Im vorangehenden Abschnitt sprach Paulus vom Wachstum und der Mündigkeit. Doch wie wird man ein mündiger Christ? Paulus schreibt in Epheser 4,17-32, dass man das alte Leben wie ein Kleid ablegt und als erneuerter Mensch lebt
Die Veränderung beginnt im Denken (Vers 17) und wird dadurch geprägt, wem und was ich in meinem Leben Raum gebe (Vers 27). Gott möchte nicht, dass wir nur christlich reden, sondern dass wir von Gott geprägt denken. Denn was wir denken, werden wir sagen und was wir sagen, prägt unser Leben.
Dass dies nicht automatisch geschieht, zeigt der heutige Abschnitt. Paulus schreibt in Epheser 4 ab Vers 17: „Dies nun sage und bezeuge ich im Herrn, dass ihr nicht mehr wandeln sollt, wie auch die Nationen wandeln, in Nichtigkeit ihres Sinnes; 18 sie sind verfinstert am Verstand, entfremdet dem Leben Gottes wegen der Unwissenheit, die in ihnen ist, wegen der Verstockung ihres Herzens; 19 sie, die abgestumpft sind, haben sich selbst der Ausschweifung hingegeben, zum Ausüben jeder Unreinheit mit Gier.“
Viele Menschen sind von Gott entfremdet, unwissend und trotzig. Sie wollen nicht auf Gott hören.
Paulus schreibt weiter: „20 Ihr aber habt den Christus nicht so kennengelernt. 21 Ihr habt ihn doch gehört und seid in ihm gelehrt worden, wie es Wahrheit in Jesus ist: 22 dass ihr, was den früheren Lebenswandel angeht, den alten Menschen abgelegt habt, der sich durch die betrügerischen Begierden zugrunde richtet.“
Wir haben von Gott gehört, die Wahrheit gelernt und durch die Entscheidung für Jesus unseren alten Lebensstil abgelegt.
Das klingt einfach, ist es aber nicht. Es gibt einen Spruch: „Wir haben den alten Menschen mit der Taufe ersäuft, aber er kann schwimmen.“
Paulus verwendet hier das Bild eines Kleides, das man ablegt. Wir sollen etwas Neues anziehen. Das Bild des Kleides erinnert an den „Mantel der Gerechtigkeit“ aus Jesaja 61,10: „Er kleidet mich in Gewänder des Heils, er hüllt mich in den Mantel der Gerechtigkeit.“ Dem nach Hause kommenden Sohn gibt der himmlische Vater in Lukas 15,22 ein Kleid, einen Ring und Schuhe.
Doch wie werden wir erneuert? Paulus schreibt in Vers 23 weiter: „Dagegen werdet (ihr) erneuert in dem Geist eurer Gesinnung 24 und den neuen Menschen angezogen habt, der nach Gott geschaffen ist in wahrhaftiger Gerechtigkeit und Heiligkeit. 25 Deshalb legt die Lüge ab und redet Wahrheit, ein jeder mit seinem Nächsten! Denn wir sind untereinander Glieder.“
Alles beginnt mit dem Denken. Wir reden, was wir denken, und handeln entsprechend. In Lukas 6,45 sagt Jesus: „Was das Herz voll ist, des geht der Mund über.“
Die Worte, die wir benutzen, verändern wortwörtlich unser Gehirn. Der Neurowissenschaftler Dr. Andrew Newberg und der Kommunikationsexperte Robert Waldman schreiben in ihrem Buch „Words Can Change Your Brain“: „Ein einziges Wort hat die Macht, die Auswirkung jener Gene zu beeinflussen (Genexpression), die körperlichen und emotionalen Stress regulieren.“
Wenn wir positiv besetzte Wörter benutzen, können wir also Einfluss darauf nehmen, wie unser Gehirn funktioniert.
Newberg und Waldman schreiben: „Nutzen wir mehr positive Wörter als negative, aktivieren wir die Teile des Gehirns, die für die Motivation verantwortlich sind, und sogar die für die motorischen Abläufe, also jene, die uns in Bewegung bringen.“
Sehen wir uns selbst positiver, wird automatisch auch unser Blick auf andere freundlicher, während ein negatives Selbstbild uns kritisch gegenüber anderen sein lässt und wir an ihnen zweifeln.
Durch das intensive Wiederholen positiver Worte, positiver innerer Bilder und Gefühle können sogar diejenigen, die genetisch eher zum Unglücklichsein neigen, ihr Gehirn neu strukturieren und eine optimistischere Einstellung zum Leben gewinnen.
Paulus weiß, dass dies nicht einfach ist. Er sagt weiter: „26 Zürnet, und sündigt dabei nicht! Die Sonne gehe nicht unter über eurem Zorn, 27 und gebt dem Teufel keinen Raum! 28 Wer stiehlt, stehle nicht mehr, sondern mühe sich vielmehr und wirke mit seinen Händen das Gute, damit er dem Bedürftigen etwas mitzugeben hat! 29 Kein faules Wort komme aus eurem Mund, sondern nur eins, das gut ist zur notwendigen Erbauung, damit es den Hörenden Gnade gibt!
30 Und betrübt nicht den Heiligen Geist Gottes, mit dem ihr versiegelt worden seid auf den Tag der Erlösung hin! 31 Alle Bitterkeit und Wut und Zorn und Geschrei und Lästerung sei von euch weggetan, samt aller Bosheit! 32 Seid aber zueinander gütig, mitleidig, und vergebt einander, so wie auch Gott in Christus euch vergeben hat!
Die entscheidende Frage ist: Welchen Dingen geben wir in unserem Leben Raum? Wiederholen wir ständig negative Aussagen über uns selbst? Denken wir ständig darüber nach, was andere über uns denken könnten? Dabei denken die meisten gar nicht über andere nach, weil sie mit ganz anderen Dingen beschäftigt sind. Was nimmt unser Denken gefangen? Paulus sagt: Gebt dem Teufel keinen Raum. Betrübt nicht den Heiligen Geist. Hängt euren negativen Gedanken nicht nach. Erneuert euer Denken mit der göttlichen Wahrheit, die wir in der Bibel erfahren.
Studien deuten darauf hin, dass regelmäßiges Bibellesen (mindestens viermal pro Woche) das Potenzial hat, das Leben positiv zu verändern, Trost zu spenden und positive Verhaltensweisen zu fördern.
Der Report „State of the Bible“ der Amerikanischen Bibelgesellschaft zeigt, dass Menschen, die in der Bibel lesen, „ein höheres Maß an Hoffnung und Widerstandsfähigkeit haben“.
Bibellesende Personen sind auf der Hoffnungs-Skala mindestens 14 bis 19 Prozent höher angesiedelt als Menschen ohne diesen Bezug. Und wenn Personen ein Trauma erleben, trägt die Beschäftigung mit der Bibel zum besseren Umgang mit den Schwierigkeiten bei. In der Erklärung der Bibelgesellschaft heißt es sogar: „Wenn Menschen, die ein Trauma erlitten haben, sich auf die Bibel einlassen, fühlen sie sich wohler als Menschen, die kein Trauma erlebt haben und sich nicht mit der Bibel beschäftigen.“ Zwar hat ein Trauma immer noch schwerwiegende Auswirkungen, „aber die Beschäftigung mit der Bibel führt zu einer Widerstandsfähigkeit, die das menschliche Gedeihen mehr fördert als das Trauma es beeinträchtigt“ (Livenet).
Im Römer 12,2 schreibt Paulus: „Werdet verwandelt durch die Erneuerung des Sinnes.“
Eine Studie aus dem Gebiet der Positiven Psychologie bekräftigt, wie wichtig es ist, uns mehr auf positive Worte und Erlebnisse zu konzentrieren.
Eine Gruppe von Menschen sollte jeden Abend drei Dinge aufschreiben, die gut gelaufen waren und erklären, warum das so war. In den folgenden drei Monaten stieg ihr Glückslevel deutlich und depressive Gefühle schrumpften nach und nach – im Gegensatz zur Kontrollgruppe, die über etwas Neutrales schrieb.
Was wir uns selbst sagen, prägt uns mehr als das, was andere sagen. Wenn also andere negativ über mich sprechen und ich es nicht ignoriere, sondern es mir selbst wiederhole, schadet es mir. Nicht immer sehen wir das Gute, doch das können wir einüben.
Täglich zwei oder drei Dinge aufzuschreiben, wofür wir dankbar sind, verhilft uns zu einer neuen Sichtweise. Wenn wir frustriert oder in schlechter Laune sind, sprechen wir positive Dinge aus oder lesen unsere Notizen über positive Erlebnisse. Wichtig ist es, es aussprechen und nicht nur zu denken. Was wir hören, speichert unser Gehirn besser ab.
Francis Bacon (englischer Philosoph und Jurist) sagte einmal: „Nicht die Glücklichen sind dankbar, sondern die Dankbaren sind glücklich.“
Dankbarkeit ist wie ein Muskel. Je dankbarer wir sind, desto stärker bilden sich entsprechende Strukturen im Gehirn. Je mehr wir heute bewusst Dankbarkeit üben, desto stärker werden wir sie in Zukunft spontan wahrnehmen.
David brachte es auf den Punkt: „Lobe den HERRN, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat“ (Psalm 103,2). David war es nicht zum Loben zumute, er forderte sich selbst dazu auf.
Es wächst, was wir nähren, und wir ernten, was wir säen (Galater 6,8). Ich entscheide selbst, ob eine positive oder negative Saat aufgeht (2.Korinther 9,6).
Paulus schreibt hier vom Ablegen und Anziehen. Jeder von uns muss sich täglich entscheiden, welche Kleider er anzieht. So müssen wir uns auch dafür entscheiden, den Tag mit Gott zu gestalten. Eine Hilfe kann sein, dass wir Gottes Hilfe jeden Morgen wie ein Kleid in Anspruch nehmen. „Hilf mir, Jesus, dass ich heute meine Mitmenschen mit deinen Augen sehe. Dass ich wie du gütig, barmherzig und vergebend bin (Vers 32). Hilf mir, dass meine Worte aufbauend und nützlich sind (Vers 29).
Ein zweites Bild finden wir in Vers 27: Wem oder was geben wir Raum in unserem Alltag? In Offenbarung 3,20 sagt Jesus: „Siehe, ich stehe an der Tür und klopfe an; wenn jemand meine Stimme hört und die Tür öffnet, zu dem werde ich hineingehen und mit ihm essen und er mit mir.“ Jesus und der Heilige Geist drängen sich nicht auf. Sie warten, bis sie eingeladen werden. Wir können sie also jeden Morgen einladen, uns zu führen und zu leiten.
Paulus ist es wichtig, dass wir uns an dem orientieren, was wahr ist. Wir sollen unser Leben nicht schönreden, sondern es mit der Hilfe Gottes verändern und neu prägen lassen. Das Wesen eines Christen ist es, im Bewusstsein zu leben, dass wir nicht mehr von dieser Welt sind, aber in dieser Welt leben. Jesus sagte über alle, die ihm nachfolgen: „Sie sind nicht von der Welt, wie ich nicht von der Welt bin.“ (Johannes 17,16), aber „Diese sind in der Welt“ (Johannes 17,11).
Indem wir göttliche Wahrheit aussprechen, verfestigen wir sie in unserem Denken. Das kann man durch das Lesen der Bibel, durch Gebete und durch Lieder erreichen (Epheser 5,19). Eine weitere Möglichkeit ist das Aufschreiben einer Sammlung von ermutigenden Stellen, wie der Liebesbrief Gottes an dich.
Weitere Impulse zum Epheserbrief:
- Drei Gründe Gott zu loben 19. Januar 2026
- Jesus ist die Schlüsselperson 25. Januar 2026
- Vom Tod zum Leben 4. Februar 2026
- Gott ist nicht fern 8. Februar 2026
- Das Geheimnis Gottes – sein Masterplan 22. Februar 2026
- Einheit, Ergänzung und Mündigkeit 9. März 2026
- Erneuertes Denken 15. März 2026