Jesus war der Erste, der von einer jenseitigen Welt sprach. In Johannes 14,2-3 spricht er von einem Wohnort, den er für uns vorbereitet. Ist der Himmel ein niemals endender Gottesdienst?
Zunächst muss uns bewusstwerden: Das Göttliche ist außerhalb von Raum (nicht an einen Ort gebunden), Zeit (ewig) und Materie (außerhalb der menschlichen Denkbox).
In unserem menschlichen Wunschbild dreht sich oft alles um uns selbst. Im Schlaraffenland steht der Mensch im Zentrum. Im Himmel ist es Gott.
Wir werden nicht ohne Aufgaben sein. Gott hat allen Geschöpfen eine Aufgabe und Bestimmung gegeben. Die Wesen, die sich gegen diese Aufgaben aufgelehnt haben, sind die abgefallenen Engel oder Menschen.
Das göttliche Prinzip ist, dass wir uns gegenseitig ergänzen und einander dienen. Deshalb sollen wir auf dieser Erde dieses Prinzip einüben.
Im Himmel wird unsere Persönlichkeit nicht aufgelöst, sondern sie soll sich, von egoistischen Motiven gereinigt, entfalten.
Wenn der Himmel Gemeinschaft mit Jesus ist, dann ist es schon auf der Erde unser Bedürfnis, Zeit mit ihm zu verbringen. Nicht als Erfüllung einer Pflicht, sondern in Sehnsucht nach seiner Gegenwart, wo immer wir sind.
Der Himmel ist besser, als wir es uns vorstellen können.
Ganzer Text lesen:
Der Himmel ist kein Schlaraffenland
Heute sind viele der Meinung, dass alle Religionen einen Weg zu Gott bieten. Der emeritierte Erzbischof von Philadelphia, Charles Chaput, antwortete auf die Aussage: „Alle Religionen sind ein Weg zu Gott. Sie sind wie verschiedene Sprachen, verschiedene Idiome, um dorthin zu gelange“, mit den Worten: „Zwar haben alle großen Religionen eine menschliche Sehnsucht nach etwas Größerem, aber nicht alle sind in ihren Inhalten und Konsequenzen gleich.“
Betrachtet man das Ziel der Religionen, wird schnell klar, dass wir, wenn wir jeden in seiner Auffassung ernst nehmen, nicht ans gleiche Ziel gelangen.
Nach den traditionellen Vorstellungen des Judentums wird eine jüdische Seele entweder wieder als Jude geboren oder ruht im Erdboden bis zur Auferstehung im kommenden Königreich auf dieser Erde. Juden erwarten also ein neues Leben auf dieser Erde.
An diese Tradition angelehnt, erwarten auch die Zeugen Jehovas ein Leben auf der wiederhergestellten Erde.
In vielen Glaubensvorstellungen ist man sich bewusst, dass es eine übersinnliche Welt gibt, die man besänftigen oder für sich gewinnen muss.
In der Esoterik und Magie versucht man positive Energien anzuzapfen und schlechte Einflüsse zu verdrängen.
Nach dem Hinduismus haben die Menschen vergessen, dass sie von Brahman (einem unpersönlichen Konzept des Göttlichen) herkommen. Sie sind ihren Begierden gefolgt und damit dem Gesetz des Karmas, der Konsequenz, unterworfen. Das beeinflusst den Kreislauf der Wiedergeburt.
Siddharta Gautama (Buddha) litt unter der hinduistisch-brahmanischen Lehre vom Karma und dem ewigen Kreislauf der Wiedergeburten. Er suchte die Erlösung aus diesem Kreislauf. Er kam zum Schluss, dass die Ursache des Leidens das Begehren sei. Er beschreibt einen Weg, um das Begehren loszuwerden. Das Ziel im Buddhismus ist der Eintritt ins Nirwana, die Auflösung des Ich-Bewusstseins und somit der Persönlichkeit.
Jesus war der Erste, der von einer jenseitigen Welt gesprochen hat. In Matthäus 6,20 sagt er: „Sammelt euch Schätze im Himmel, wo weder Motte noch Fraß zerstören“. In Johannes 14,2-3 spricht er von einem Wohnort, den er für uns vorbereitet: „Im Hause meines Vaters sind viele Wohnungen. Wenn es nicht so wäre, würde ich euch gesagt haben: Ich gehe hin, euch eine Stätte zu bereiten? Und wenn ich hingehe und euch eine Stätte bereite, so komme ich wieder und werde euch zu mir nehmen, damit auch ihr seid, wo ich bin.“
Doch wie sieht dieser Himmel aus? Es haben sich verschiedene Vorstellungen entwickelt.
In der Kirche der Heiligen der Letzten Tage (Mormonen) werden die Männer zu Göttern und die Frauen zu ihren Dienerinnen. Einer unserer Verwandten, der Mitglied dieser Kirche ist, sagte zu mir: „Wir erhalten bei der Hochzeit einen geheimen Namen. Wenn ich mit meiner Frau zufrieden war, kann ich sie in der Ewigkeit zu mir rufen.“
Im Koran wird das Paradies wie folgt beschrieben: „Auf golddurchwirkten Ruhebetten liegen sie (die, die Gott nahestehen) einander gegenüber, während ewig junge Knaben unter ihnen die Runde machen mit Humpen und Kannen (voll Wein) und einem Becher (voll) von Quellwasser (zum Beimischen), von dem sie weder Kopfweh bekommen noch betrunken werden und (mit allerlei) Früchten, was (immer) sie wünschen, und Fleisch von Geflügel, wonach sie Lust haben. Und großäugige Huris (haben sie zu ihrer Verfügung), (in ihrer Schönheit) wohlverwahrten Perlen zu vergleichen“ (Sure 56,15-23). Wer genau diese Huris sind, ist umstritten. In Sure 52,20 steht: „Wir geben ihnen großäugige Huris als Gattinnen.“ In Sure 52,24 sind die Jünglinge dann „wie wohlverwahrte Perlen“.
Das muslimische Paradies scheint ein Schlaraffenland zu sein, in dem ein Muslim alles erhält, was sein Herz begehrt. Später schreibt Imam Ahmad: „Der Geringste im Paradies erhält 72 Jungfrauen zusätzlich zu seinen Frauen aus dem diesseitigen Leben.“
Nach dem Koran gibt es sieben Himmel (Sure 17,44). Gemäß der Tradition befindet sich Allah im siebten Himmel hinter dem Lotusbaum. Nicht einmal der Engel Gabriel darf zu ihm gehen. Allah lebt für sich, wobei in Sure 4,158 steht, dass Allah Isa (Jesus) zu sich in den Himmel erhoben hat.
Ein Muslim schrieb mir: „Muslime glauben nicht, dass Allah im Paradies unser Nachbar sein wird.“ Allah ist also nach muslimischer Vorstellung nicht im Paradies, sondern an einem höheren Ort, da die sieben Himmel erschaffen wurden (Sure 41,30).
Doch wie stellen wir uns den Himmel vor? Ist der Himmel ein niemals endender Gottesdienst? Da viele Gottesdienste auf dieser Erde mit negativen Emotionen verknüpft sind, können viele dem Himmel nicht viel Gutes abgewinnen.
Woher nehmen wir unsere Informationen über den Himmel?
Jesus hat über die Prinzipien des Reichs Gottes gesprochen. Im Vaterunser beten wir: „Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auch auf Erden“ (Matthäus 6,10).
Paulus hat davon geschrieben, dass er im dritten Himmel war (2.Korinther 12,2).
Johannes hatte auf Patmos Visionen und beschrieb die himmlische Welt. Er sah ein Meer von Menschen aus aller Welt (Offenbarung 15,4).
Zunächst muss uns Folgendes bewusstwerden: Das Göttliche ist außerhalb von Raum (nicht an einen Ort gebunden), Zeit (ewig) und Materie (außerhalb der menschlichen Denkbox).
Paulus spricht von unaussprechlichen Worten (2.Korinther 12,4 dass er in das Paradies entrückt wurde und unaussprechliche Worte hörte, die auszusprechen einem Menschen nicht zusteht). Zwei Mönche sollen einmal miteinander abgemacht haben, dass, wenn der eine von ihnen stirbt, er Gott bitten soll, dass er dem anderen erzählen darf, wie es im Himmel ist. Als dann der erste starb, erschien er dem anderen tatsächlich im Traum und erzählte von Dingen, die dieser nicht fassen und verstehen konnte.
Sadu Sundar Singh, ein christlicher Wanderprediger in Indien, wurde ebenfalls in den Himmel entrückt. Er sagte: „Dort werden Bedürfnisse gestillt, von denen wir hier noch gar nichts wissen.“ Er war so von Jesus fasziniert, dass er alles irdische Leid gern auf sich nahm, um Jesus nahe zu sein.
Wie Johannes in der Offenbarung klar beschreibt: Im Himmel dreht sich alles um Gott.
In unserem menschlichen Wunschbild dreht sich dagegen oft alles um uns selbst. Im Schlaraffenland steht der Mensch im Zentrum. Im Himmel ist es Gott. Es geht um mich, Gott und andere Menschen, die Jesus lieben.
Wir werden auch nicht ohne Aufgaben durch die Ewigkeit tuckern. Gott hat allen Geschöpfen eine Aufgabe und Bestimmung gegeben. Die Wesen, die sich gegen diese Aufgaben aufgelehnt haben, sind die abgefallenen Engel oder Menschen.
Das göttliche Prinzip ist, dass wir uns gegenseitig ergänzen und einander dienen. Deshalb sollen wir auf dieser Erde dieses Prinzip einüben.
Im Himmel wird unsere Persönlichkeit nicht aufgelöst, sondern sie soll sich, von egoistischen Motiven gereinigt, entfalten. Im Himmel wird es uns nicht langweilig, sondern wir erleben eine neue Qualität des Lebens.
Wir erwarten keinen Ort, sondern eine Person: Jesus, die für uns fassbare göttliche Offenbarung.
Wenn der Himmel also Gemeinschaft mit Jesus ist, dann ist es schon auf der Erde unser Bedürfnis, Zeit mit ihm zu verbringen. Nicht als Erfüllung einer Pflicht, sondern in Sehnsucht nach seiner Gegenwart, wo immer wir sind.
Wenn wir aus den verschiedenen Religionen alle nach unserer eigenen Vorstellung selig werden, dann werden wir definitiv nicht am gleichen Ort sein. Schlaraffenland bedeutet wörtlich „Land der faulen Affen“. Das wird der Himmel nicht sein.
Im Himmel ist die Gegenwahrt Gottes das Zentrum. Wir dienen einander, denn Liebe ist freiwillige Hingabe. Jeder achtet den anderen höher als sich selbst. Paulus schreibt in Philipper 2,3: „Tut nichts aus Eigennutz oder eitler Ruhmsucht, sondern jeder achte in der Demut den anderen höher als sich selbst“.
Jesus, Paulus und Johannes möchten, dass die himmlischen Prinzipien schon auf dieser Erde erfahrbar werden.
Paulus sprach vom dritten Himmel. Der erste Himmel ist das irdische Himmelsgewölbe. Doch was ist der zweite? Mir gefällt die Auslegung sehr gut, dass der zweite Himmel die Gegenwart Gottes auf dieser Erde ist, die durch uns Christen erlebbar wird. Als ein Stück Himmel auf Erden.
Wir sollen im Miteinander lernen, immer mehr so zu werden, wozu uns Gott geschaffen hat: als seine Ebenbilder, als Wesen, die Gott von ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit aller Kraft lieben.
Jesus fasste das Wichtigste in Markus 12,30 wie folgt zusammen: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben aus deinem ganzen Herzen und aus deiner ganzen Seele und aus deinem ganzen Verstand und aus deiner ganzen Kraft“.
Unser Ziel ist es, Christus immer besser zu erkennen und zu lieben. Paulus schreibt im Epheser 3,19: „Zu erkennen die die Erkenntnis übersteigende Liebe des Christus, damit ihr erfüllt werdet zur ganzen Fülle Gottes.“
Wir erwarten nicht einen Ort, sondern eine Person: Jesus, unseren Erlöser. Im Himmel geht es nicht um mich, sondern um die Liebe zu Gott und untereinander. Unsere gottgegebene Persönlichkeit wird dort zur vollen Entfaltung kommen. Der Himmel ist besser, als wir es uns vorstellen können.
Text: Hanspeter Obrist, Oktober 2025
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