Bilanz

Am Ende des Jahres zieht die gesamte Finanzwelt Bilanz.

Jesus sagte: «Was wird es einem Menschen nützen, wenn er die ganze Welt gewönne, aber sein Leben (oder Seele) einbüßte?» (Matthäus 16,26).

Hier wird eine Gewinn- und Verlustrechnung aufgemacht und dann beides voneinander abgesetzt. Was ist Gewinn? Was ist Verlust? Worauf haben wir gesetzt?

Es gibt einen, der die Bilanz ausgleicht. Einen, der beschädigte Seelen wiederherstellt und neues Leben schenkt: Jesus Christus. Er sagt:

«Wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinausstoßen» (Johannes 6,37), ganz gleich, wie die Bilanz deines Lebens im Moment aussieht.

Interessant ist was Frieden, Schalom, in Hebräisch bedeutet. Die Wurzel des Wortes ist SLM. Das Verb, das daraus entsteht, heißt «leschalem» und bedeutet bezahlen. Wenn ich bezahle, dann herrscht Ausgeglichenheit und es ist Friede – Schalom. Durch das Kreuz hat Jesus bezahlt: für die Wiedergutmachung und die Schuld. Er kann ausgleichen, was uns nicht möglich ist.

Heilung und Wiedergutmachung geschieht, wenn ich als Opfer die Wiederherstellung nicht von Menschen, sondern von Gott erwarte. Niemand kann das, was dir angetan wurde, wieder gut machen, als allein Gott. «Durch seine Striemen ist uns Heilung geworden» (Jesaja 53.5).

Juden ziehen am jüdischen Neujahr Bilanz. Dabei geht es nicht um wirtschaftliche Aspekte, sondern um einen persönlichen Rück- und Ausblick. Besonders faszinierend ist für mich, dass sie das in der Verantwortung vor Gott tun.

Rosch HaSchana, das jüdische Neujahr, wurde in ihrer Tradition zum Tag des Beginns, der Erlösung.

Wir Christen haben kein eigentliches Jahresbilanz-Ritual.

Es ist jedoch gut, bevor das Jahr zu Ende geht und ein neues Jahr beginnt, innezuhalten, Belastendes abzulegen und sich mit der Hilfe Gottes ins neue Jahr zu wagen.

Raschi, ein jüdischer Gelehrter, hat folgendes klargemacht: Bei der Beurteilung steht eine Person ganz allein vor ihrem Schöpfer. Sie hat niemanden, auf den sie die Verantwortung (für ihre Taten) übertragen oder für ihre Fehler verantwortlich machen könnte.

Das Besondere im Judentum ist, dass es nicht darauf ankommt, wo man steht, sondern in welche Richtung man sich bewegt.

Um die Beurteilung Gottes positiv zu bestehen, müssen nach jüdischer Auffassung folgende drei Aspekte erfüllt werden:

  1. Juden müssen Gott als ihren Schöpfer und König anerkennen. Sie müssen verstehen, dass sich die Welt nicht um sie dreht und sie nicht die Geschicke der Welt lenken, sondern dass sie nur die Verwalter von Gottes Schöpfung sind.
  2. Sie müssen sich vom Materiellen lösen und stattdessen den Wunsch nach immer mehr Spiritualität entwickeln.
  3. Nach jüdischem Verständnis wird der Wert eines Menschen daran gemessen, was er gibt, und nicht an dem, was er einnimmt.

Im Mittelpunkt der Bußgebete steht der Satz: «Vater, wir haben gesündigt, sei uns gnädig.»

An Rosch HaSchana ist es üblich, die Sünden symbolisch in ein Gewässer zu werfen. In Micha 7,19 steht: »Er wird sich wieder über uns erbarmen, wird unsere Schuld niedertreten. Und du wirst alle ihre Sünden in die Tiefen des Meeres werfen

Zum Jahreswechsel will man Altes loslassen. Ein Neuanfang soll stattfinden.

Nach Maimonides (1135-1204) will das Schofar, ein Horn, das wie eine Trompete geblasen wird, eindringlich ermahnen: «Wacht auf, ihr Schläfer und denkt nach über eure Taten und gedenkt an euren Schöpfer, und kehrt um zu ihm in Buße. Gehört nicht zu denen, welche die Wirklichkeit verfehlen, indem sie Schatten nachjagen, die ihre Jahre damit vertun, dass sie nichtigen Dingen nachjagen, welche weder Nutzen noch Heil bringen.«

Zum Jahresende gehört, Altes abzulegen, alles Gott zu übergeben und mit ihm den neuen Weg zu gehen.

Jesus lehrt uns beten: «Vergib uns unsere Schulden, wie auch wir unseren Schuldnern vergeben haben» (Matthäus 6,12).

In 1.Johannes 1,9 heißt es: «Wenn wir unsere Sünden bekennen, ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und uns reinigt von jeder Ungerechtigkeit.»

Was ist damit gemeint?

Das Wort «Sünde» kommt aus der Bogensprache und meint Zielverfehlung. Wer nicht das lebt, wozu Gott ihn geschaffen hat, der lebt in der Sünde.

Damit wir wissen, wie Gott sich das menschliche Leben vorgestellt hat, gab er die Zehn Gebote.

In Johannes 13,10 sagt Jesus: «Wer gebadet ist, hat nicht nötig, sich zu waschen, ausgenommen die Füße». Es geht nicht um das Heil und die Grundausrichtung, sondern um die Justierung. Wir brauchen immer wieder das tägliche Ablegen.

Was könnten nun solche Lasten in unserem Rucksack sein?

Wir vertrauen nicht darauf, dass Gott es gut mit uns meint. Wir stellen nicht Fragen, sondern infrage.

Gebet: Jesus, vergib uns, dass wir dir nicht vertraut haben, sondern dachten, wir wüssten es besser.

Wir denken, wir müssten selbst handeln. Wir organisieren und zwirbeln umher, anstatt den göttlichen Zeitpunkt abzuwarten.

Gebet: Jesus, hilf uns, mehr auf dich zu achten und nicht alles selbst in die Hand zu nehmen.

Wir möchten Gott zum Handeln bewegen, so wie wir es für gut halten.

Gebet: Jesus hilf uns, unsere eigenen Vorstellungen hinter deine zu stellen. Nicht mein Wille, sondern deiner soll geschehen.

Wir wollen Instantlösungen. Ich möchte alles jetzt und sofort, anstatt den Weg der Veränderung zu gehen. Ich möchte, dass Gott meine Probleme löst, anstatt mit seiner Hilfe einen neuen Weg gehen.

Gebet: Jesus, hilf mir, mich im neuen Jahr auf den Weg der Veränderung einzulassen. Verändere du mich immer mehr in das Bild, das du vor Augen hattest, als du mich geschaffen hast.

Nun möchten wir in einer Zeit der Stille alles ablegen, was wir noch mittragen.

Der Mensch ist dazu geschaffen worden, um aus der Beziehung mit Gott sein Reich auf dieser Welt zu repräsentieren. Wenn wir dieses Ziel verfehlt haben, dann können wir, indem wir anerkennen, dass Jesus an unserer Stelle am Kreuz gestorben ist, wieder auf Kurs gebracht werden. Wir können wieder beginnen, aus der Beziehung mit ihm zu leben. Jesus gleicht unser Defizit aus und unter der Leitung des Heiligen Geistes können wir einen neuen Weg gehen.

Der nächste Schritt ist, dass wir uns überlegen, was uns im vergangenen Jahr besonders Freude bereitet hat. Wofür bin ich Gott dankbar? In jedem Leben gibt es Dinge, die uns Freude bereiten.

Vielleicht können wir heute oder in den kommenden Tagen einmal aufschreiben, was in diesem Jahr besonders war. Es hilft, das alte Jahr wertschätzend abzuschließen, um frei und unbeschwert ins neue Jahr zu starten.

Ein Vorschlag ist, damit wir das Gute nicht vergessen, dass wir eine Pinwand nehmen und dort unsere Aufsteller und schöne Momente posten. Das kann man auch virtuell machen.

Eigentlich wäre jeder Sonntag dazu da, Dinge loszulassen und sich an die schönen Momente der Woche zu erinnern und Gott Dank zu sagen.

Wenn wir dann den Durchblick verlieren, werfen wir einen Blick auf die Pinwand.

Es ist hilfreich, wenn wir uns im neuen Jahr schöne Erinnerungsmomente schaffen. Überlegen wir uns, was uns Energie gibt und was uns Energie raubt. Machen wir, was uns Kraft gibt, und lassen die anderen Dinge. Nicht nur wir, sondern auch unser Umfeld freut sich über wertschätzende Begegnungen. Jeder Mensch ist von Gott geliebt, weil er ist.

Nehmen wir uns eine Zeit der Stille, in der wir Gott für alles Gute in diesem Jahr danken.

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