Erneuerter Alltag

Wir betrachten den fortlaufenden Text des Epheserbriefes. Dabei müssen die großen Gedankengänge im Blick behalten werden.

Paulus möchte für das große Bild begeistern. Der dreieinige Gott soll durch unser Leben verherrlicht werden. Jesus ist die Schlüsselperson. Durch ihn erhalten wir ein neues Leben, indem wir Gott in unser Leben einladen. Durch den Heiligen Geist ist er in uns. Gott hat durch Jesus alle trennenden Mauern entfernt. Dadurch entstehen eine neue Gemeinschaft und Einheit unter uns Menschen. Wenn wir unser Denken erneuern, leben wir als Kinder des Lichts, indem wir einander ergänzen. Das wirkt sich auch auf unsere engsten Beziehungen und unseren Alltag aus.

Die Kernzellen des menschlichen Zusammenlebens sind die Familie und der Beruf. Hier muss sich der Glaube bewähren.

Vom bekannten Berner Dichter Jeremias Gotthelf stammt das Wort: Im Hause muss beginnen, was leuchten soll im Vaterland.“

Leider gibt es immer wieder die umgekehrte Situation. Niemand soll erfahren, wie es zuhause zugeht.

Oft wird Epheser 5,21–33 einseitig zitiert, was zu einer falschen Wahrnehmung führt. In Vers 21 wird das Miteinander treffend umschrieben: Ordnet euch einander unter in der Furcht Christi.“

Das Wort „einander“ wir dabei oft übersehen.

Im Prinzip können wir diesen Satz mitnehmen und alles ist gesagt. Oder den Grundsatz: „Kommt einander entgegen“. Er gilt für alle Beziehungen – auch für die Gemeinde und unsere Gesellschaft. Deshalb gelten die folgenden Empfehlungen für alle Beziehungen.

Schon Jesus hat auf die ganz andere Kultur hingewiesen, die unter seinen Nachfolgern herrschen soll. In Lukas 22,25–26 sagt Jesus: „Die Könige der Nationen herrschen über sie, … 26 Ihr aber nicht so! Sondern der Größte unter euch sei wie der Jüngste und der Führende wie der Dienende.“

Es geht also um eine freiwillige Unterordnung und nicht um eine zwanghafte Unterwerfung vom anderen. Es geht darum einander liebend zu gewinnen.

Wenn wir einen respektvollen und wertschätzenden Umgang pflegen, erübrigt sich vieles.

Nachdem Jesus den Jüngern die Füße gewaschen hatte, sagte er in Johannes 13,15: „Ich habe euch ein Beispiel gegeben, dass auch ihr tut, wie ich euch getan habe.“

Paulus schreibt in Epheser 5,21-6,9: Ordnet euch einander unter in der Furcht Christi, 22 die Frauen den eigenen Männern als dem Herrn! 23 Denn der Mann ist das Haupt der Frau, wie auch der Christus das Haupt der Gemeinde ist, er als der Retter des Leibes. 24 Wie aber die Gemeinde sich dem Christus unterordnet, so auch die Frauen den Männern in allem. 25 Ihr Männer, liebt eure Frauen!, wie auch der Christus die Gemeinde geliebt und sich selbst für sie hingegeben hat, 26 um sie zu heiligen, sie reinigend durch das Wasserbad im Wort, 27 damit er die Gemeinde sich selbst verherrlicht darstellte, die nicht Flecken oder Runzel oder etwas dergleichen hat, sondern dass sie heilig und tadellos ist. 28 So sind auch die Männer schuldig, ihre Frauen zu lieben wie ihre eigenen Leiber. Wer seine Frau liebt, liebt sich selbst. 29 Denn niemand hat jemals sein eigenes Fleisch gehasst, sondern er nährt und pflegt es, wie auch der Christus die Gemeinde. 30 Denn wir sind Glieder seines Leibes. 31 »Deswegen wird ein Mensch Vater und Mutter verlassen und seiner Frau anhängen, und die zwei werden ein Fleisch sein.« 32 Dieses Geheimnis ist groß, ich aber deute es auf Christus und auf die Gemeinde. 33 Jedenfalls auch ihr – jeder von euch liebe seine Frau so wie sich selbst; die Frau aber, dass sie Ehrfurcht vor dem Mann habe!

Viele hören nur die Worte: „Ihr Frauen ordnet euch den Männern in allem unter.“ Doch diese Worte stehen so gar nicht da.

In der damaligen Zeit galten folgende Slogans:

Aristoteles sagte: „Der Mann ist naturgemäß der Frau überlegen. Der eine herrscht, der andere wird beherrscht. Dieses Prinzip gilt notwendigerweise in der gesamten Menschheit.“

Sein Ziehvater Platon meinte: „Von den Männern, die in die Welt kamen, kann man mit Vernunft davon ausgehen, dass die Feigen oder Ungerechten in das Wesen von Frauen verwandelt wurden in der zweiten Generation.“ Eine Frau zu sein bedeutete demnach, ein moralisch unterlegener oder minderwertiger Mann zu sein.

Ehebruch galt im römischen Recht als Sonderfall des Diebstahls: Ein Mann vergriff sich am Eigentum eines anderen. Der Mensch als Besitz war im Römischen Reich sehr gefragt.

Dem Familienvater war es gemäß dem römischen Recht vorbehalten, über Leben und Tod zu entscheiden. Er entschied darüber, ob Babys leben durften oder sterben mussten.

In der griechischen und römischen Antike gehörte die Frau zum Besitzstand des Ehemannes.

Und dann kam Paulus und sagte: „Ordnet euch einander unter.“ Das muss wie eine Bombe eingeschlagen haben. Der Mann soll sich der Frau unterordnen? Es geht nicht um Unterwerfung. Unterwerfung wäre heidnisches Denken. Es geht um Hingabe an den anderen.

Paulus klärt das „Wie“. Wie Christus. Wie sich Christus dem Vater unterordnet, freiwillig, aus Liebe und wie sich die Gemeinde Christus unterordnet, der alles für sie gibt.

Wenn ein Mann seine Frau so liebt, wie Jesus die Menschen liebt – nämlich als einer, der hilft (Retter), der sein Leben für sie hingibt und sich für sie einsetzt (heiligt) – dann ist es nicht schwer, sich einem solchen Mann anzuvertrauen. In Epheser 5,31 steht, dass Mann und Frau eins werden. Das ist nur in gegenseitiger Wertschätzung möglich (Epheser 5,29).

Mann und Frau sind als Ergänzung zueinander geschaffen. So wie es Paulus in Epheser 5,21 schreibt: Ordnet euch einander unter in der Furcht Christi.“ Also auf die Art und Weise, wie Christus sich freiwillig unterordnet und dient und mit Liebe gewinnen will.

Es geht also um Ergänzung und nicht um Begrenzung. Nicht einer entscheidet für beide, sondern jeder dort, wo er kompetent ist. Das haben die vorangehenden Texte über die Gemeinde entfaltet, die als Vorbild gelten. Man soll auf den anderen eingehen.

Die Frau ist nicht das Eigentum des Mannes, über das er verfügen kann. Paulus schreibt im Galaterbrief 3,28, dass Mann und Frau gleichwertig sind: „Da ist nicht Mann und Frau; denn ihr alle seid einer in Christus Jesus.“

Die Beziehung Jesu zu uns ist das große Vorbild, auch für die Ehen. Er möchte, dass wir uns entfalten können und freiwillig gern miteinander unterwegs sind. Eine Frau vertraut sich einem Mann an, der sich selbst Christus unterordnet und sich von ihm verändern lässt.

Dieser liebevolle Umgang prägt auch das Verhältnis zwischen Eltern und Kindern (oder zwischen Leitern und Gruppenteilnehmern).

1 Ihr Kinder, gehorcht euren Eltern im Herrn! Denn das ist recht. 2 »Ehre deinen Vater und deine Mutter« – das ist das erste Gebot mit Verheißung –, 3 »damit es dir wohlgeht und du lange lebst auf der Erde.« 4 Und ihr Väter, reizt eure Kinder nicht zum Zorn, sondern zieht sie auf in der Zucht und Ermahnung des Herrn! 

Ein Machtgefälle darf nicht ausgenutzt werden und Kinder nicht in den Zorn getrieben werden. Kinder brauchen Vorbilder, denen sie nacheifern können. Sie brauchen Eltern, die sich in ihre Situation hineinversetzen und abschätzen können, was ein Kind in seinem Alter schon nachvollziehen kann und wo es Anleitung braucht. Eltern prägen ihre Kinder immer – entweder als positive oder als negative Vorbilder. Kinder kennen ihre Eltern und werden sie auch herausfordern, so dass offenbar wird, wie sehr sich die Eltern selbst von Christus prägen lassen. Wenn Kinder miterleben, wie ihre Eltern Hilfe bei Gott suchen, ermutigt sie das, sich ebenfalls Gott anzuvertrauen, anstatt sich selbst als stark beweisen zu müssen. Paulus schreibt auch, dass die Väter für die religiöse Erziehung verantwortlich sind (Epheser 6,4).

Dann wendet sich Paulus der Berufswelt zu. Was er über den Sklaven sagt, können wir auf die heutige Berufswelt übertragen. Es geht um Respekt gegenüber den Vorgesetzten und die Wertschätzung gegenüber den Mitarbeitern. Auch hier gilt, den anderen in Liebe zu gewinnen.

5 Ihr Sklaven, gehorcht euren irdischen Herren mit Furcht und Zittern, in Einfalt eures Herzens, als dem Christus; 6 nicht mit Augendienerei, als Menschengefällige, sondern als Sklaven Christi, indem ihr den Willen Gottes von Herzen tut! 7 Dient mit Gutwilligkeit als dem Herrn und nicht den Menschen! 8 Ihr wisst doch, dass jeder, der Gutes tut, dies vom Herrn empfangen wird, er sei Sklave oder Freier. 9 Und ihr Herren, tut dasselbe ihnen gegenüber, und lasst das Drohen!, da ihr wisst, dass sowohl ihr als auch euer Herr in den Himmeln ist und dass es bei ihm kein Ansehen der Person gibt.

Ein konstruktives Arbeitsumfeld braucht ein wohlwollendes Zusammenspiel. Spannend ist auch der Gedanke des Paulus, dass wir unsere Arbeit so vollbringen sollen, als würden wir sie für Christus tun (Epheser 6,7). Damit wird jede Arbeit zu einem Gottesdienst.

Auch der Hinweis, dass Gott ins Verborgene sieht und dass er uns unsere Leistung vergilt, sorgt für eine andere Haltung gegenüber der Arbeit (Epheser 6,8). Nicht Augendienerei, sondern ein Ringen um gute Arbeit soll die Berufswelt prägen. Der Nächste wird nicht über den Tisch gezogen. Christen zeichnen sich durch faire Angebote aus. Sie handeln und leben immer im Bewusstsein, dass Gott die Aufrichtigen segnet.

Im Roman „Ueli dem Knecht“ von Jeremias Gotthelf vermittelt der „Bodenbauer“ eine Meisterstelle in der „Glungge“, nachdem er sich einen guten Namen erworben hat.

Jesus sagt in Lukas 16,10: „Wer im Geringsten treu ist, ist auch in vielem treu, und wer im Geringsten ungerecht ist, ist auch in vielem ungerecht.“

Es geht also um gegenseitige Wertschätzung und nicht um einen Kampf um Rechte.

Paulus beschreibt Wechselwirkungen. Was aber, wenn der andere uns herablassend und abwertend behandelt? Was, wenn der Vorgesetzte, die Kinder oder der Ehepartner einem auf die Palme bringen?

Jedes Auto bringt man jährlich in den Service. Es ist auch hilfreich, unsere Beziehungen in einem Kurs oder Seminar zu beleuchten. Manchmal hilft ein Mediator oder Mentor, neue Strukturen zu finden, die aufbauend wirken. Oder es kann ein neuer, gangbarer Weg gefunden werden. Dazu gehören auch Grenzen setzen, Vereinbarungen treffen und Freiräume schaffen.

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