Vom Tod zum Leben

Mit dem Epheserbrief möchte Paulus uns für Gottes Plan begeistern. Wir loben Gott, den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist, wenn wir unsere Kindschaft durch die Erlösung in Jesus Christus annehmen. Während im letzten Abschnitt Jesus im Mittelpunkt stand, geht es heute um den Menschen (Epheser 2,1–10). Dabei geht es nicht um gute oder schlechte Menschen, sondern um die Zugehörigkeit.

Paulus spricht hier von seiner persönlichen Erfahrung. Bevor Christus ihm vor Damaskus begegnete, war er für Gottes Reden nicht ansprechbar. Jesus hat aber seine innere Sehnsucht nach dem Messias gesehen (Epheser 1,12 „Die wir vorher schon auf den Christus gehofft haben“), sein Leben komplett verändert und ihm eine neue Perspektive gegeben.

Ab Epheser 2,1 schreibt Paulus: „Auch euch, die ihr tot wart in euren Vergehungen und Sünden, 2 in denen ihr einst wandeltet gemäß dem Zeitlauf dieser Welt, gemäß dem Fürsten der Macht der Luft, des Geistes, der jetzt in den Söhnen des Ungehorsams wirkt. 3 Unter diesen hatten auch wir einst alle unseren Verkehr in den Begierden unseres Fleisches, indem wir den Willen des Fleisches und der Gedanken taten und von Natur Kinder des Zorns waren wie auch die anderen.“

Paulus verwendet zwei Bilder. Wir sind von Natur aus tot, und in der Luft regiert der Fürst des Ungehorsams.

Das hebräische Wort für Himmel ist: „Schamayim“ (שָׁמַיִם). Daraus hört man auch: „Dort Wasser“ (Scham mayim). Also dort, wo das Leben herkommt. Gott ist der Geber allen Lebens.

Zwischen Gott und uns hat sich der Fürst des Ungehorsams gestellt. Er hat uns den direkten Draht zu Gott sozusagen abgeschnitten, indem er uns dazu brachte, Gott zu misstrauen und seiner verdrehten Darstellung der Dinge zu glauben.

Schon im Bericht über die ersten Menschen heißt es, dass sie sterben werden, wenn sie Gottes Anweisungen missachten und das Verbotene tun (1.Mose 3,3).

Spannend ist die Reaktion der Menschen danach. Sie verstecken sich vor Gott, der sie sucht. Der Mensch zieht sich also von Gott zurück und nicht Gott vom Menschen. Die ungetrübte Verbindung zu Gott ist gekappt. Der Mensch realisiert, dass in Gottes Gegenwart alles offengelegt ist. Deshalb will er sich schützen und macht sich Kleider.

Doch was bedeutet dieses „tot sein“? Der Mensch lebt doch weiter. Es ist, als wäre ein Gerät mit Akku vom Stromkreis getrennt. Man funktioniert zwar weiter, doch irgendwann ist die geschenkte Lebensenergie aufgebraucht.

Wir nehmen Gott nicht mehr wahr. Im Gleichnis vom verlorenen Sohn wird dieses „Totsein“ beschrieben. Der Vater sagt: „Der Sohn war tot und ist wieder lebendig geworden“ (Lukas 15,24). Dies bedeutet, dass der Vater den verlorenen Sohn durch seine Umkehr wieder als seinen Sohn angenommen hat. Er hat schon immer auf ihn gewartet. Doch erst als er kommt, wird die Liebe des Vaters wirksam. Entscheidend ist in Bezug auf seine Identität nicht, was der Sohn tut, sondern die Gnade des Vaters, wenn man sie zulässt.

Dieses Bild greift Paulus auf. Ohne Umkehr zu Gott, sind wir aus Gottes Perspektive tot. Unerreichbar.

Der Teufel ist der Fürst der Lüfte, der sich dazwischenschob. Als Jesus in Matthäus 4 mit ihm sprach, hat Jesus dem Teufel die Rechte an der Welt nicht abgesprochen. Indem der Durcheinanderbringer uns zum Ungehorsam gegenüber Gott bewegen konnte, gehören wir zu seinem Herrschaftsbereich.

In Apostelgeschichte 26 bezeugt Paulus König Agrippa II., was Jesus ihm aufgetragen hat: Ich sende dich, … 18 „ihre Augen zu öffnen, dass sie sich bekehren von der Finsternis zum Licht und von der Macht des Satans zu Gott, damit sie Vergebung der Sünden empfangen und ein Erbe unter denen, die durch den Glauben an mich geheiligt sind.“

Was wir heute beobachten können, ist, dass der Mensch von Natur aus nicht gut ist. Der jüdische Autor Denis Prager hat nach dem Holocaust einen Artikel geschrieben. Darin hält er fest:

  1. Menschliche Wesen sind im Grunde nicht gut. Das ist die offensichtlichste und vielleicht wichtigste Lehre des Holocaust. Es war nicht Gott, der den Holocaust veranlasste. Die am häufigsten genannte Entschuldigung für Menschen, deren Taten von Boshaftigkeit gekennzeichnet sind, ist, dass sie krank seien. Doch sie waren nicht krank. Sie waren böse.
  2. Bildung und Kunst, zwei der angesehensten westlichen Werte, sind moralisch gesehen, gänzlich irrelevant. Eine Studie von 24 Einsatzgruppenführern zeigt, dass die große Mehrheit dieser Männer sehr gebildet war.
  3. Gewaltlosigkeit schützt nicht vor Vernichtung.
  4. Der Schwächste wurde als Sündenbock angegriffen.

Paulus schreibt in Vers 1: Die ihr tot wart in euren Vergehungen und Sünden“. Hier stehen die beiden häufigsten Wörter für Sünde nebeneinander. „Paraptoma“ (παράπτωμα) Vergehungen bedeutet unabsichtliches „Danebenfallen“. „Hamartia“ (ἁμαρτία) bedeutet im vollen Bewusstsein das Ziel verfehlen. Das eine ist, wenn ich unabsichtlich ans Wasserglas stoße, das andere, wenn ich es absichtlich umstoße.

Der Mensch ohne Gott verliert den Faden für das Schöne und Gute. Anstelle einer Kultur des Lebens, entfaltet sich eine Kultur des Todes.

Nun schreibt Paulus ab Vers 4: Gott aber, der reich ist an Barmherzigkeit, hat um seiner vielen Liebe willen, womit er uns geliebt hat, 5 auch uns, die wir in den Vergehungen tot waren, mit dem Christus lebendig gemachtdurch Gnade seid ihr gerettet!“

„Gott aber“. Diese zwei Worte markieren die Wende. Es ist der unerwartete Freispruch eines vom Tod gezeichneten Menschen.

Jesus streckt uns, wie er es mit Petrus getan hat, die Hand entgegen, wenn wir ihn um Hilfe bitten. In Matthäus 14,30–31 heißt es: „Als er (Petrus) aber den starken Wind sah, fürchtete er sich; und als er anfing zu sinken, schrie er und sprach: Herr, rette mich! 31 Sogleich aber streckte Jesus die Hand aus, ergriff ihn“.

Hier eine kleine Geschichte, die zum Nachdenken anregt: Ein Mann wurde in seinem kleinen Boot ins offene Meer getrieben. Dann kam ein fürchterlicher Sturm auf. Retter in einem Boot kamen vorbei und wollen ihn mitnehmen. „Nein danke“, antwortete er, „Gott wird mich retten.“ Nach einer Weile kam ein größeres Boot vorbei, und die Helfer riefen: „Steig ein!“ „Nein, danke, Gott wird mich retten“, ist die Antwort. Schließlich taucht ein Hubschrauber auf. Die Besatzung sieht ihn im Scheinwerferlicht. Er kann sich kaum noch über Wasser halten. „Nehmen Sie die Strickleiter“, ruft einer der Männer. „Nein, danke, Gott wird mich retten“, sind die letzten Worte des Mannes, der kurze Zeit später ertrinkt. Als er vor Gott steht, beschwert er sich: „Warum hast du mich nicht gerettet?“ Gott sieht ihn erstaunt an und antwortet: „Ich habe dir zwei Boote und einen Hubschrauber geschickt. Worauf hast du gewartet?“

Ohne im Himmel verankert zu sein, treiben wir ab. Mit jedem Mal, bei dem wir uns gegen Gott entscheiden, werden wir verhärteter für seinen Ruf. Wie Kalkschicht um Kalkschicht, verstopft sich unsere Leitung zu Gott, bis wir ihn, so wie er sich uns offenbart, nicht mehr wollen. Wer das Reden des Heiligen Geistes unterdrückt, nimmt ihn eines Tages nicht mehr wahr. So wie Paulus es im 4. Kapitel sagt: „18 Sie sind verfinstert am Verstand, entfremdet dem Leben Gottes … wegen der Verstockung ihres Herzens; 19 sie, die abgestumpft sind“.

Ohne Verbindung zu Gott ist das Leben haltlos, denn wir sind von der lebensspendenden Quelle abgeschnitten. Die Folge ist, dass wir in unserer Auflehnung gegenüber Gott gefangen sind und seine Worte uns nicht mehr erreichen. Die Verbindung ist unterbrochen, tot (Vers 5). Es ist wie eine tote Telefonverbindung.

Nun beschreibt Paulus, wie die neue Kraft in uns wirkt: 6 Er hat uns mitauferweckt und mitsitzen lassen in der Himmelswelt in Christus Jesus, 7 damit er in den kommenden Zeitaltern den überragenden Reichtum seiner Gnade in Güte an uns erweist in Christus Jesus.

8 Denn aus Gnade seid ihr gerettet durch Glauben, und das nicht aus euch, Gottes Gabe ist es; 9 nicht aus Werken, damit niemand sich rühmt.

10 Denn wir sind sein Gebilde, in Christus Jesus geschaffen zu guten Werken, die Gott vorher bereitet hat, damit wir in ihnen wandeln sollen.“

Epheser 2,1–10 beschreibt den Herrschaftswechsel. Wir waren tot und sind mit Christus lebendig gemacht worden. Gerettet durch Gnade. Der Grund für die Veränderung ist seine große Liebe, mit der er uns geliebt hat“ (Vers 4). Es geht nicht um Moral, um gute oder schlechte Taten, sondern um Zugehörigkeit.

Wenn wir uns Jesus zuwenden, haben wir Anteil an seiner Auferstehungskraft (Vers 5). In Kapitel 1,12 schreibt Paulus: „Die wir vorher schon auf den Christus gehofft haben. 13 … als ihr das Wort der Wahrheit, das Evangelium eures Heils, gehört habt und gläubig geworden seid.“

Gott schenkt uns ein neues Leben in der Verbindung mit ihm, der Quelle allen Lebens. Er erweckt uns zu neuem Leben, damit wir durch den Glauben mit ihm verbunden bleiben, indem wir uns Jesus anvertrauen (glauben) und annehmen, dass er uns durch seinen Tod am Kreuz mit dem himmlischen Vater versöhnt hat. Er ist die Strickleiter, an der wir uns festhalten können.

Wir können uns Gottes Vergebung (Gnade) nicht verdienen, sondern nur schenken lassen (Vers 8). Gott möchte uns dadurch seine überfließende Liebe zeigen (Vers 7). Wenn wir unser Leben nach seinen Anweisungen gestalten, wird Gottes Liebe in dieser Welt durch uns sichtbar (Vers 10).

Nicht unsere Anstrengungen, sondern Jesus macht den Unterschied. Die Macht des Bösen ist gebrochen. Von seiner Gnade und der direkten Verbindung zu ihm hängt das neue Leben ab, das Hoffnung inmitten einer trostlosen Welt ausstrahlt.

Der Schlüssel ist das persönliche Gespräch mit Gott, das Gebet. In Jesus haben wir einen himmlischen Vertreter (Vers 6). Wir brauchen seine Gnade nicht nur am Anfang unseres Lebens als Christen, sondern wir leben tagtäglich von seiner Gnade (Vers 7). Das neue Leben muss in der Verbindung mit Jesus gestaltet werden (Vers 10). Dazu braucht es unser „Ja“ zu seiner Liebe zu uns.

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