Als Viva Ebnat-Kappel unterstützen wir Thomas und Erika Bleiker in Brasilien.
Thomas und Erika Bleiker: Im November 1994 verliessen wir mit unseren drei Kindern, Timon (8 Monate), Rebekka (3 Jahre), Nathanael (5 Jahre) die Schweiz Richtung Brasilien. In Lajeado, Rio Grande do Sul, arbeiteten wir 13 Monate in einem Kinderheim. Nach einem kurzen Aufenthalt in der Schweiz und mit einem neuen Visum zogen wir anfangs 1996 nach Curitiba, Brasilien. Dort halfen wir im Kinderdorf ACRIDAS mit. Kinder und Jugendliche, die aufgrund verschiedener sozialer Risikosituationen aus ihren Familien genommen wurden, wohnten dort. Thomas führte Wartungsarbeiten durch und begleitete die Jugendlichen bei Sport und Freizeitaktivitäten. Erika brachte den Mädchen ihr Spezialgebiet bei: die Herstellung von Guetzli, nach besonderen Rezepten. Beide Aktivitäten führten zu vielen Gesprächen mit den Kindern und Jugendlichen.
Als wir erkannten, wie sehr die Kinder ihre Familien vermissten und trotz der extremen Armut lieber nach Hause zurückkehren wollten, entstand immer mehr der Wunsch nach präventiver Arbeit.
Mitte 2003 beendeten wir unsere Mitarbeit im Kinderdorf, weil Gott uns zu einer neuen Herausforderung berufen hatte. Für diese neue Aufgabe zogen wir als ganze Familie mit Nathanael (14), Rebekka (12) und Timon (9) an den Stadtrand von Curitiba, um dort Familien im Armenviertel direkt zu helfen.
Wir merkten bald, dass wir nicht nur unter den Kindern, sondern auch in den zerrütteten und orientierungslosen Familien eine große Hilfe sein konnten. Das Leben vieler Menschen hier wird von Alkohol, Drogen und Gewalt bestimmt. So wuchs in uns der Wunsch, mit den Kindern und Teenagern aus diesen Familien an einer hoffnungsvolleren Zukunft zu arbeiten.
Anfangs 2004, inzwischen mit dem Dauervisum, entdeckten wir den Stadtviertel Jardim Icaraí. In diesem Gebiet gab es damals keine Infrastruktur (sanitäre Einrichtungen, Strom, Straßenbeleuchtung usw.) und auch keine Sozialprojekte. Wir sahen dort die Möglichkeit, unsere Vision umzusetzen, Familien zu stärken und so die Institutionalisierung der Kinder möglichst zu vermeiden. Recanto Esperança ist eine zivilgesellschaftliche Organisation (OSC), die im September 2004 mit dem Ziel gegründet wurde, verschiedene wichtige soziale Maßnahmen im Armenviertel Icaraí im Stadtteil Uberaba zu unterstützen. Dieser Stadtviertel besteht aus ca. 700 Familien, die von sozialer Benachteiligung und prekären hygienischen Verhältnissen geprägt sind. Es gibt eine hohe Zahl von Kindern und Jugendlichen, die in Armut leben, die Schule abbrechen und Kinderarbeit verrichten.
Für Kinder und Jugendliche im Alter von 6 bis 17 Jahren bieten wir einen sicheren Ort mit diversen Aktivitäten wie; biblischen Geschichten, basteln, spielen, Gruppenarbeiten, Musik, Rechnen, Sprache und Sport, die ihre intellektuelle, persönliche, soziale und spirituelle Entwicklung fördern.
Für die Erwachsenen boten wir Näh-, Haarschneide-, Seifen-, Schmuck-, Flip-Flop- und Kerzenkurse an. Unser Ziel war es, ihre Talente zu wecken und ihnen zu einem Nebenverdienst zu verhelfen. Für die Durchführung von Basaren bekamen wir gut erhaltene Kleidung, Hygieneartikel, Haushaltsartikel und Möbel, die wir wiederum zu einem symbolischen Preis weitergaben.
Unser Holzschuppen wurde bald zu klein. Ein grösseres Gebäude wurde gesucht und ein doppeltes Grundstück gefunden. Dort konnten wir ein neues Gebäude bauen, das im 2014 eingeweiht wurde. Die neuen Räumlichkeiten umfassen eine kleine Sporthalle, Gruppenräume, einen Informatikraum, eine Bibliothek, WC-Anlagen, eine Küche und einen Essraum. Das vereinfachte die Betreuung der wachsenden Kinderschar sehr. Aktuell werden rund 90 Kinder im Alter von 6 bis 17 Jahren betreut und gefördert. Der Mannschaftssport Floorball spielt heute im Recanto Esperança eine bedeutende Rolle. Mit diesem Sport betreuen und begleiten wir über 50 Kinder, Jugendliche und Erwachsene, denen wir durch den Sport gute und gesunde Grundwerte für ihr Leben vermitteln dürfen.
Unsere Werte:
Das Recanto Esperança ist für Menschen, unabhängig ihrer Herkunft, Gesinnung oder Religion, ein Ort der Sicherheit und Geborgenheit. In unseren vielfältigen Förderprogrammen erarbeiten wir gemeinsam mit ihnen Sozialkompetenzen und wecken das Bewusstsein für Themen rund um Bildung und Gesundheit. Dabei orientieren wir uns an ethnischen und geistlichen Leitlinien.
Unsere Motivation
ist die ganzheitliche Entwicklung von Menschen und Familien in vulnerablen Situationen zu fördern, um sozioökonomische Ungleichheit zu bekämpfen und einen Wandel in der Gesellschaft zu bewirken.
