Paulus wusste, dass er bis nach Rom die gute Nachricht von Jesus verkünden soll (Apg. 19,21). Das bestätigte ihm auch Jesus im Gefängnis (Apg. 23,11).
In Jerusalem wird er durch falsche Anklagen ein Gefangener. In den Augen der führenden Juden kann sich ein Jesusnachfolger nicht mehr auf den Gott Israels berufen (Apostelgeschichte 22,30-23,24). Das sei gotteslästerlich. Denn das erste Gebot wird aus ihrer Sicht gebrochen, neben Gott einen anderen Gott (Jesus) zu haben.
Da die Juden sein Bekenntnis zum jüdischen Glauben ablehnen, weist Paulus sie darauf hin, dass sie selbst untereinander nicht einig sind. Er erwähnt, dass sein Glaube auf der Auferstehung der Toten beruht.
Ein schwieriger Weg muss nicht wegen uns selbst schwierig sein, sondern weil Gott damit andere Personen wachrütteln will. Rund zehn Jahre vor der Zerstörung von Jerusalem wird Jesus nochmals bei allen Verantwortlichen zum Thema. Doch sie lassen den Weckruf Gottes verstreichen.
Ganzer Text lesen:
Paulus wusste tief in seinem Inneren, dass er die gute Nachricht von Jesus bis nach Rom verkünden sollte (Apostelgeschichte 19,21). Dies wurde ihm auch von Jesus im Gefängnis bestätigt (Apostelgeschichte 23,11).
In Jerusalem wurde er aufgrund falscher Anklagen inhaftiert. Nun wollten die Römer herausfinden, was das Problem mit Paulus war. Als er vor den geistlichen Führern befragt wurde, legte er das Zeugnis ab, dass er mit einem reinen Gewissen dem Gott Israels folgte (Apostelgeschichte 23,1).
Das veranlasste den Hohepriester, ihn auf den Mund schlagen zu lassen. Was ist aus jüdischer Sicht an dieser Aussage falsch? In den Augen der führenden Juden kann sich ein Jesusnachfolger nicht mehr auf den Gott Israels berufen. Das ist gotteslästerlich. Denn aus ihrer Sicht wird damit das erste Gebot gebrochen, neben Gott einen anderen Gott (Jesus) zu haben.
Doch Paulus lässt sich diese Behandlung nicht gefallen. Dabei beleidigt er den Hohepriester, ohne zu wissen, dass dieser Mann der Hohepriester ist. Als er seinen Fehler bemerkt, entschuldigt sich Paulus und zeigt damit, dass er sich sehr wohl an die jüdischen Gebräuche hält.
Da die Juden sein Bekenntnis zum jüdischen Glauben ablehnen, weist Paulus sie darauf hin, dass sie selbst untereinander nicht einig sind. Er erwähnt, dass sein Glaube auf der Auferstehung der Toten beruht. Da es unter den Juden Gruppierungen gibt, die keine Auferstehung lehren, und dieser Punkt Anlass für viele Auseinandersetzungen ist, offenbart Paulus mit diesem Hinweis sowohl die innere Zerrissenheit des jüdischen Glaubens als auch seine eigenen Kenntnisse.
Die Pharisäer waren konservativ, die Sadduzäer liberal. Daneben gab es noch die mystisch ausgerichteten Essener und die Zeloten, die aktiv Widerstand leisteten. Im Norden gab es auch noch die Samaritaner, die als eigene Denomination wahrgenommen wurden. Die Jesusbewegung wurde von den Schriftgelehrten dagegen als Weg interpretiert, der vom Judentum wegführt (Apostelgeschichte 21,21).
Der jüdische Historiker Flavius Josephus schreibt im ersten Jahrhundert: „Die Sadduzäer leugnen die Vorsehung gänzlich … Die Fortdauer der Seele aber und die Bestrafungen und Belohnungen in der Unterwelt lehnen sie ab“ (bell. II 163‐166). Jesus hingegen spricht von einem Jenseits, von Rechenschaft, Gerechtigkeit, Gericht und Wiederherstellung.
Da keine Klärung des Streitfalls möglich ist, müssen die Römer Paulus in die Festung zurückführen. Dort erscheint dem Paulus Jesus, der ihm bestätigt, dass das Geschehene zum göttlichen Plan gehört und dass Paulus später auch nach Rom gehen wird.
Ein schwieriger Weg muss nicht zwangsläufig wegen uns selbst schwierig sein, sondern weil Gott damit andere Personen wachrütteln will. Rund zehn Jahre vor der Zerstörung von Jerusalem wird Jesus nochmals bei allen Verantwortlichen zum Thema. Doch sie lassen den Weckruf Gottes verstreichen. Paulus erlebt hier auch, was Jesus in Markus 13,9-11 versprochen hat. Er darf erfahren, dass ihm der Heilige Geist im rechten Moment die richtigen Worte gibt.
Seine Feinde wollen ihn endgültig aus der Welt schaffen und schmieden einen Komplott (Apostelgeschichte 23,12-35). Doch Gott schickt den Sohn seiner Schwester oder seines Bruders zu Hilfe. Die Verwandtschaft von Paulus gehörte zum inneren Zirkel. Vielleicht studierte sein Neffe auch bei Gamaliel. Sonst scheinen sich die Verwandten eher von Paulus zu distanzieren, da er nicht bei ihnen gewohnt hat. Gott kann also aus einer unerwarteten Richtung Hilfe senden.
Spannend ist auch, dass Claudius Lysias, der Befehlshaber der römischen Garnison in Jerusalem, 470 Leute aufbot, um Paulus nach Cäsarea Maritima zu Marcus Antonius Felix zu begleiten. Josephus schreibt, dass 6000 Soldaten in Jerusalem stationiert waren. Da der Burg Antonia traditionell jedoch einen sehr kleinen Platz zuordnet wird, schätzen heutige Geschichtsschreiber, dass es maximal 600 Soldaten gewesen sein können. Dann hätte Claudius aber nicht 470 Soldaten entsenden können, da es in der Stadt unruhig war. Lukas schreibt auf Griechisch, dass die Soldaten ins Lager und nicht in die Burg zurückgekehrt sind (Apostelgeschichte 23,32). Wo genau der Tempel und das römische Lager standen, ist unklar. Darüber gibt es verschiedene Theorien. Was wir daraus lernen: Gott möchte nicht, dass wir Orte verehren, sondern ihn.
Ein heutiges Streitthema unter den Juden ist, wer ein Jude ist. Unter Muslimen wird diskutiert, ob der Koran im Original bei Allah ist oder ob Mohammed situativ Weisungen erhalten hat.
Paulus vor der jüdischen Elite Apostelgeschichte 22,30-23,24 Hfa
30 Der Kommandant wollte endlich genau wissen, was die Juden Paulus eigentlich vorwarfen. Deswegen befahl er am nächsten Tag den obersten Priestern und dem Hohen Rat, sich zu einer Sitzung zu versammeln, und nachdem man Paulus aus dem Gefängnis geholt und ihm die Fesseln abgenommen hatte, wurde auch er dorthin gebracht.
1 Ruhig blickte Paulus die Mitglieder des Hohen Rates an und sagte: »Liebe Brüder! Ich habe bis zum heutigen Tag Gott gedient, und zwar mit völlig reinem Gewissen.«
2 Aufgebracht befahl daraufhin der Hohepriester Hananias den dabeistehenden Dienern, Paulus auf den Mund zu schlagen. 3 Der aber rief: »Du Heuchler, Gott wird dich dafür strafen. Du willst hier nach dem Gesetz Recht sprechen, aber brichst selber das Gesetz und lässt mich schlagen!« 4 Da empörten sich einige von den Dienern: »Du wagst es, den Hohenpriester Gottes zu beleidigen?« 5 »Ich wusste nicht, Brüder, dass er der Hohepriester ist«, lenkte Paulus ein, »denn natürlich ist mir bekannt, dass es in der Heiligen Schrift heißt: ›Das Oberhaupt deines Volkes sollst du nicht beleidigen.‹ «
6 Paulus wusste, dass zum Hohen Rat sowohl Sadduzäer als auch Pharisäer gehörten. Deshalb rief er laut: »Brüder, ich bin ein Pharisäer wie viele meiner Vorfahren, und nun stehe ich hier vor Gericht, weil ich an die Auferstehung der Toten glaube.«
7 Diese Worte lösten einen heftigen Streit zwischen den Pharisäern und Sadduzäern aus, und die Versammlung spaltete sich in zwei Lager. 8 Denn im Gegensatz zu den Pharisäern behaupten die Sadduzäer: Es gibt keine Auferstehung und weder Engel noch Geister.
9 Immer lauter wurde der Streit. Aufgeregt sprangen einige Schriftgelehrte der Pharisäer auf und riefen: »An dem Mann ist doch nichts, wofür er verurteilt werden könnte. Vielleicht hat ja wirklich ein Geist oder Engel zu ihm geredet.« 10 Der Tumult nahm solche Formen an, dass der römische Kommandant fürchtete, Paulus vor der aufgebrachten Menge nicht länger schützen zu können. Deshalb ließ er einen Trupp Soldaten kommen, die Paulus aus der Mitte der Streitenden holten und ihn wieder in die Festung zurückbrachten.
11 In der folgenden Nacht trat der Herr zu Paulus und sagte: »Du kannst unbesorgt sein! So wie du in Jerusalem mein Zeuge gewesen bist, sollst du auch in Rom mein Zeuge sein!«
12 Bei Tagesanbruch kamen einige Juden zusammen. Feierlich schworen sie gemeinsam vor Gott, weder zu essen noch zu trinken, bis es ihnen gelungen wäre, Paulus zu beseitigen. 13 Mehr als vierzig Männer waren an dieser Verschwörung beteiligt. 14 Sie gingen zu den obersten Priestern und den führenden Männern des Volkes, um ihnen mitzuteilen: »Wir haben geschworen, nichts zu essen und zu trinken, bis wir diesen Paulus getötet haben. 15 Sorgt nun im Auftrag des Hohen Rates dafür, dass der Kommandant ihn noch einmal zum Verhör bringen lässt. Sagt, ihr wolltet die Angelegenheit genauer untersuchen. Wir halten uns dann bereit und bringen ihn um, noch bevor er bei euch ankommt.«
16 Ein Neffe von Paulus erfuhr von diesem Anschlag. Er lief zur Festung und berichtete ihm alles. 17 Da rief der Apostel einen der Hauptleute zu sich und bat: »Bring diesen jungen Mann zum Kommandanten; er hat eine wichtige Mitteilung für ihn!« 18 Der Hauptmann führte den Neffen von Paulus zum Kommandanten und meldete: »Der Gefangene Paulus hat mich rufen lassen und darum gebeten, diesen jungen Mann zu dir zu bringen. Er soll dir etwas mitteilen.«
19 Da nahm der Kommandant den jungen Mann beiseite und fragte: »Was hast du mir zu melden?« 20 Er berichtete: »Die Juden werden dich bitten, Paulus morgen noch einmal dem Hohen Rat vorzuführen. Angeblich wollen sie den Fall genauer untersuchen. 21 Glaube ihnen nicht, denn über vierzig Männer wollen ihm auflauern, um ihn zu ermorden. Sie haben sich geschworen, nichts zu essen und zu trinken, bis er tot ist. Jetzt warten sie nur auf deine Zusage.« 22 Der junge Mann verließ die Festung, nachdem der Kommandant ihm eingeschärft hatte, dass niemand von ihrem Gespräch erfahren dürfe.
23 Gleich darauf ließ der Kommandant zwei Hauptleute zu sich kommen. Ihnen gab er den Auftrag: »Stellt für heute Abend neun Uhr zweihundert Soldaten zum Marsch nach Cäsarea bereit, dazu noch siebzig Reiter und zweihundert Leichtbewaffnete. 24 Kümmert euch auch um Reittiere für den Gefangenen und bringt ihn sicher zum Statthalter Felix.«
Hanspeter Obrist, Oktober 2025
Impuls aus dem offenen Bibel-Treff Ebnat-Kappel
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