Jesus will bei uns einkehren

Die Geschichte von Zachäus in Lukas 19,1-10 ist spannend. Zachäus ist ein Zöllner, der anders ist als die anderen. Er ist klein. Als Jesus nach Jericho kommt, versperren ihm die Leute die Sicht. Er sucht nach einer Lösung und steigt auf einen Baum.

Unsere Herausforderungen sind vielleicht anders. Doch die Situation, dass wir manchmal nicht mehr darüber sehen, kennen wir. Plötzlich versperren uns unsere Sorgen und alltäglichen Herausforderungen die Sicht auf Jesus oder das Gute im Leben.

Zachäus will Jesus sehen und sucht nach einem Weg, wie er das erreichen kann.

Es gibt viele Wege, wie wir heute mehr von Jesus erfahren können. Wir können in der Bibel lesen, Gottesdienste besuchen, Videos schauen oder jemanden bitten, uns etwas vorzulesen. Vielleicht wünscht man sich zu Weihnachten einen Abreißkalender mit täglichen biblischen Impulsen. Es gibt auch Andachtsbücher für jeden Tag mit Kurzgeschichten. Andere lesen einfach Abschnitt für Abschnitt aus einem Buch.

Wenn man auf einen Baum steigt, werden die Probleme kleiner. Wir gehen gern wandern. Wenn man oben auf einem Berg steht, sind die Probleme weit unten im Tal. Als wir vor einigen Tagen mit den Kindern auf die Alp gingen, sagten sie: „Das Auto wird immer kleiner. Jetzt ist es wie ein Spielzeugauto.“

Zachäus suchte nach einer Lösung. Tief in seinem Herzen hatte er den Wunsch, Jesus zu sehen. Das ist die Erfahrung eines Glaubenden. Er will Jesus täglich sehen. Nicht real. Aber Zeichen, die vom Himmel kommen. Wer sich nach Jesus sehnt, wird die Zeichen des Himmels im Alltag entdecken.

Als Jesus am Baum vorbeizieht, sieht er Zachäus. Oder sollte man eher sagen, er sucht nach Zachäus? Jesus sagt zu ihm: „Zachäus, komm schnell herunter! Ich soll heute dein Gast sein!“

Jesus sieht jeden von uns. Er möchte bei uns einkehren. Bei uns sein. Manchmal sagen Menschen: „Ich habe Jesus gefunden.” Wenn sie jedoch zurückblicken, müssen sie eher sagen: Jesus hat mich gesucht.

In der Kirche, in der meine Frau und ich geheiratet haben, stand folgender Vers an der Wand: „Naht euch zu Gott, so wird er sich euch nahen.” (Jak 4,8)

Ein einfaches Gebet öffnet uns neue Türen: „Jesus, komm in mein Leben und schenk mir deine Sicht.”

Wo Jesus gegenwärtig ist, verändert sich das Leben. So lesen wir es von Zachäus. Plötzlich stand er auf und begann, sein Leben zu ordnen. Jesus hat ihn verändert. Er gab ihm eine neue Sicht auf das, was im Leben wirklich zählt. Er sah auf einmal nicht mehr das Geld, sondern die Menschen.

Jesus möchte auch uns helfen, einen neuen Blick zu erhalten und zu sehen, was im Leben wirklich zählt. Dabei geht es nicht darum, wie viel Geld und Besitz wir haben, sondern wie viel Zeit wir füreinander haben.

Jesus nahm sich Zeit für Zachäus. Wir wollen uns auch Zeit füreinander nehmen.

Es können viele kleine Aufmerksamkeiten sein, die unser Leben verändern und positiv prägen. Da ist keiner zu alt. Keiner ist zu jung. Keiner ist zu eingeschränkt. Jeder kann „Danke” sagen. Lächeln. Mit den Augen zwinkern.

Es gibt Menschen, die einen beschenken, wenn man sie besucht. Nicht, weil sie uns etwas auftischen, sondern weil sie ihre Freude teilen oder Anteil am Erleben anderer nehmen.

Zachäus sah plötzlich nicht mehr das Geld, sondern die Menschen. Um was er sie beraubt hatte. Und er wollte es zurückgeben.

Was wir bis zu unserem letzten Atemzug haben, sind Zeit und Aufmerksamkeit füreinander.

Wir können einander bitten, etwas vorzulesen, wenn wir es selbst nicht mehr können. In einem Altersheim hat ein Mann immer die Zeitung für die anderen vorgelesen. Das Gute daran war, dass alle davon profitiert haben. Er hatte eine Aufgabe, und die Gemeinschaft wurde gestärkt. Man könnte also einfach sagen: „Um diese Zeit lese ich aus einem Buch oder der Zeitung da und da etwas vor.” Und selbst wenn nur eine Person kommt, wird es ein Segen sein.

Ich kenne viele ältere Personen, die bestimmte Sendungen im Radio hören. Ich selbst spreche immer am zweiten Mittwoch im Monat um 14 Uhr bei Radio Maria. Man kann jemanden bitten, die Sendungen herunterzuladen, die man dann auf einem Radio mit USB-Eingang anhören kann.

Noch ermutigender ist es jedoch, gemeinsam zu lesen oder zuzuhören. Zeit füreinander zu haben. Vielleicht muss man einfach den Mut haben, jemanden zu bitten, vorbeizukommen und etwas vorzulesen. So wie Heidi es mit ihrer Großmutter aus der Bibel gemacht hat. Oder wünschen Sie sich, dass noch jemand mit Ihnen das Vaterunser am Abend betet? Bei meiner an Demenz erkrankten Mutter lag auf dem Nachttisch ein Zettel mit dem «Unser Vater» vom Heim, damit noch jemand mit ihr beten konnte.

Es ist das christliche Geheimnis, dass wir nicht bei uns und unseren Nöten stehenbleiben, sondern auch unsere Nächsten wahrnehmen und Zeit und Aufmerksamkeit miteinander teilen. Zachäus sah auf einmal nicht mehr das Geld, sondern die Menschen.

Jesus möchte auch uns helfen, einen neuen Blick zu erhalten und zu sehen, was im Leben wirklich zählt. Dabei geht es nicht darum, wie viel Geld und Besitz wir haben, sondern wie viel Zeit wir füreinander haben.

Jesus nahm sich Zeit für Zachäus. Wir wollen uns auch Zeit füreinander nehmen.

Es können viele kleine Aufmerksamkeiten sein, die unser Leben verändern und positiv prägen. Da ist keiner zu klein. Keiner zu alt. Keiner ist zu jung. Keiner ist zu eingeschränkt. Jeder kann „Danke” sagen. Lächeln. Mit den Augen zwinkern.

Hanspeter Obrist, Wochengottesdienst (Andacht), WIER Ebnat-Kappel, 22. Oktober 2025

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