Zur Ruhe kommen

In Matthäus 11,29-30 heißt es: Kommt her zu mir, alle ihr Mühseligen und Beladenen, und ich werde euch Ruhe geben. 30 Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir, denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig, und ihr werdet Ruhe finden für eure Seelen.“

Diese Verse fassen das Evangelium, die gute Nachricht von Jesus Christus, in wenigen Worten zusammen. Genauso wie es Johannes macht (Johannes 3,16).

Wen spricht Jesus an? Was sind Mühselige?

Menschen, die sich abmühen, die müde oder ausgepumpt sind. Vielleicht sind es auch Menschen, für die Religion eine Last ist, weil sie den Erwartungen nicht entsprechen.

Im Deutschen hat der Begriff die Bedeutung „voller Mühe, beschwerlich, anstrengend“. Im alten Deutsch gab es auch den Ausdruck müelich.

Das griechische Wort ist kopiao (κοπιάω): arbeiten; sich bemühen; sich mühen. Es wird auch als fleißig der Arbeit ergeben oder mühsam beschrieben.

Als ich die künstliche Intelligenz fragte, erhielt ich die Antwort: In Matthäus 11,28 bedeutet „mühselig“ erschöpft, müde und belastet sein, sowohl körperlich als auch geistig. Es beschreibt eine Situation, in der man sich von den Anstrengungen des Lebens oder von schweren Lasten, die man trägt, ausgelaugt fühlt. „Mühselig“ beschreibt in Matthäus 11,28 eine tiefe Erschöpfung und Belastung, die sowohl körperlicher als auch seelischer Natur sein kann.

Was stellen wir uns unter „Beladene“ vor?

Menschen, die im Gegenwind leben. Menschen, die mit zu vielen Aufgaben überhäuft werden oder zu viele annehmen.

Das griechische Wort dafür ist phortizo (φορτίζω): beladen, belasten.

Ein biblisches Beispiel dafür ist Hiob. In Hiob 3,20 steht: „Warum gibt er dem Mühseligen Licht, und Leben denen, die bitterer Seele sind?“

Das eröffnet uns eine neue Perspektive. Es sind nicht Menschen, die selbstverschuldet leiden, sondern solche, die wie Hiob über ihr Lebensschicksal rätseln.

Ab Vers 25 sagt Hiob: „Ich fürchtete einen Schrecken, und er traf mich, und wovor mir bangte, das kam über mich. 26 Ich hatte noch keine Ruhe und hatte noch keinen Frieden, und ich konnte noch nicht ausruhen – da kam ein Toben.“

Hiob hat alles getan, um mit Gott in Frieden zu leben. Er hat für seine Kinder geopfert, damit es keine Grundlage für ein Unglück gab.

In Hiob 1,5 heißt es: „Und es geschah, wenn die Tage des Gastmahls reihum gegangen waren, da sandte Hiob hin und heiligte sie: Früh am Morgen stand er auf und opferte Brandopfer nach ihrer aller Zahl. Denn Hiob sagte sich: Vielleicht haben meine Söhne gesündigt und in ihrem Herzen Gott geflucht. So machte es Hiob all die Tage nach den Gastmählern.“

Was will Jesus geben?

Luther schreibt: „Ich werde euch erquicken.“ In Psalm 23 heißt es: „Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen Wasser. Er erquickt meine Seele.“

Was stellen wir uns unter „erquicken“ vor?

Erquicken bedeutet „lebendig machen“, „erfrischen“ oder „beleben“. Es ist also nicht nur vom Klang, sondern auch von der Bedeutung her ein besonderes Wort.

In einer anderen Bibelübersetzung steht: „Bei mir erholt ihr euch. … Wenn ihr euch mir anvertraut, dann kommt Ruhe in euer Leben.“

Diese Ruhe ist mehr als eine Auszeit. Sie gibt uns Geborgenheit. Es ist eine Einladung, sich von Jesus tragen zu lassen, mit ihm über die Lasten des Lebens zu sprechen und sie bei ihm abzuladen. So finden wir zur inneren Ruhe und schärfen unseren Blick wieder neu für die vielen Schönheiten des Lebens.

Hiob sagt am Ende eines langen Prozesses: „Ich weiß: Mein Erlöser lebt(Hiob 19,25) und „vom Hörensagen hatte ich von dir gehört, jetzt aber hat mein Auge dich gesehen.“ (Hiob 42,5).

Wie kommen wir zu dieser Ruhe?

„Kommt her zu MIR … ICH werde euch Ruhe geben.“

Friedolin Stier übersetzte, in enger Anlehnung an den griechischen Urtext. Er formuliert diese Worte von Jesu so: „Heran zu mir alle, ihr Mühenden und Überbürdeten: Ich werde euch aufatmen lassen. Ihr werdet Aufatmen finden für euer Leben.“

„Ruhe geben“ meint nicht nur eine kleine Auszeit (Sommerpause). Spannend ist die Aussage, dass wir bei Jesus auftanken können. Er verspricht nicht nur körperliche Ruhe, sondern auch geistige und seelische Erholung durch die Verbindung mit ihm.

Wirkliche Ruhe gibt es da, wo man sich von einer bedingungslosen Liebe getragen weiß. Diese Ruhe können wir nur dann genießen, wenn wir davon überzeugt sind, dass Jesus sich um unseren Geist, unsere Seele und unseren Leib kümmert. Die Aussage Jesu „Kommt zu mir. Ich werde euch Ruhe geben“ ist eine persönliche Einladung, sich mit allem an ihn zu wenden, sich mit seinen Gedanken auseinanderzusetzen und sich von ihm führen zu lassen.

Glaube und Vertrauen sind ein Schlüssel zur inneren Ausgeglichenheit. Wer auf Gott vertraut, weiß zwar, dass es im Leben auch schwere und schmerzvolle Tage geben wird, diese Zeiten durch Gott jedoch auch etwas Positives hervorbringen (Römer 8,28).

Wie kommt man also zur göttlichen Ruhe und Gelassenheit? Sie werden uns durch ein uneingeschränktes Vertrauen in Gott geschenkt. Und dieses Vertrauen wächst, indem wir uns Tag für Tag Gott anvertrauen und ihn einladen, uns seinen guten Weg zu führen.

Mit den Worten „Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid“ wendet sich Jesus an all jene, die unter der Last des Lebens ächzen, sei es aufgrund von Krankheit oder Schmerzen, Trauer um einen verstorbenen Menschen oder Depressionen, schwieriger Beziehungen, Niederlagen oder andere belastende Ereignisse. Mühselig und beladen sind auch jene, denen zu viel Arbeit, Zuständigkeiten oder Verantwortung aufgeladen wurde – oder die sich selbst zu viel aufgeladen haben.

Jesus hatte ein feines Gespür dafür, wie sehr die Lasten des Lebens die Menschen plagen. Er merkte auch, dass solche Lasten Menschen einsam machen und an den Rand der Gesellschaft drängen. Immer wieder wandte er sich gezielt jenen zu, die nicht mehr die Kraft hatten, sich selbst zu verteidigen oder Dinge ins rechte Licht zu rücken.

Zu viele ungelöste Probleme können einem Menschen den Atem nehmen. Jesus sagt: „Atemlose Menschen können zu mir kommen. Bei mir kannst du aufatmen und frei sein. Du musst nicht stark, clever, witzig, unterhaltsam, erfolgreich oder sogar unfehlbar sein. Mit den Worten „Kommet her zu mir, die ihr mühselig und beladen seid“ wendet sich Jesus an die fehlerhaften Menschen. Wenn Jesus „komm“ sagt, dann meint er das auch so. Nimm dir wieder Zeit, um mit Jesus im Gespräch (im Gebet) zu sein. Höre auf seine Worte. Schau auf Jesus und nicht nur auf die eigenen Probleme. Das gibt uns eine neue Perspektive und verwandelt unser Leben.

Jesus will ein Leben in Fülle für alle – und ganz besonders für jene, die in Gefahr sind, von dieser Lebensfülle abgeschnitten zu werden.

Wenn wir uns mühselig und beladen fühlen, wenn wir uns vom Leben abgeschnitten und an den Rand gedrängt fühlen, dann sollten wir uns daran erinnern, dass über unserem Leben diese Zusage Gottes steht: Ich will dich erquicken.“

Bei Jesus kann ich aufatmen und frei sein. Hier gibt es eine Wertschätzung, die nicht dem menschlichen Erfolgsdenken unterworfen ist. Hier muss sich niemand einen Namen machen. Hier muss niemand um sein Ansehen kämpfen. Menschen müssen hier nicht ihr Selbstwertgefühl aufmotzen. Sie sind in den Augen Jesu wertgeschätzt. Das lässt atemlose Menschen aufatmen und frei sein.

Beachten wir, dass es eine persönliche Einladung zu einer Beziehung mit Jesus ist. „Kommt zu MIR“.

Es geht darum, zu Jesus zu kommen, ihn kennen zu lernen, ihn zu lieben und ihm zu folgen. Beim Jünger sein geht es um eine Beziehung, in der man gekannt, gesehen und geliebt wird.

Ich wünsche uns allen eine Sommerzeit, in der wir zur Ruhe kommen. Dadurch können wir unsere Herausforderungen aus der Distanz betrachten und verarbeiten. So fällt es uns leichter, für den nächsten Lebensabschnitt gute Entscheidungen zu treffen.

Eugene Peterson übersetzt die Verse wie folgt: „Bist du müde? Abgenutzt? Ausgebrannt auf Religion? Komm zu mir. Steige mit mir weg und du wirst dein Leben wiedererlangen. Ich zeige Dir, wie man sich wirklich ausruht. Gehe mit mir und arbeite mit mir – beobachte, wie ich es mache. Lerne die ungezwungenen Rhythmen der Gnade.

Meine Lebenskraft bringt Jesus zurück. Wer sich ihm anvertraut, findet in seine Lebensbestimmung „Kind Gottes zu sein“ zurück.

Hanspeter Obrist, Juli 2025

Ich will erzählen von deiner Herrlichkeit

David ermutigt uns in Psalm 145,1-10 Gott anzubeten, ihm zu vertrauen und seine Taten zu verkünden. Hier einige Gedanken zur Umsetzung:

Wir wollen Gott die Stellung geben, die ihm gebührt. Er ist unser König (Vers 1). Wir respektieren seine Worte. Wir wollen ihn täglich rühmen (Vers 2). Über Gottes unausforschliche Grösse können wir nur staunen und ihm danken (Vers 3).  weiterlesen

Gott sei Dank

Danken macht uns frei, Gottes Hilfe und seine Gegenwart neu zu entdecken und zu erleben. Paulus sagt in Kolosser 3,17: Alles, was ihr tut, im Wort oder im Werk, alles tut im Namen des Herrn Jesus, und sagt Gott, dem Vater, Dank durch ihn!“  Danken macht uns frei, Gottes Hilfe und seine Gegenwart neu zu entdecken und zu erleben.  weiterlesen

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