Eine Person, die nicht aus dem christlichen Umfeld stammt, erhielt, von einem Kollegen von mir, einige Bibelstellen zum biblischen Menschenbild. Nachdem sie diese studiert hatte, war sie erstaunt, welch positives Menschenbild die Bibel aufzeigt.
Psalm 139 ist eine von diesen Stellen. So steht in Psalm 139,13-17, von König David: „Du selbst hast mein Innerstes geschaffen, hast mich gewoben im Schoß meiner Mutter. 14 Ich danke dir, dass ich so staunenswert und wunderbar gestaltet bin. Ich weiß es genau: Wunderbar sind deine Werke. … 16 Als ich noch gestaltlos war, sahen mich bereits deine Augen.„
Das Bild aus Psalm 139 ist eindrücklich. Selbst wenn du kein Wunschkind bist und deine Eltern dich nicht erwartet haben, Gott hat auf dich gewartet. Er hat sein Ja zu dir gegeben. Er hat sich danach gesehnt, dass du bist (Vers 16): „Als ich noch gestaltlos war, sahen mich bereits deine Augen.“
Die Anthropologie, also das Menschenbild in der Bibel, betont, dass der Mensch als Ebenbild Gottes geschaffen worden ist (1.Mose 1,27). Er hat einen freien Willen und die Fähigkeit Entscheidungen zu treffen. Er ist nicht nur ein körperliches Wesen. Der Mensch hat eine besondere Würde und Verantwortung.
Gott hat in einzigartiger Weise „selbst Hand angelegt“ und uns Menschen mit seinem Geist seine Gottesähnlichkeit eingehaucht. Psalm 139,13 „Du selbst hast mein Innerstes geschaffen, hast mich gewoben im Schoß meiner Mutter.“
Die Tatsache, dass jeder von uns von Gott geschaffen ist, ist unsere Würde, unsere „Menschenwürde“!
Wer sich an einem Menschen vergreift, der vergreift sich an Gottes einmaliger Kreation und damit indirekt an Gott! (1.Mose 9,6).
Als Ebenbild Gottes haben wir göttliche Fähigkeit wie Liebe, Treue, Gerechtigkeit, Geduld, Güte und die Fähigkeit zur Empathie.
Der Mensch hat einen freien Willen und kann sich für das Gute entscheiden. Er kann sich auch für oder gegen Gott entscheiden. Er kann ihn suchen oder ignorieren.
Die Botschaft der Bibel ist:
- Der himmlische Vater hat sein Ja zu mir
- Er sehnt sich danach, dass wir uns ihm zu– und nicht mehr abwenden.
- Durch das Kreuz Jesu, lädt uns Gott ein, versöhnt mit ihm zu leben und seine Hilfe anzunehmen. Ihm unser Ja zu geben.
- Durch den Heiligen Geist werden wir verändert.
Die Bibel zeigt, dass Menschen unterschiedliche Stärken und Schwächen haben, aber auch, dass jeder Mensch einzigartig ist und über eigene Talente und Fähigkeiten verfügt. Vers 14 „Ich danke dir, dass ich so staunenswert und wunderbar gestaltet bin. Ich weiß es genau: Wunderbar sind deine Werke.“
Die Bibel betont die Bedeutung von Liebe und Verantwortung gegenüber anderen Menschen, sowohl innerhalb der Familie als auch in der Gesellschaft.
Der Mensch besteht nicht nur aus einem Körper, sondern hat auch eine Seele und einen Geist, die auf eine Beziehung zu Gott ausgerichtet sind.
Gott hat jeden von uns mit viel Liebe und Kreativität erschaffen. Er will uns als seine Repräsentanten auf dieser Erde einsetzen. Deshalb sind wir als Menschen dazu fähig, mit Gott in eine Beziehung zu treten.
Gott liebt uns und möchte Gemeinschaft mit uns haben. Die ersten Menschen hatten diese Gemeinschaft. Sie konnten sich ungehindert mit Gott treffen (1.Mose 3,8), bis sie sich gegen seine Worte aufgelehnt haben. Dann versteckten sie sich vor Gott.
Jeder Mensch ist ein Gedanke Gottes. Vers 13 „Du hast mich gewoben im Schoß meiner Mutter.“
Gott erwartete uns voller Freude. „Als ich noch gestaltlos war, sahen mich bereits deine Augen.“
Gott möchte uns dafür gewinnen, dass wir uns von ihm leiten lassen (Vers 24). Wir sollen über ihn staunen (Vers 14/17) und ihn lieben.
So wie es Vers 14 sagt: „14 Ich danke dir, dass ich so staunenswert und wunderbar gestaltet bin. … 17 Wie kostbar sind mir deine Gedanken, Gott! Wie gewaltig ist ihre Summe!“
Wir sollen ihn auf dieser Erde repräsentieren. Er möchte durch uns gewärtig sein. Deshalb treffen wir uns und ermutigen uns gegenseitig.
Gott liebt uns, weil wir sind. Er möchte uns inspirieren und anleiten, damit wir eine neue Seite des Lebens entdecken.
Gott drängt sich niemandem auf. Wer sich auf ihn einlässt, der wird sein Kind (Johannes 1,12). Als Kinder Gottes wollen wir ihm ähnlich werden und von ihm lernen.
Die letzte Frage, die Jesus Petrus persönlich stellte, war: „Liebst du mich?“ (Johannes 21,15-17). So steht bereits in 5. Mose 6,5: „Du sollst den HERRN, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele und mit deiner ganzen Kraft.“
Gott sucht uns. Zum ersten Menschen sagte er: „Mensch, wo bist du?“ (1.Mose 3,9). Er wünscht sich, dass wir seine Liebe erwidern. Liebe ist keine Frage des Gefühls, sondern eine Entscheidung für einen Menschen oder für Gott.
Gott will geliebt werden, weil er ist. Seine Liebe kann uns nur erreichen, wenn wir uns ihm zuwenden und mit ihm sprechen.
Dazu eine kleine „adoptierte“ Geschichte. Als ein Toggenburger einige gelehrte Männer zu Gast hatte, überraschte er sie mit der Frage: Wo wohnt Gott? Seine Besucher antworteten: „Wie redet ihr! Ist doch die Welt seiner Herrlichkeit voll!“ Er aber beantwortete die eigene Frage: „Gott wohnt, wo man Ihn einlässt.“
Er ist überall dort, wo man ihn nicht aussperrt, dort, wo wir ihm im Denken, Reden und Handeln Raum geben.
Hanspeter Obrist, August 25, ökumenischer Gottesdienst Ebnat-Kappel