Siehe, ich mache alles neu

Der Leitvers für das Jahr 2026 steht in Offenbarung 21,5:

„Gott spricht: Siehe, ich mache alles neu.

Es wäre interessant zu hören, was dieser Bibelvers spontan in uns allen auslöst. Einige denken vielleicht: Super, alle meine Fragen und Probleme lösen sich auf. Andere möchten lieber beim Bewährten bleiben und nicht schon wieder alles auf den Kopf stellen oder neue Dinge lernen. Laut Umfragen möchten ca. 60 –70% der Menschen keine Veränderungen. Alles soll so bleiben, wie man es kennt. Denn gewisse Rituale geben uns Halt und Sicherheit.

Um den Vers besser einordnen zu können, ist es wichtig, mehr über den Hintergrund zu erfahren.

Anders als der Name es vermuten lässt, wird die Jahreslosung nicht ausgelost, sondern in intensiven Diskussionen aus mehreren Vorschlägen von einer Arbeitsgemeinschaft für das Bibellesen aus verschiedenen Kirchen ausgewählt. Für 2026 fiel die Wahl auf den Vers aus der Offenbarung des Johannes: „Gott spricht: Siehe, ich mache alles neu.“

Spannende ist, dass sich sehr viele Kirchen und Christen mit dem Vers auseinandersetzen und so viele verschiedene Gedanken zusammenkommen.

Zunächst ist es immer wichtig, den Kontext des Verses zu verstehen. Der Vers stammt aus dem Buch der Offenbarung Jesu, die der Apostel Johannes empfing und niederschrieb.

Im Jahr 95 n. Chr. wurde der Apostel Johannes von Kaiser Domitian auf die Insel Patmos verbannt. Während des Aufenthalts auf der Insel (Offenbarung 1,9) hatte Johannes mehrere Visionen, in denen er voraussah, was kommen wird. Damals, als der Prophet Johannes seine Vision aufschrieb, standen Christen unter Druck, weil sie sich weigerten, dem römischen Kaiser göttliche Verehrung zu zollen, und weil Jesus nicht wie erwartet in Herrlichkeit wiedergekommen war.

Jesus zeigte Johannes, was noch alles geschehen und wie es enden wird. Das sollte die Leser ermutigen, weil sie das Ende der Geschichte kennen. Und das beschreibt dieser Vers: „Ich mache alles neu.“

Es lohnt sich dranzubleiben. Werft euren Glauben nicht weg. Gott hat alles in der Hand.

Der Vers im Kontext: Offenbarung 21,1-8

1 Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde; denn der erste Himmel und die erste Erde waren vergangen, und das Meer ist nicht mehr. 2 Und ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, aus dem Himmel von Gott herabkommen, bereitet wie eine für ihren Mann geschmückte Braut.

3 Und ich hörte eine laute Stimme vom Thron her sagen: Siehe, das Zelt Gottes bei den Menschen! Und er wird bei ihnen wohnen, und sie werden seine Völker sein, und Gott selbst wird bei ihnen sein, ihr Gott. 4 Und er wird jede Träne von ihren Augen abwischen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Trauer noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen.

5 Und der, welcher auf dem Thron saß, sprach: Siehe, ich mache alles neu. Und er spricht: Schreibe! Denn diese Worte sind gewiss und wahrhaftig.

6 Und er sprach zu mir: Es ist geschehen. Ich bin das Alpha und das Omega, der Anfang und das Ende. Ich will dem Dürstenden aus der Quelle des Wassers des Lebens geben umsonst. 7 Wer überwindet, wird dies erben, und ich werde ihm Gott sein, und er wird mir Sohn sein. 8 Aber den Feigen und Ungläubigen und mit Gräueln Befleckten und Mördern und Unzüchtigen und Zauberern und Götzendienern und allen Lügnern ist ihr Teil in dem See, der mit Feuer und Schwefel brennt; das ist der zweite Tod.

Alles neu

Im Zusammenhang sehen wir, dass das uns Bekannte vergeht. Schon in Jesaja 65,17 sagt Gott: „Denn siehe, ich schaffe einen neuen Himmel und eine neue Erde. Und an das Frühere wird man nicht mehr denken, und es wird nicht mehr in den Sinn kommen.“

In 2.Petrus 3,11-14 heißt es: „Alles wird aufgelöst, … die Himmel werden in Feuer geraten und aufgelöst und die Elemente im Brand zerschmelzen! 13 Wir erwarten aber nach seiner Verheißung neue Himmel und eine neue Erde, in denen Gerechtigkeit wohnt. Deshalb, Geliebte, da ihr dies erwartet, befleißigt euch, unbefleckt und tadellos von ihm im Frieden befunden zu werden!“

Wenn das so ist, warum hat Gott das Projekt „Mensch“ nicht gleich nach dem Sündenfall oder zur Zeit Noahs beendet und alles neu gemacht?

Die Hardware ist gut, doch die Software hat einen Virus eingefangen. Deshalb wirft man ein Gerät ja nicht gleich weg, sondern man installiert ein Update. Gott will sein Ebenbild nicht zerstören, sondern es dazu befähigen, sich für ihn zu entscheiden.

Gott sieht den Outcome. Also das, was am Ende entsteht. Es sollen Persönlichkeiten entstehen, die durch die Erfahrung der Gottesferne in alle Ewigkeit Gott lieben und bei ihm sein wollen. Die Engel konnten sich auch entscheiden und leben nun entweder im Widerstand zu Gott oder in Einheit mit ihm. Wenn die göttliche Zahl erfüllt ist, schließt Gott mit den gefallenen Engeln und Menschen ab. In diesem Text wird von einem zweiten Tod gesprochen.

Gott hat uns das Beispiel eines Schmetterlings gegeben. Die Raupe verpuppt sich und etwas ganz Neues kommt hervor. Das Alte ist vergangen und Neues entsteht. Wir werden neu. Verwandelt. Anders. Deshalb können wir unser irdisches Leben nicht in die Ewigkeit projizieren. Da zählen andere Werte. Werte, die wir hier auf dieser Erde erlernen können. Was zählt sind Empathie und Liebe zu Gott und den Menschen. Wer das erfasst hat, sehnt sich bereits jetzt nach der Gemeinschaft mit Gott und Gleichgesinnten.

Was ist neu? Gott wohnt zusammen mit den Menschen und besucht sie nicht mehr. In seiner Gegenwart gibt es keine Tränen, kein Geschrei, keine Schmerzen und keinen Tod mehr. Gott kümmert sich um uns Menschen. Dieses Bild malt uns Johannes vor Augen. Unser Blick ist nicht mehr auf uns selbst gerichtet, sondern auf Gott. Es geht nicht mehr um mich, sondern um ihn und um seinen Willen.

Das Erste ist vergangen… Gott spricht: Siehe, ich mache alles neu.

Siehe, ich mache

Wir lesen oft: „Siehe, ich werde alles neu machen.“ Doch hier steht: „Siehe, ich mache alles neu.“

Auf das schöpferische „Gott spricht“ folgt das kleine Wörtchen Ἰδού (idoú) – „Siehe“. In Jesaja 43,19 heißt es: Siehe, ich wirke Neues! Jetzt sprosst es auf. Erkennt ihr es nicht?“

Dieses „Siehe“ weist darauf hin: Es wächst schon. Macht die Augen auf, seht und nehmt wahr, was passiert! Dieses Neue beginnt mitten unter uns, wenn auch noch unscheinbar. Gott ist ständig am Werk.

Hier wird eine Verlaufsform verwendet, die es im Deutschen nicht gibt. Doch das griechische Verb ποιῶ (poió) – „ich mache“ beschreibt einen Prozess. Also: „Ich mache etwas und es tut sich gerade was, schau mal hin, was sich da tut.“

Was und wo passiert etwas? In uns. In Hesekiel 36,26 heißt es: „Und ich werde euch ein neues Herz geben und einen neuen Geist in euer Inneres geben; und ich werde das steinerne Herz aus eurem Fleisch wegnehmen und euch ein fleischernes Herz geben.“

Neues kommt allein von Gott. Er spricht und es ist da. Wir werden hier nicht aufgefordert, alles zu erneuern oder zu transformieren. Gott ist der Handelnde. Aber er drängt sich uns nicht auf. Wir müssen ihn dazu einladen.

In den Versen 6-7 heißt es: „Ich will dem Dürstenden aus der Quelle des Wassers des Lebens geben umsonst. Wer überwindet, wird dies erben, und ich werde ihm Gott sein, und er wird mir Sohn sein.»

Wer sich nach Gott sehnt, den verändert Gott. Diese Person wird Kind Gottes.

Paulus beschreibt es in 2.Korinther 5,17 so: „Daher, wenn jemand in Christus ist, so ist er eine neue Schöpfung; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden.

In der Offenbarung sagt Jesus immer wieder: „Wer überwindet. Und von denen, die bei Gott sind, heißt es in Offenbarung 12,11: „Sie haben ihn (den Verkläger) überwunden wegen des Blutes des Lammes und wegen des Wortes ihres Zeugnisses, und sie haben ihr Leben nicht geliebt bis zum Tod!“

An diesem Neuen haben alle Anteil, die sich nach Gott und seiner Erlösung durch Jesus sehnen. Überwinden bedeutet dranbleiben und am Ziel ankommen. Sich von Gott nicht mehr abwenden.

Jesus will uns mit dem Vers aus der Offenbarung 21,5 ermutigen. Es lohnt sich dranzubleiben, auch wenn die aktuelle Lebensqualität leidet und man mit Widerstand lebt oder sogar sein Leben verliert.

Das Neue, das kommt, lässt uns alles andere vergessen. Gott wird in uns vollenden, was er begonnen hat.

Das bedeutet jedoch nicht, dass wir nur auf den Himmel hoffen. Wir erfahren schon jetzt einen Neuanfang. Ein neues Leben mit Gott, in dem wir seinen göttlichen Frieden erfahren.

Siehe, ich mache alles neu. Schon jetzt und in Zukunft.

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