Wenn Gott kommt – Pfingsten

An Pfingsten steht unser Erleben mit Gott im Mittelpunkt. Er ist nicht fern, sondern wirkt in und durch uns. Jesus sagt in Johannes 14,23: Wenn jemand mich liebt, so wird er mein Wort halten, und mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm machen.

An Pfingsten wurde das Versprechen von Jesus aus Johannes 14,16-17 eingelöst: „Ich werde den Vater bitten, und er wird euch einen anderen Beistand geben, dass er bei euch ist in Ewigkeit, 17 den Geist der Wahrheit, den die Welt nicht empfangen kann, weil sie ihn nicht sieht noch ihn erkennt. Ihr erkennt ihn, denn er bleibt bei euch und wird in euch sein.“ 

In Apostelgeschichte 2 heißt es: „Und als der Tag des Pfingstfestes [das jüdische Schawuot] erfüllt war, waren sie alle an einem Ort beisammen. 2 Und plötzlich geschah aus dem Himmel ein Brausen, als führe ein gewaltiger Wind daher, und erfüllte das ganze Haus, wo sie saßen. 3 Und es erschienen ihnen zerteilte Zungen wie von Feuer, und sie setzten sich auf jeden Einzelnen von ihnen. 4 Und sie wurden alle mit Heiligem Geist erfüllt.“

Spannend ist, wie die Menschen in Jerusalem das Geschehen in Vers 11 beschreiben: wie hören wir sie von den großen Taten Gottes in unseren Sprachen reden?“ Sie verstanden die Nachfolger Jesu in ihrer eigenen Sprache.

Der Heilige Geist befähigt die Jünger, von Jesus und seiner Auferstehung zu erzählen und den Glauben verständlich weiterzugeben.

Als Petrus und Johannes später gefangen genommen und bei ihrer Freilassung bedroht wurden, nicht mehr öffentlich von Jesus zu sprechen, heißt es in der Apostelgeschichte 4: „29 Herr, sieh an ihre Drohungen und gib deinen Knechten, dein Wort mit aller Freimütigkeit zu reden … 31 Und als sie gebetet hatten, bewegte sich die Stätte, wo sie versammelt waren; und sie wurden alle mit dem Heiligen Geist erfüllt und redeten das Wort Gottes mit Freimütigkeit.

Der Heilige Geist befreit uns, damit wir voller Begeisterung von Gott sprechen können.

So bittet Paulus auch die Epheser (6,19), für ihn zu beten: „Betet auch für mich, damit mir Rede verliehen wird, wenn ich den Mund öffne, mit Freimütigkeit das Geheimnis des Evangeliums bekannt zu machen.“

Wo der Heilige Geist wirkt, stehe nicht ich, sondern Gott und seine großen Taten im Zentrum. „Wir hören sie verständlich von den großen Taten Gottes reden.“

Das ist auch für uns eine Herausforderung. Wie schnell drehen wir uns um uns selbst, sodass der Heilige Geist nur noch zu unserem „Helfer in der Not“ wird.

Er ist unser Beistand und Tröster, aber er möchte unseren Blick auf die die großen Taten Gottes lenken. Er möchte uns neu dafür faszinieren, wer und wie Gott ist.

Der Heilige Geist zeigt uns unsere Erlösungsbedürftigkeit auf. Johannes 16,8: „Wenn er gekommen ist, wird er die Welt überführen von Sünde (der Zielverfehlung) und von Gerechtigkeit (wer Gott ist) und von Gericht (Jesus starb an unserer Stelle).“

Der Heilige Geist bewirkt in uns, dass wir Gott als vertrauenswürdigen Vater annehmen können. In uns entsteht ein inneres Wissen, dass wir Kinder Gottes sind. In Galater 4,6 schreibt Paulus: „Weil ihr aber Söhne seid, sandte Gott den Geist seines Sohnes in unsere Herzen, der da ruft: Abba, Vater!“

Der Heilige Geist wirkt in uns auch den göttlichen Frieden. Paulus schreibt dazu in Philipper 4,7: „Der Friede Gottes, der allen Verstand übersteigt, wird eure Herzen und eure Gedanken bewahren in Christus Jesus.“

Der Heilige Geist bewirkt, dass wir die Bibel verstehen. So heißt es in Johannes 14,26: „Der Beistand aber, der Heilige Geist, den der Vater senden wird in meinem Namen, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe.“

Der Heilige Geist gibt uns Weisheit in schwierigen Situationen. So sagt Jesus in Lukas 12,11-12: „Wenn sie euch aber vor die Synagogen und die Obrigkeiten und die Machthaber führen, so sorgt nicht, wie oder womit ihr euch verantworten oder was ihr sagen sollt! 12 Denn der Heilige Geist wird euch in jener Stunde lehren, was ihr sagen sollt.“

Immer wenn in der Bibel etwas Fahrt aufnimmt, Kraft entwickelt oder aufbricht, ist der Heilige Geist im Spiel. Diese Kraft ist auch in uns wirksam.

Am ersten Pfingstfest erinnert der Heilige Geist Petrus an die geistlichen Zusammenhänge, so dass er diese den Menschen erklären kann.

Zunächst holt Petrus die Zuhörer ab, indem er ihnen das Geschehen erklärt (Apostelgeschichte 2,14–21). Wichtig ist ihm, ihnen zu sagen, dass jeder gerettet wird, der den Namen des Herrn anruft. Denn was mit Jesus geschah, hatte schon David vorausgesagt (Apostelgeschichte 2,25–28 / Psalm 16,8–11). Inmitten unserer Verfehlungen können wir uns an Jesus wenden, denn Gott hat ihn zum Herrn und Messias gemacht (Apostelgeschichte 2,36). Er sitzt heute zur Rechten Gottes und durch ihn empfangen wir Gottes Geist. Petrus liegt viel daran, seine Zuhörer abzuholen. Deshalb spricht er sie mit „Brüder“ an und bezeichnet sich so als einen von ihnen.

Genauso bewirkt der Heilige Geist in uns, dass ein Bibelwort in unsere Situation hineinspricht und wir geistliche Zusammenhänge plötzlich verstehen. Gottes Geist verändert unser Herz. Dann erkennt der Mensch, was Gott alles tut und bereits getan hat und er wird ihm dafür danken.

So wie Gott dem Volk Israel damals bei der Gesetzgebung in der Wüste im Feuer erschien (2. Mose 19,18), so wurde Gottes neues Gesetz an Schawuot in Jerusalem durch Feuerzungen sichtbar. Die Menschen hörten ein Donnern, ähnlich wie in 5. Mose 5,22 und 2. Mose 19,16, wo die Stimme Gottes beschrieben wird. In Jerusalem kam die Herrlichkeit Gottes zu den Menschen. Sie war jedoch nicht angsteinflößend wie am Gottesberg, sondern weckte Neugier. Petrus erklärte den verwunderten Zuhörern, dass sich die Prophetie aus Joel 3,1–5 erfüllte.

Gottes Gesetz wird in die Herzen der Menschen geschrieben (Jeremia 31,33; Hesekiel 36,26) und Gott hebt auch die Sprachbarriere auf. Gemäß jüdischer Überlieferung stammt die Menschheit von den 16 Nachkommen Noahs ab. Im Bericht von Pfingsten werden 16 Sprachgruppen genannt, die die Worte der Jünger hören und verstehen konnten. Damit sollte deutlich gemacht werden, dass von nun an die gesamte Menschheit – Juden und Nichtjuden – die Botschaft Gottes ohne Sprachbarriere hören soll. Durch den Heiligen Geist wurde Gott für alle Menschen erfahrbar.

Sie begannen, „in anderen Sprachen“ zu predigen und die „großen Taten Gottes“ zu verkünden. Voller Begeisterung brachten sie die gute Nachricht unter die Leute – bis in die äussersten Winkel der Erde. All das geschah mit dem Beistand des Heiligen Geistes. Und das gilt bis heute.

Folgendes Gebet wird Augustinus zugeschrieben, der vor gut 1700 Jahren im heutigen Tunesien gelebt hat.

„Atme in mir, du Heiliger Geist, dass ich Heiliges denke. Treibe mich, du Heiliger Geist, dass ich Heiliges tue. Locke mich, du Heiliger Geist, dass ich Heiliges liebe. Stärke mich, du Heiliger Geist, dass ich Heiliges hüte. Hüte mich, du Heiliger Geist, dass ich das Heilige nimmer verliere.“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert