Paulus schreibt in Epheser 5,1-20: Seid Gottes Nachahmer und lebt als Kinder des Lichts. Die Intention des Textes ist keine moralische Anweisung zur Besserung, sondern die Folge der erlebten Gnade durch Jesus. Paulus spricht davon, wie man zum eigentlichen Menschen wird.
Der Epheserbrief zeigt auf, dass wir mit unserem Leben den dreieinigen Gott ehren sollen. Jesus ist die Schlüsselperson. Wir wurden aus einem geistlich toten Zustand zu einem Leben mit Gott erweckt. Gott ist nicht fern, sondern für alle Menschen direkt da. Wir sind im Wesentlichen eins, ergänzen einander und werden so zu mündigen Persönlichkeiten. Veränderung geschieht durch ein von Gott geprägtes Denken und wirkt sich im Leben aus.
Paulus schreibt in Epheser 5: „1 Seid nun Nachahmer Gottes als geliebte Kinder! 2 Und wandelt in Liebe, wie auch der Christus uns geliebt und sich selbst für uns hingegeben hat als Opfergabe und Schlachtopfer, Gott zu einem duftenden Wohlgeruch!“
Nachdem Paulus von der Erneuerung des Denkens gesprochen hat, spricht er nun von den Auswirkungen des Glaubens auf das Leben. Wir sind zu einem neuen Leben als Gottes geliebte Kinder befreit (Epheser 5,1). Jesus übernahm die Konsequenzen unserer Verfehlungen, indem er sich als Opfer am Kreuz hingab (Epheser 5,2). Nun soll auch unser Leben ein Wohlgeruch für Gott sein. Wie Paulus es in Römer 12,1 sagt: „Ich ermahne euch nun, Brüder, durch die Erbarmungen Gottes, eure Leiber darzustellen als ein lebendiges, heiliges, Gott wohlgefälliges Opfer, was euer vernünftiger Gottesdienst ist.“
Wenn wir unser Denken mit der Hilfe Gottes erneuern, hat das Auswirkungen auf unser Leben.
„3 Unzucht aber und alle Unreinheit oder Habsucht sollen nicht einmal unter euch genannt werden, wie es Heiligen entspricht; 4 auch Unanständigkeit und albernes Geschwätz und Witzelei, die sich nicht gehören, stattdessen aber Danksagung.“
Für Paulus ist ganz klar: „5 Denn dies sollt ihr wissen und erkennen, dass kein Unzüchtiger oder Unreiner oder Habsüchtiger – er ist ein Götzendiener – ein Erbteil hat in dem Reich Christi und Gottes. 6 Niemand verführe euch mit leeren Worten! Denn dieser Dinge wegen kommt der Zorn Gottes über die Söhne des Ungehorsams. 7 Seid also nicht ihre Mitteilhaber!“
Wer sich nicht verändern will, dient letztlich einem anderen Gott und hat keinen Anteil am Reich Gottes. In seinem letzten Brief schreibt Paulus, dass alle, die Jesus lieben, den Siegeskranz erhalten (2.Timotheus 4,8). Liebe zu Jesus ist der springende Punkt.
Für Paulus ist deshalb klar, dass man als Christ nichts tut, was man verbergen muss. So schreibt er in Vers 8: „Denn einst wart ihr Finsternis, jetzt aber seid ihr Licht im Herrn. Wandelt als Kinder des Lichts 9 – denn die Frucht (das Ergebnis) des Lichts besteht in lauter Güte und Gerechtigkeit und Wahrheit –, 10 indem ihr prüft, was dem Herrn wohlgefällig ist.
11 Und habt nichts gemein mit den unfruchtbaren Werken der Finsternis, sondern stellt sie vielmehr bloß! 12 Denn was heimlich von ihnen geschieht, ist selbst zu sagen schändlich. 13 Alles aber, was bloßgestellt wird, das wird durchs Licht offenbar; 14 denn alles, was offenbar wird, ist Licht. Deshalb heißt es: »Wache auf, der du schläfst, und stehe auf von den Toten!, und der Christus wird dir aufleuchten!«
Mit einem Zitat aus einer urchristlichen Taufliturgie bringt Paulus den Wandel auf den Punkt: „Wache auf, der du schläfst, und stehe auf von den Toten!, und der Christus wird dir aufleuchten!“ (Epheser 5,14). Das Zitat nimmt das Thema von Kapitel 2 wieder auf. Wir waren geistlich tot und sind zu einem Leben im Licht Jesu auferweckt worden. Ein ähnliches Bild finden wir in Apostelgeschichte 26,23, als Paulus dem König Agrippa sagte: „Dass er (Christus) als Erster durch (die) Totenauferstehung Licht verkündigen sollte, sowohl dem Volk (Israel) als auch den Nationen.“
Wir sind vom Reich des Todes in das Reich Gottes versetzt worden, in dem Jesus uns den Weg erleuchtet. Paulus sagt nicht: „Ihr wart in der Finsternis“, sondern: „Ihr wart Finsternis“. „Jetzt seid ihr Licht“ (Epheser 5,8).
In Jesaja 60,1 heißt es: „Steh auf, werde licht! Denn dein Licht ist gekommen, und die Herrlichkeit des HERRN ist über dir aufgegangen.“
Paulus schreibt weiter: „15 Seht nun genau zu, wie ihr wandelt, nicht als Unweise, sondern als Weise! 16 Kauft die rechte Zeit aus! Denn die Tage sind böse. 17 Darum seid nicht töricht, sondern versteht, was der Wille des Herrn ist!
18 Und berauscht euch nicht mit Wein, worin Ausschweifung ist, sondern werdet voller Geist, 19 indem ihr zueinander in Psalmen und Lobliedern und geistlichen Liedern redet und dem Herrn mit eurem Herzen singt und spielt! 20 Sagt allezeit für alles dem Gott und Vater Dank im Namen unseres Herrn Jesus Christus!“
Die Finsternis ist nicht ausgerottet – auch nicht in Ephesus. Sexuelle Unmoral, Schamlosigkeit jeder Art, Habgier, Obszönitäten, gottloses Geschwätz, anzügliche Witze sowie übermäßiger Weingenuss mit anschließendem Rauschzustand und zügellosem Verhalten sind offenbar auch unter Christen verbreitet, sonst müsste der Verfasser sie nicht extra erwähnen. Doch diese negativen Verhaltensweisen zeigen ein falsches Gottesverständnis auf (Vers 5).
Paulus scheint ein guter Menschenkenner zu sein. Deshalb ermahnt er seine Adressaten und uns, immer wieder aus der Zusage zu leben: „Du bist in Christus ein neuer Mensch geworden. Wir setzen unser Vertrauen in ihn.“ So haben wir es nicht nötig, wieder in alte Verhaltensmuster und Abhängigkeiten zurückzufallen und Menschen durch Geltungssucht, Schamlosigkeit und Habgier zu ängstigen und auszubeuten.
Durch das Opfer Jesu können wir christusgemäß leben (Nachahmer Gottes als geliebte Kinder). Der Text ist keine moralische Anweisung zur Besserung. Er zeigt die Folgen unserer innersten Gedanken. Wir werden nicht erlöst, sondern sind durch Jesus erlöst (Kinder Gottes). Paulus lädt uns ein, zu eigentlichen Menschen zu werden. Denn Gottesliebe zeigt sich in der Nächstenliebe, und nicht in der Ausnutzung.
Das Umfeld der Gemeinde in Ephesus war damals von Unmoral, Habgier und gottlosem Geschwätz geprägt. Dies scheint die damalige Normalität zu charakterisieren. Es wird sogar auf noch schlimmere Dinge angespielt, die gar nicht erst beim Namen genannt werden. Deshalb ermutigt Paulus zu einem entgegengesetzten Lebenswandel.
Unser Leben soll von Liebe, Dankbarkeit (Epheser 5,4), Güte, Gerechtigkeit und Wahrheit (Epheser 5,9) sowie Weisheit (Epheser 5,15) geprägt sein.
Anstatt sinnloses Geschwätz zu verbreiten (Epheser 5,6), sagen wir dem himmlischen Vater jederzeit Dank für alles im Namen von unserem Herrn Jesus Christus (Epheser 5,19).
Wir loben Gott von Herzen mit Psalmen und geistlichen Liedern (Epheser 5,19) und lassen uns vom Heiligen Geist prägen und führen (Epheser 5,18).
Die Epheser haben erlebt, was es heißt, Ausstrahlung auf eine ganze Metropole zu haben. Ephesus war eine der bedeutendsten, größten und reichsten Städte des Römischen Reiches mit über 200.000 Einwohnern. Das Zeugnis der Jesusnachfolger erschütterte diese Großstadt. In Ephesus gab es einen Tempel der Artemis, mit dem der Wirtschaftszweig der Silberschmiede verknüpft war. Die Silberschmiede lebten davon, kleine Nachbildungen der Artemis zu verkaufen. Dieses Geschäft wurde durch die Erweckung bedroht. In Apostelgeschichte 19 steht beschrieben, wie der Silberschmied Demetrius einen Aufruhr anzettelte.
Im Sendschreiben an die Epheser sagt Jesus dann aber: „Ich habe gegen dich, dass du deine erste Liebe verlassen hast. 5 Denke nun daran, wovon du gefallen bist, und tue Buße und tue die ersten Werke!“ (Offenbarung 2,4-5). Es scheint, als seien die Epheser in ihr altes Verhalten zurückgefallen.
Genau das ist die Herausforderung, zu der Paulus im Epheserbrief aufruft: Wir sollen unsere Klarheit und Strahlkraft bewahren, auch wenn alle um uns herum anders leben.
Wenn wir uns von außen verändern wollen, ist das Leben ein Krampf. Wenn wir uns von innen neu konditionieren, ist die Veränderung eine natürliche Folge.
Wir alle werden konditioniert. Die Frage ist nur, wovon. Die Werbung weckt in uns Bedürfnisse, die wir sonst nicht hätten. Die Medien und Schulen prägen unser Denken, sodass wir heute anders empfinden als frühere Generationen. Heute gilt die Devise: Solange es niemand merkt und nichts meine Freiheit einschränkt, ist alles in Ordnung. Es geht nicht mehr darum, was man gesagt hat, sondern was man nicht gesagt hat oder was nicht explizit im Vertrag steht. Wir nehmen uns alles selbst, egal, welche Auswirkungen es auf andere hat. Empathie wird immer mehr verdrängt und steht nicht mehr im Fokus.
Paulus geht es nicht um oberflächliche kosmetische Übungen, die den Kern des Wesens unberührt lassen.
In seinem Buch „Von innen nach außen“ schreibt Larry Crabb: Echte Veränderung geschieht von innen nach außen! Er argumentiert, dass der Versuch, nur das äußere Verhalten zu kontrollieren, oft zu Heuchelei oder Erschöpfung führt.
Paulus argumentiert ähnlich. Verinnerliche zuerst, wie Gott ist und was er will (Epheser 1-4). Lass dein Denken von ihm formen und verändern (Epheser 4,17-23), dann wird sich dein Leben wandeln (Epheser 5).
Christ sein bedeutet, sich auf diesen Prozess einzulassen. So müssen wir nichts mehr verbergen und Gottes Licht kann jeden Winkel unseres Lebens erleuchten.
Paulus beschreibt den Weg dazu wie folgt: „Werdet voller Geist, 19 indem ihr zueinander in Psalmen und Lobliedern und geistlichen Liedern redet und dem Herrn mit eurem Herzen singt und spielt! 20 Sagt allezeit für alles dem Gott und Vater Dank im Namen unseres Herrn Jesus Christus!“
Wir sollen also von Herzen singen und für alles dankbar sein, dann hat Gottes Geist Raum zu wirken.
Als Christen sprechen wir nicht ständig darüber, was verboten ist, sondern wie das Leben mit der Hilfe Gottes gelingt. Wir sind fasziniert von Gottes Gedanken und sind ihm für alles von Herzen dankbar.
Weitere Impulse zum Epheserbrief:
- Drei Gründe Gott zu loben 19. Januar 2026
- Jesus ist die Schlüsselperson 25. Januar 2026
- Vom Tod zum Leben 4. Februar 2026
- Gott ist nicht fern 8. Februar 2026
- Das Geheimnis Gottes – sein Masterplan 22. Februar 2026
- Einheit, Ergänzung und Mündigkeit 9. März 2026
- Erneuertes Denken 15. März 2026
- Lebt als Kinder des Lichts 22. März 2026