In Offenbarung 6 öffnet das Lamm (Jesus Christus) die Geheimnisse der Weltgeschichte.
Zunächst wird der Siegeszug des weißen Reiters mit einem Bogen dargestellt. In der damaligen Zeit war das weiße Pferd das Reittier des Triumphators. Er ritt in einer eroberten Stadt auf einem weißen Pferd ein. Jesus reitet in Offenbarung 19,11 als Sieger auf einem weißen Pferd. Der Bogen war damals die gefürchtete Waffe der siegreichen Parther aus dem Iran, die das Römische Reich bedrohten (Schlacht von Carrhae 53 v. Chr.). Das Bild des weißen Pferdes symbolisiert den Wunsch, die ganze Welt zu beherrschen und eine neue Weltordnung zu errichten. Als Folge kommen jedoch Krieg, Teuerung und der Tod in die Welt.
Der zweite, rote Reiter nimmt der Erde den Frieden weg. Es fließt viel Blut, weil die Menschen sich gegenseitig abschlachten.
Daraufhin folgt eine Teuerung (schwarzes Pferd), von der die Oberschicht offenbar nicht betroffen ist, da Öl und Wein weiterhin als Luxusgüter konsumiert werden. Während dieser Zeit kostet schon eine Tagesration Essen einen Tageslohn (ein Denar).
All das steigert sich immer weiter, bis schließlich ein Viertel der Erdbevölkerung durch Krieg, Hunger, Krankheit und Tierseuchen umgekommen sind (fahles Pferd). Die Pest 1347–1353 raffte ca. 20 % der damaligen Weltbevölkerung weg.
Es scheint so, als würde sich der Frust an den Menschen, die mit Gott leben, entladen (fünftes Siegel). Christen sind weltweit die am stärksten verfolgte und diskriminierte religiöse Gruppe. Das einzige Gebet, das uns von den Glaubenden im Himmel bekannt ist, drückt etwas von dem aus: „Bis wann, heiliger und wahrhaftiger Herrscher, richtest und rächst du nicht unser Blut an denen, die auf der Erde wohnen?“ (Offenbarung 6,10). Hier offenbart sich die Geduld Gottes, der auf die Umkehr der Menschen wartet und im Gegenzug dazu die Sicht von uns Menschen: Wann hat unser Leiden endlich ein Ende? Wann geschieht Gerechtigkeit?
Die Antwort an Johannes lautet, dass die Zahl noch nicht voll ist (Offenbarung 6,11). Offensichtlich gibt es immer noch Menschen, die bereit sind, die Erlösung durch Jesus anzunehmen und sich auf seine Seite zu stellen, auch wenn es ihr Leben kosten kann. Die Glaubenden erhalten ein weißes Kleid, welches die Gemeinschaft mit Gott ausdrückt.
Beim sechsten Siegel beobachten wir eine ganz andere Reaktion: Die Menschen ziehen sich von Gott zurück. Sie verbergen sich so gut wie möglich vor ihm. Sie suchen sich Schutzräume und wünschen sich eher den Tod, anstatt sich mit Gott auseinanderzusetzen. Es besteht keine Bereitschaft, Verfehlungen einzugestehen und um Gnade zu bitten, obwohl sie um das Lamm wissen (Vers 16).
Das griechische Wort „thanatos“ (θάνατος), das in Offenbarung 6,8 mit „Tod“ wiedergegeben wird, kann auch mit „Krankheit“ oder „Todesgefahr“ (2.Korinther 11,23) übersetzt werden. Es könnten also auch neuartige, tödliche Krankheiten gemeint sein. Der Hades ist das Totenreich.
Das griechische Wort für „Sterne“ in Offenbarung 6,13 ist „aster“ (ἀστερ). Daraus entstand auch das Wort „Asteroid“ (sternähnlich). An dieser Stelle könnte es auch bedeuten, dass alle fliegenden Himmelskörper (Satelliten?) vom Himmel herabfallen. Täglich stürzen ausgediente Satelliten ab und verglühen als Lichtschweif. Hier wäre es, weil sich elementare Bedingungen verändern (Vers 14).
Der Zorn des Lammes in Offenbarung 6,16 passt nicht zum Bild des barmherzigen Gottes. Der Zorn ist die Kehrseite abgelehnter Liebe. Wer die Liebe Gottes nicht annimmt, empfindet Gott als zornig. Wenn man sich gegen jemanden stellt, wird man zum Gegner. Anstatt die rettende Hand zu ergreifen, verbarrikadiert man sich in einem Leben ohne Gott.
Johannes ist nicht der Erste, der Pferde in einer visionären Schau sieht. Auch der Prophet Sacharja hat schon Pferde gesehen (Sacharja 1,8; 6,1-3). Das Pferd ist ein Symbol für Macht und Stärke und zeigt an, dass die ganze Welt betroffen ist.
Spannend ist, dass sich die Not erst ausbreiten darf, wenn Gott es zulässt. Erst auf das „Komm“ hin, wird der nächste Abschnitt eingeleitet. Die Mächte des Verderbens haben klare Schranken.
Die Not in dieser Welt ist die Schmiede für ein erfülltes Leben mit Gott. Noch mehr Menschen erfahren darin ihre Vollendung.
Wenn sich niemand mehr auf Christus einlässt, dann erbebt die Erde. Der Mensch wird erleben was passiert, wenn Gott sich zurückzieht. Würde Gott heute nicht ständig eingreifen, hätten wir Menschen schon längst alles zerstört.
Hier spricht Johannes nicht von einem Blutmond, sondern von einem verdunkelten Mond. Dies ist durch Vulkanausbrüche durch platonische Verschiebungen vorstellbar, die mit ihrer Asche den Himmel verdunkeln.
Das Bild zeigt: Herr dieser Welt ist nicht der Mensch, sondern derjenige, der auf dem Thron sitzt und das Lamm.
Die Öffnung der ersten sechs Siegel
1 Und ich sah, als das Lamm eines von den sieben Siegeln öffnete, und hörte eines von den vier lebendigen Wesen wie mit einer Donnerstimme sagen: Komm!
2 Und ich sah: Und siehe, ein weißes Pferd, und der darauf saß, hatte einen Bogen; und ihm wurde ein Siegeskranz gegeben, und er zog aus, siegend und um zu siegen.
3 Und als es das zweite Siegel öffnete, hörte ich das zweite lebendige Wesen sagen: Komm! 4 Und es zog aus ein anderes, ein feuerrotes Pferd; und dem, der darauf saß, ihm wurde gegeben, den Frieden von der Erde zu nehmen und die Menschen dahin zu bringen, dass sie einander schlachteten; und ihm wurde ein großes Schwert gegeben.
5 Und als es das dritte Siegel öffnete, hörte ich das dritte lebendige Wesen sagen: Komm! Und ich sah: Und siehe, ein schwarzes Pferd, und der darauf saß, hatte eine Waage in seiner Hand. 6 Und ich hörte wie eine Stimme inmitten der vier lebendigen Wesen, die sagte: Ein Maß Weizen für einen Denar und drei Maß Gerste für einen Denar! Und dem Öl und dem Wein füge keinen Schaden zu!
7 Und als es das vierte Siegel öffnete, hörte ich die Stimme des vierten lebendigen Wesens sagen: Komm! 8 Und ich sah: Und siehe, ein fahles Pferd, und der darauf saß, dessen Name ist »Tod«; und der Hades (das Totenreich) folgte ihm. Und ihnen wurde Macht gegeben über den vierten Teil der Erde, zu töten mit dem Schwert und mit Hunger und mit Tod und durch die wilden Tiere der Erde.
9 Und als es das fünfte Siegel öffnete, sah ich unter dem Altar die Seelen derer, die geschlachtet worden waren um des Wortes Gottes und um des Zeugnisses willen, das sie hatten. 10 Und sie riefen mit lauter Stimme und sprachen: Bis wann, heiliger und wahrhaftiger Herrscher, richtest und rächst du nicht unser Blut an denen, die auf der Erde wohnen? 11 Und es wurde ihnen einem jeden ein weißes Gewand gegeben; und es wurde ihnen gesagt, dass sie noch eine kurze Zeit abwarten sollten, bis auch ihre Mitknechte und ihre Brüder vollendet seien, die ebenso wie sie getötet werden sollten.
12 Und ich sah, als es das sechste Siegel öffnete: Und es geschah ein großes Erdbeben; und die Sonne wurde schwarz wie ein härener Sack, und der ganze Mond wurde wie Blut, 13 und die Sterne des Himmels fielen auf die Erde, wie ein Feigenbaum, geschüttelt von einem starken Wind, seine Winterfeigen abwirft. 14 Und der Himmel schwand dahin wie ein Buch, das zusammengerollt wird, und jeder Berg und jede Insel wurden von ihren Stellen gerückt. 15 Und die Könige der Erde und die Großen und die Obersten und die Reichen und die Mächtigen und jeder Sklave und Freie verbargen sich in die Höhlen und in die Felsen der Berge; 16 und sie sagen zu den Bergen und zu den Felsen: Fallt auf uns und verbergt uns vor dem Angesicht dessen, der auf dem Thron sitzt, und vor dem Zorn des Lammes! 17 Denn gekommen ist der große Tag ihres Zorns. Und wer vermag zu bestehen?
Weitere Texte aus der Offenbarung
Die Offenbarung Jesu – 1 28. Februar 2026
Briefe aus dem Himmel – Offenbarung 2 14. März 2026
Weitere Briefe aus dem Himmel – Offenbarung 3 27. März 2026
Ein Blick auf den Thron Gottes – Offenbarung 4 10. April 2026
Wer ist würdig? – Offenbarung 5 25. April 2026
Das Lamm enthüllt die Geheimnisse – Offenbarung 6 6. Mai 2026