Jesus schickt durch Johannes Briefe an die sieben Gemeinden in Kleinasien. Interessant ist, dass Jesus nicht einfach die „Gemeinden von Kleinasien“ anspricht, sondern für die unterschiedlichen Orte andere Schwerpunkte erwähnt, die aber gleichzeitig für alle – und damit auch für uns – gelten. In Vers 7, 11, 17 und 29 von Kapitel 2 steht: „Wer Ohren hat, der höre, was der Geist den Gemeinden sagt.“
Glaube bedeutet Nähe und Abhängigkeit von Jesus. Die große Gefahr ist der jesuslose Jesusdienst. In Laodizea steht Jesus vor der Tür. Sardes meint, die Gemeinde sei lebendig, ist aber tot. In Ephesus ist die Liebe zu Jesus verblasst. In Pergamon hat man den Glauben verweltlicht und in Thyatira hat man ihn verdreht. Nur Smyrna und Philadelphia sind positiv.
Folgendes verspricht Jesus allen, die mit ihm verbunden sind: himmlische Nahrung (2,7), ewiges Leben (2,11), einen neuen ehrenvollen Namen (2,17), eine erfüllende Aufgabe (2,27-28), himmlische Gemeinschaft (3,4-5), Schutz und Bewahrung (3,10), Gemeinschaft mit ihm und dem himmlischen Vater (3,20-21).
Neben lobenden Worten, Zusagen und Verheißungen legt Jesus auch den Finger auf die wunden Punkte.
Der Brief ist jeweils an den Engel der Gemeinde gerichtet (Offenbarung 2,1; 2,8; 2,12; 2,18). Das Wort „Engel“ bedeutet „Bote“. Hier ist damit die Person gemeint, die Gottes Botschaft und damit den Inhalt dieses Briefes an die Gemeinde weitergibt.
Ephesus
Die Römer hatten Ephesus zur Hauptstadt der Provinz Asia gemacht. Mit dem Tempel der Fruchtbarkeitsgöttin Artemis, die auch Diana genannt wurde, beherbergte Ephesus eines der Sieben Weltwunder der Antike. Die Gemeinde von Ephesus hatte eine zentrale Stellung. Von hier aus verbreitete sich die gute Nachricht in ganz Kleinasien. Auch Johannes lebte nach der Zerstörung Jerusalems in dieser Stadt.
Den Ephesern fehlt es nicht an Glauben, sondern an Liebe. Das stellt alles andere in Frage. Jesus fordert deshalb die Gemeinde auf, zur hingebungsvollen ersten Liebe zurückzukehren. Die „erste Liebe“ ist ein tiefes Verlangen nach Gemeinschaft mit Jesus und die Faszination vom himmlischen Vater, von dem alle Liebe kommt. Wenn die Gemeinde umkehrt (Offenbarung 2,5), wird sich das auch auf die Beziehungen untereinander auswirkt. Im Text heißt es: „Tue die ersten Werke!“
Jesus verspricht den Überwindern (Siegern) die Früchte vom Baum des Lebens. Ein Leben, das vom Himmel genährt ist. Adam und Eva hatten statt den Baum des Lebens den Baum der Erkenntnis gewählt (1.Mose 3). Sie wollten nicht in Abhängigkeit von Gott leben.
In Jesus können sich Menschen aus allen Nationen für den Baum des Lebens entscheiden. Ein Leben im Vertrauen auf Jesus und in der Abhängigkeit von ihm statt eigenen, menschlichen Strategien. Ein Leben, das geprägt ist von einer tiefen Liebe zu Jesus und dem himmlischen Vater.
Smyrna
Die Stadt Smyrna wurde um 1000 v. Chr. als griechische Kolonie gegründet. In Smyrna gab es eine jüdische Gemeinde, die den Jesusleuten das Leben schwermachte (Offenbarung 2,9).
Die Gemeinde von Smyrna ist materiell arm, hat aber den Reichtum des Glaubens entdeckt (Offenbarung 2,9), auch wenn sie verfolgt wird.
Die Juden der Synagoge in Smyrna sollten eigentlich Gott dienen, doch mit ihrem Verhalten spielten sie dem Widersacher in die Hand. Jesus bezeichnet sie als Synagoge Satans. In Johannes 8,44 nennt Jesus die Juden, die das Wort Gottes verdrehten, Kinder des Teufels.
Genauso kann auch eine christliche Kirche in dieses Fahrwasser geraten. Menschen können sich Christen nennen, aber mit ihrem Handeln dem Teufel zudienen und andere Christen angreifen.
Mit Selbstverständlichkeit wird von Gefangenschaft und Tod berichtet. Doch weil Christus selbst tot war und wieder lebendig geworden ist (Offenbarung 2,8), verliert der erste Tod seinen Schrecken. Viel wichtiger ist, dass Christus vor dem zweiten Tod rettet (Offenbarung 2,11).
Menschen, die für ihren Glauben leiden und bereit sind, dafür zu sterben, zählen zu den Siegern und erhalten den Siegeskranz. Damit ist nicht nur der Erste gemeint, der das Ziel erreicht, sondern alle, die das Ziel erreichen. Jesus ermutigt: Haltet fest, auch wenn ihr mit dem Tod bedroht werdet.
Pergamon
Im Jahr 29 v. Chr. ließ Kaiser Augustus in Pergamon den ersten Kaiserkulttempel der Provinz errichten. Das berühmteste Bauwerk des antiken Pergamons ist der dem Zeus und der Athena geweihte Pergamonaltar, der heute im Pergamonmuseum in Berlin ausgestellt ist. Die Bibliothek von Pergamon war nach derjenigen von Alexandria die zweitgrößte der antiken Welt und soll mindestens 200.000 Buchrollen umfasst haben.
In Pergamon wurde auch ein Kurbetrieb im Asklepieion (Heiligtum des Asklepios, des griechischen Gottes der Heilkunst) angeboten. Durch einen rund 80 Meter langen unterirdischen Gang floss warmes, radioaktives Wasser aus einer heiligen Quelle. Es gab naturmedizinische und heilpraktische Behandlungen, Wasser- und Schlammanwendungen, Tiefschlafbehandlungen sowie ein Angebot für Traumdeutungen.
Obwohl Pergamon ein Zentrum des Kaiserkults und der griechischen Götterverehrung war, hielten die Jesus-Nachfolger an ihrem Glauben fest – selbst als Antipas dafür getötet wurde. Doch es gab auch Menschen in der Gemeinde, die Kompromisse suchten.
Die erwähnten Nikolaiten folgten dem Ratschlag Bileams. Dieser empfahl in 4.Mose 25,1-2 und 4.Mose 31,16, dass die nichtjüdischen Frauen die Israeliten zum Götzendienst verführen sollen.
Hier kann es auch umgekehrt sein, dass Frauen (und Männer) meinen durch eine Verbindung oder durch einen Flirt, Menschen für die Gemeinde gewinnen zu können. Dazu nehmen sie an den Festen teil (Götzenopfer). Sie dulden sexuelle Freizügigkeit, die Teilnahme an Götzenopfern und am Kaiserkult.
Wer mit „weltlichen Angeboten“ Menschen für die Kirche gewinnen will, verliert die geistliche Nahrung.
Anstatt sich auf Götzenopferfleisch zu fokussieren, sollten sich die Gläubigen auf das verborgene Manna konzentrieren. Jesus sagte: „Ich bin das Brot des Lebens; wer zu mir kommt, wird nie mehr hungern, und wer an mich glaubt, wird nie mehr Durst haben“ (Johannes 6,35). Wer nicht aufgibt und an Jesus festhält, bekommt das himmlische Brot (Manna) und einen neuen Namen.
Thyatira
Thyatira war in der Antike eine bedeutende Handels– und Industriestadt. Sie war eine der ersten Städte, in denen Geld als Zahlungsmittel verwendet wurde. Die Stadt war für ihre Textilindustrie und Purpurfärberei bekannt. So stammte beispielsweise die in Philippi lebende Purpurhändlerin Lydia aus dieser Stadt (Apostelgeschichte 16,14).
Der auferstandene Jesus weist die Gemeinde zurecht, weil sie eine Frau in ihrer Mitte duldete, die zu sexuell-religiösen Erfahrungen und Götzenopferfleisch ermutigte. Sie trieb mit verschiedenen Männern Ehebruch und nannte das „Erfahrung der Tiefen Satans“.
In Pergamon und auch in Thyatira vermischten einige Religion mit Erotik, obwohl Gott diese beiden Bereiche immer explizit trennt. Wenn Sexualität zu einem religiösen Akt wird, verliert sie ihre eigentliche Bestimmung als Ausdruck der Einheit zwischen Mann und Frau.
Die Vergeistlichung von Sexualität führt zum Missbrauch von Menschen. Die Gemeinde soll ein Ort sein, der frei von Sexualität ist. Hier sollen sich Menschen ohne Hintergedanken begegnen. Die Kirche sollte ein Schutzraum für menschliche Begegnungen sein, in dem kein Mensch zum Objekt eines anderen.
Wer anderen Menschen begegnen kann, ohne etwas von ihnen zu begehren, der ist qualifiziert für eine leitende Stellung im Reich Gottes.
Jesus wird in Offenbarung 22,16 als der Morgenstern bezeichnet. Der Morgenstern ist der letzte Stern bevor der Tag anbricht. Jesus ist der letzte Prophet, der das Reich Gottes ankündigt, bevor es anbricht. Der Text sagt aus, dass die Gläubigen in Jesus Anteil an der Herrschaft in seinem kommenden Reich haben. Wer sich bewährt, wird auch verantwortungsvolle Aufgaben erhalten.
Briefe aus dem Himmel – Offenbarung 2
1 Dem Engel der Gemeinde in Ephesus schreibe: Dies sagt der, der die sieben Sterne in seiner Rechten hält, der inmitten der sieben goldenen Leuchter wandelt:
2 Ich kenne deine Werke und deine Mühe und dein Ausharren, und dass du Böse nicht ertragen kannst; und du hast die geprüft, die sich Apostel nennen und es nicht sind, und hast sie als Lügner befunden; 3 und du hast Ausharren und hast vieles getragen um meines Namens willen und bist nicht müde geworden. 4 Aber ich habe gegen dich, dass du deine erste Liebe verlassen hast. 5 Denke nun daran, wovon du gefallen bist, und tue Buße und tue die ersten Werke! Wenn aber nicht, so komme ich zu dir und werde deinen Leuchter von seiner Stelle wegrücken, wenn du nicht Buße tust. 6 Aber dies hast du, dass du die Werke der Nikolaiten hasst, die auch ich hasse. 7 Wer ein Ohr hat, höre, was der Geist den Gemeinden sagt! Wer überwindet, dem werde ich zu essen geben von dem Baum des Lebens, welcher in dem Paradies Gottes ist.
8 Und dem Engel der Gemeinde in Smyrna schreibe: Dies sagt der Erste und der Letzte, der tot war und wieder lebendig wurde: 9 Ich kenne deine Bedrängnis und deine Armut – du bist aber reich – und die Lästerung von denen, die sagen, sie seien Juden, und es nicht sind, sondern eine Synagoge des Satans. 10 Fürchte dich nicht vor dem, was du leiden wirst! Siehe, der Teufel wird einige von euch ins Gefängnis werfen, damit ihr geprüft werdet, und ihr werdet Bedrängnis haben zehn Tage. Sei treu bis zum Tod! Und ich werde dir den Siegeskranz des Lebens geben. 11 Wer ein Ohr hat, höre, was der Geist den Gemeinden sagt! Wer überwindet, wird keinen Schaden erleiden von dem zweiten Tod.
12 Und dem Engel der Gemeinde in Pergamon schreibe: Dies sagt der, der das zweischneidige, scharfe Schwert hat: 13 Ich weiß, wo du wohnst; wo der Thron des Satans ist; und du hältst meinen Namen fest und hast den Glauben an mich nicht verleugnet, auch in den Tagen des Antipas, meines treuen Zeugen, der bei euch, wo der Satan wohnt, ermordet worden ist. 14 Aber ich habe ein weniges gegen dich, dass du solche dort hast, welche die Lehre Bileams festhalten, der den Balak lehrte, einen Fallstrick vor die Söhne Israel zu legen, sodass sie Götzenopfer aßen und Unzucht trieben. 15 So hast auch du solche, die in gleicher Weise die Lehre der Nikolaiten festhalten. 16 Tu nun Buße! Wenn aber nicht, so komme ich zu dir bald und werde Krieg mit ihnen führen mit dem Schwert meines Mundes. 17 Wer ein Ohr hat, höre, was der Geist den Gemeinden sagt! Wer überwindet, dem werde ich von dem verborgenen Manna geben; und ich werde ihm einen weißen Stein geben und, auf den Stein geschrieben, einen neuen Namen, den niemand kennt, als wer ihn empfängt.
18 Und dem Engel der Gemeinde in Thyatira schreibe: Dies sagt der Sohn Gottes, der Augen hat wie eine Feuerflamme und Füße gleich glänzendem Erz: 19 Ich kenne deine Werke und deine Liebe und deinen Glauben und deinen Dienst und dein Ausharren und ⟨weiß, dass⟩ deine letzten Werke mehr sind als die ersten. 20 Aber ich habe gegen dich, dass du das Weib Isebel gewähren lässt, die sich eine Prophetin nennt und meine Knechte lehrt und verführt, Unzucht zu treiben und Götzenopfer zu essen. 21 Und ich gab ihr Zeit, damit sie Buße tut, und sie will nicht Buße tun von ihrer Unzucht. 22 Siehe, ich werfe sie aufs Bett und die, welche Ehebruch mit ihr treiben, in große Bedrängnis, wenn sie nicht Buße tun von ihren Werken. 23 Und ihre Kinder werde ich mit dem Tod töten, und alle Gemeinden werden erkennen, dass ich es bin, der Nieren und Herzen erforscht; und ich werde euch einem jeden nach euren Werken geben. 24 Euch aber sage ich, den Übrigen in Thyatira, allen, die diese Lehre nicht haben, welche die Tiefen des Satans, wie sie es nennen, nicht erkannt haben: Ich werfe keine andere Last auf euch. 25 Doch was ihr habt, haltet fest, bis ich komme! 26 Und wer überwindet und meine Werke bis ans Ende bewahrt, dem werde ich Macht über die Nationen geben; 27 und er wird sie hüten mit eisernem Stab, wie Töpfergefäße zerschmettert werden, 28 wie auch ich von meinem Vater empfangen habe; und ich werde ihm den Morgenstern geben. 29 Wer ein Ohr hat, höre, was der Geist den Gemeinden sagt!
Weitere Texte aus der Offenbarung
Die Offenbarung Jesu – 1 28. Februar 2026
Briefe aus dem Himmel – Offenbarung 2 14. März 2026