilt für alle Lebenssituationen. Gott bestimmt unsere Zeiten. Zeiten in der Arbeit, Krankheitszeiten, Auszeiten, gute und schwierige Zeiten. Alles hat einen Rahmen.

Ethel Caterham hält mit 117 Jahren aktuell den Weltrekord als älteste Person. Zu ihrem Geburtstag am 21. August gab sie ihre Lebensweisheit bekannt: „Nie mit jemandem streiten. Ich höre zu und tue, was ich will.“ Sie spart Energie, indem sie sich nicht stressen lässt. Sie schenkt anderen Aufmerksamkeit und übernimmt Verantwortung für ihr eigenes Leben, indem sie sich nicht von anderen bestimmen lässt.

Spannend ist, was David macht. Er richtet seinen Blick auf Gott und legt seine Zeit in Gottes Hand.

Was sind das für Hände? In Jesus hält Gott mir seine durchbohrten Hände entgegen. „Wie groß ist deine Güte, HERR“ (Psalm 31,20). Es sind versöhnende Hände. Jesus möchte, dass ich mich mit meinem Leben, mit ihm und dem himmlischen Vater versöhne. Dafür hat Jesus sein Leben für mich hingegeben. Seine Liebe zu mir ist unerschütterlich. Er hat mir sein Ja gegeben. Deshalb gebe auch ich ihm mein Ja und sage: „Meine Zeit steht in deinen Händen.“ Ich vertraue dir.

Der Kirchenvater Aurelius Augustinus soll einmal gesagt haben: „Ich habe viele Dinge in meinen Händen gehalten und habe sie alle verloren. Aber alles, was ich in Gottes Hände gelegt habe, das besitze ich noch heute.“

Hanspeter Obrist, Erwachsenenbildner und Pastor der Viva-Kirche Ebnat-Kappel

Weitere Zeitungsbeiträge: https://vivakirche-ebnat-kappel.ch/category/sonntagsgedanken-tagblatt

Sonntagsgedanken Toggenburger Tagblatt – 25. Juli 2026

Regen ein Segen

In diesem Sommer wird uns bewusst, was für ein Segen Wasser ist. Ohne Regen schränkt sich unser Leben schnell ein.

In der Bibel wird Gott als die Quelle lebendigen Wassers bezeichnet. In Jeremia 17,13 heisst es: „Sie haben den HERRN, die Quelle lebendigen Wassers, verlassen.“ Jesus sagt in Johannes 7,37: „Wenn jemand dürstet, der komme zu mir und trinke.“

In Psalm 23 schreibt König David: „Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln. Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen Wasser. Er erquickt meine Seele.“ „Erquicken“ bedeutet „lebendig machen“, „erfrischen“ oder „beleben“. In einer anderen Bibelübersetzung steht: „Bei mir erholt ihr euch. Wenn ihr euch mir anvertraut, dann kommt Ruhe in euer Leben.“

Als Reiseleiter in Israel habe ich immer wieder mit eigenen Augen gesehen, wie die Auswirkungen von Wasser direkt sichtbar sind. Mit Wasser ist es grün und es gibt Leben. Wo nicht bewässert wird oder keine Quelle vorhanden ist, bleibt es lange Zeit braun. Und wer zu wenig trinkt, spürt schnell körperliche Auswirkungen.

Wie abhängig wir vom Regen sind, ist uns in der Schweiz oft nicht bewusst. Wasser ist für uns selbstverständlich. Vielleicht dient dieser Sommer dazu, uns bewusst zu machen, dass vieles in unserem Leben nicht selbstverständlich ist. Wir können nicht alles selbst herstellen und sind von Gott und einander abhängig. Das Gebet um Regen rückt wieder neu in den Fokus. Erst kürzlich sagte mir jemand, dass es in ihrer Jugend noch üblich war, um Regen zu beten.

Auch durch Lebensschicksale lernen wir: Unser Leben kann sich schnell verändern. Wer in Gott verankert ist, hat auch in trockenen und stürmischen Zeiten des Lebens einen Halt. Das gibt uns Zuversicht.

Monsignore Dr. Josef Hernoga vom Bistum Eichstätt schreibt: „Mit dem Tod und der Auferstehung Christi reicht Gott uns ein Seil der Hoffnung, an dem wir uns festhalten können.“

Hanspeter Obrist, Erwachsenenbildner und Pastor der Viva-Kirche Ebnat-Kappel

Gedanken zum Ökumenischen Bibelsonntag 2026

Sonntagsgedanken Toggenburger Tagblatt – 24. Januar 2026

Der letzte Sonntag im Januar ist der ökumenische Bibelsonntag. An diesem Tag soll die Bibel als lebendige Quelle des Glaubens neu entdeckt werden.

Papst Franziskus schrieb dazu im Jahr 2020: „Beginnen wir beim Evangelium: Lassen wir es offen auf dem Nachttisch liegen, tragen wir es in der Tasche mit uns, öffnen wir es auf dem Handy, lassen wir zu, dass es uns jeden Tag inspiriert. So werden wir entdecken, dass Gott uns nahe ist.“

Weiter schrieb er: „Die Bibel kann nicht nur einigen wenigen gehören, geschweige denn eine Sammlung von Büchern für wenige Auserwählte sein. Sie gehört vor allem dem Volk, das versammelt ist, um sie zu hören und sich in diesem Wort selbst zu erkennen.“

Der Verkauf von Bibeln hat sich in Grossbritannien innerhalb von fünf Jahren fast verdoppelt. Gibt es ein Comeback des Christentums? Klar ist, dass das Thema Glaube nicht mehr zu den Tabuthemen zählt und man wieder offener und ungezwungener damit umgeht. Immer mehr prominente Personen sprechen offen von ihrem Glauben und der Kraft, die sie aus der Bibel schöpfen. Um unsere Kultur- und Kunstgeschichte zu verstehen, müssen wir die dazugehörigen biblischen Geschichten kennen. Auch manche sprachliche Redewendungen haben ihren Ursprung in der Bibel, wie z.B. die „Hiobsbotschaft“.

Jesus sagt: „Wer an mich glaubt, aus dessen Leib werden, wie die Schrift sagt, Ströme lebendigen Wassers fliessen“ (Johannes 7,38). Je mehr wir von der Bibel verstehen und je mehr wir erfassen, wer und wie Jesus ist, desto mehr wird sich unsere Sicht auf uns und unser Umfeld ändern.

Ich finde es hilfreich, gemeinsam in der Bibel zu lesen. Dadurch erhalten wir viel mehr Impulse. Je nach Lebenssituation lesen wir die Bibel aus einer anderen Perspektive. Die Bibel enthält auch viele hilfreiche Lebensweisheiten. So erfahren wir beispielsweise in Sprüche 12,25: „Sorgen drücken einen Menschen nieder; ein gutes Wort richtet ihn auf.“

Sonntagsgedanken Toggenburger Tagblatt – 20. September 2025

Gebete verändern Menschen

Obwohl sich der eidgenössische Dank-, Buss- und Bettag dem Gebet widmet, ist er kein kirchlicher, sondern ein staatlicher Feiertag. Paulus schrieb im 1.Timotheus 2,2–3: «Betet besonders für alle, die in Regierung und Staat Verantwortung tragen, damit wir in Ruhe und Frieden leben können, ehrfürchtig vor Gott und aufrichtig unseren Mitmenschen gegenüber». Albert Schweitzer sagte: «Gebete ändern die Menschen».

Der Hauptfokus im Gebet ist nicht, Gott zu bewegen. Viel wichtiger ist, dass wir durch das Gebet von Gott bewegt und beschenkt werden. Gebete sind keine Anweisungen an Gott, sondern ein Gespräch mit ihm, in dem er uns auf das hinweisen möchte, was ihm wichtig ist.

Der schweizerische Bettag hat drei Schwerpunkte: Dank, Busse und Gebet. Es ist ein spannender Gedanke, dass wir vor allem dankbare Menschen sein sollen. Das eröffnet uns eine neue Perspektive auf die schönen Dinge des Alltags. Lasst uns die Faszination des Lebens neu entdecken. David ermutigt in Psalm 103,2 seine Seele: „Lobe den HERRN, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat!“ Warum also nicht Gott für all das Schöne im Toggenburg danken?

Der zweite Schwerpunkt dieses Tages ist die Busse. Busse ist die Anfrage an uns, ob wir uns von der Not in unserem Land berühren lassen wollen. In Lukas 19,41 steht von Jesus „Als er näher kam und die Stadt (Jerusalem) sah, da weinte er über sie“. Jesus liegen alle Menschen am Herzen, auch alle im Toggenburg.

Beten bedeutet zu unserer Ohnmacht zu stehen, Gott unsere Not zu sagen, Jesus in unser Leben einzuladen und darauf zu vertrauen, dass der Heilige Geist in und durch uns wirkt. Fürbitte meint, dass wir für diejenigen beten, denen im Moment die Worte fehlen. Wir können Gott jederzeit unser Herz ausschütten, so wie es in Psalm 62,9 heißt: „Vertraut ihm, Volk, zu jeder Zeit! Schüttet euer Herz vor ihm aus! Denn Gott ist unsere Zuflucht.“

Hanspeter Obrist, Erwachsenenbildner und Pastor der Viva-Kirche Ebnat-Kappel

Sonntagsgedanken Toggenburger Tagblatt – 28. Juni 2025

Zur Ruhe kommen 

Jesus sagt in Matthäus 11,28: «Ich werde euch Ruhe geben.» In einer anderen Bibelübersetzung steht: «Bei mir erholt ihr euch. … Wenn ihr euch mir anvertraut, dann kommt Ruhe in euer Leben.»

Es tut gut, im Sommer für eine kurze Zeit weniger Verpflichtungen zu haben. Spannend ist die Aussage, dass wir bei Jesus auftanken können. Er verspricht nicht nur körperliche Ruhe, sondern durch die Verbindung mit ihm auch geistige und seelische Erholung – und das ganz ohne Reisestress.

Diese Ruhe ist mehr als eine Auszeit. Sonntagsgedanken Toggenburger Tagblatt – 28. Juni 2025 weiterlesen →

Sonntagsgedanke Toggenburger Tagblatt 5. Oktober 2024

Es lohnt sich in Dankbarkeit zu investieren

«Wir haben einen 38 kg schweren Kürbis geerntet. Habt ihr eine Idee, wie wir die nicht benötigten 30 kg mit andern teilen könnten?» fragte uns jemand per Mail. Schon zuvor hatten wir 20 kg Trauben von einem einzigen Rebstock verteilt. Der Herbst ist die Zeit des Erntens und Dankens. Wir dürfen geniessen und teilen, was in den Monaten zuvor entstanden ist.

Im Danken öffnen wir unseren Blick für die Wunder des Alltags. Im Danken teilen wir miteinander die Faszination des Lebens. Sonntagsgedanke Toggenburger Tagblatt 5. Oktober 2024 weiterlesen →

Sonntagsgedanke Toggenburger Tagblatt 1. Juni 2024

«Dein Wort ist eine Leuchte meinem Fuss und ein Licht auf meinem Pfad» (Psalm 119,105).

Der Toggenburger Zwingli war von der Bibel fasziniert. Nach seiner Priesterweihe in Glarus studierte er das Neue Testament nach dem griechischen Grundtext des Erasmus von Rotterdam. In Zürich übersetzte er mit Kollegen zwischen 1524 und 1529 die erste vollständige Bibel ins Deutsche.

Noch heute lesen Menschen gemeinsam in der Bibel. Was fasziniert sie an diesem Buch?
Sonntagsgedanke Toggenburger Tagblatt 1. Juni 2024 weiterlesen →