Gottes Strategie

Wir haben uns gemeinsam damit beschäftigt, wie die Beziehung zwischen den Menschen und Gott zerbrochen ist und wie Gott uns mit dem Kreuzestod von Jesus die versöhnende Hand entgegenhält.

Eigentlich könnte mit dem Versöhnungswerk alles erledigt sein. Doch die Realität zeigt: Die Veränderung der Menschen erfolgt nicht automatisch, sondern indem sie sich darauf einlassen.

Gott hätte den Sieg Christi in der ganzen Welte auch durch Engel verkünden können. Doch er entschied sich für den Weg mit den Menschen. Ein Mensch, der selbst die Vergebung erfahren hat, soll andere anleiten und begleiten.

Die Erwartungen der Jünger waren groß: Nun, da Jesus auferstanden war, würden sie gemeinsam das Königreich errichten. Doch Jesus wollte dafür keine Zeit festlegen und versprach ihnen die Kraft des Heiligen Geistes, der sie in die ganze Welt führen wird (Apostelgeschichte 1,6-8).

Neu wurde Gottes Gegenwart durch den Heiligen Geist in den Jüngern von Jesus erfahrbar.

Was ist also Gottes Strategie?

Jesus sagte zu seinen Jüngern in Matthäus 28,18-20: „Mir ist alle Macht gegeben im Himmel und auf Erden. 19 Geht nun hin und macht alle Nationen zu Jüngern, und tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, 20 und lehrt sie alles zu bewahren, was ich euch geboten habe! Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis zur Vollendung des Zeitalters.

In der Apostelgeschichte 1,8 heißt es: „Aber ihr werdet Kraft empfangen, wenn der Heilige Geist auf euch gekommen ist; und ihr werdet meine Zeugen sein, sowohl in Jerusalem als auch in ganz Judäa und Samaria und bis an das Ende der Erde.“

In Markus 16,15-16 heißt es: Geht hin in die ganze Welt und predigt das Evangelium der ganzen Schöpfung! 16 Wer gläubig geworden und getauft worden ist, wird gerettet werden; wer aber ungläubig ist, wird verdammt werden.“

Zunächst fällt auf, dass nicht alle nach Jerusalem kommen sollen, sondern die Jünger sollen überall hingehen und die Leute lehren, was Jesus ihnen geboten hat.

Jesus ist überall, wo immer seine Jünger sind.

Jesus möchte sogar, dass überall in erreichbarer Distanz Menschen sind, die von ihm erzählen können.

Die Frage ist, welche Aktivität im Vordergrund steht. Jesus spricht vom „Jünger machen“. Damit ist eigentlich gemeint, dass Menschen ständig von Jesus lernen wollen. Es geht also nicht um eine einmalige Proklamation, sondern darum, dass wir uns vom Heiligen Geist verändern lassen und unsere Sehnsucht nach Gemeinschaft mit Gott wächst.

In Matthäus 9,36-38 heißt es von Jesus: „Als er aber die Volksmengen sah, wurde er innerlich bewegt über sie, weil sie erschöpft und verschmachtet waren wie Schafe, die keinen Hirten haben. 37 Dann spricht er zu seinen Jüngern: Die Ernte zwar ist groß, die Arbeiter aber sind wenige. 38 Bittet nun den Herrn der Ernte, dass er Arbeiter aussendet in seine Ernte!“

Jesus will diejenigen ansprechen, die sich nach einem Hirten sehnen. Menschen, die sich nicht mehr stolz gegen Gott auflehnen. Gott weiß, wo diese Menschen sind, und er will uns mit ihnen verbinden.

Jesus sagt in der Synagoge von Kapernaum sogar: Niemand kann zu mir kommen, wenn nicht der Vater, der mich gesandt hat, ihn zieht; und ich werde ihn auferwecken am letzten Tag“ (Johannes 6,44). In der Apostelgeschichte steht immer wieder: Gott tat hinzu.

Gemeinden sind also ein Ort der Begegnung, an den Gott Menschen hinschicken kann und ein Ort, an dem Menschen erfahren, was Jesus auf dem Herzen liegt.

Manchmal kann man lange mit Menschen über den Glauben diskutieren. Doch wenn sie die Gemeinschaft erleben, Menschen die füreinander da sind, ist das eine ganz andere Liga.

Jesus sagt in Johannes 13,34-35: „Ein neues Gebot gebe ich euch, dass ihr einander liebt, damit, wie ich euch geliebt habe, auch ihr einander liebt. 35 Daran werden alle erkennen, dass ihr meine Jünger seid, wenn ihr Liebe untereinander habt.“

Wir ermutigen also Menschen, Teil von unserer Gemeinschaft mit Jesus und untereinander zu werden. Denn aus dieser Gemeinschaft entsteht Kraft für das Leben und Sterben.

Es ist eine Gemeinschaft, die auch offene Fragen und Schwierigkeiten aushält.

„Ihr werdet meine Kraft empfangen und meine Märtyrer sein“, heißt es wörtlich in Apostelgeschichte 1,8. Gemeinde ist nicht „Friede, Freude, Eierkuchen“, sondern ein wohlwollendes Miteinander.

Spannend ist auch die Umkehrung in Hebräer 10,24-25: „Und lasst uns aufeinander achthaben, um uns zur Liebe und zu guten Werken anzureizen, 25 indem wir unser Zusammenkommen nicht versäumen, wie es bei einigen Sitte ist, sondern einander ermuntern, und das umso mehr, je mehr ihr den Tag herannahen seht!“

Wir sollen einander ermuntern. Es geht also nicht darum, was die Gemeinschaft mir bringt, sondern wie wir einander ermutigen können. Es geht um einen liebevollen Umgang miteinander, bei dem man sich gegenseitig respektiert und füreinander da ist. Es wird mit- und füreinander gebetet und Not gemeinsam ausgehalten.

Paulus beschreibt unsere Aufgabe in 2.Korinther 5,20 so: „So sind wir nun Gesandte an Christi statt, indem Gott gleichsam durch uns ermahnt; wir bitten für Christus: Lasst euch versöhnen mit Gott!“

In den letzten Jahren wurde viel von Gemeindebau gesprochen. Doch Gemeinden sind keine Unternehmen mit Automatismen. Was an einem Ort zu funktionieren scheint, lässt sich nicht auf einen anderen Ort übertragen.

Jesus hat auch nicht von Strategien gesprochen. Er hat allein davon gesprochen, dass wir durch unsere Gegenwart Salz und Licht sind und dass wir unser Licht nicht verbergen sollen. Wenn wir offen sind, merken wir, wann und wo jemand angesprochen werden soll. Doch niemand wird bedroht oder zu etwas gezwungen. Man instrumentalisiert und manipuliert andere auch nicht.

Durch die Jahrhunderte wurde vieles unterschiedlich verstanden. So war man beispielsweise der Meinung, dass, wenn jemand einmal getauft wurde, alles paletti ist.

Johannes Calvin sprach von der Vorherbestimmung. Dadurch entstand der Eindruck, als hätten wir gar nichts mehr beizutragen oder anzunehmen.

Andere betonten unsere Entscheidung, als ob wir das Heil zur gewünschten Zeit selbst erwirken könnten.

Die Wahrheit liegt irgendwo dazwischen: Wenn Gott uns anspricht, haben wir die Freiheit, unser Ja zu geben. Mit jedem Ablehnen, verhärtet sich unser Herz, bis Gott und sein Wort uns nicht mehr berühren.

Spannend ist für mich die Beobachtung, dass Menschen, die an die doppelte Erwählung glauben, oft viel freier von Jesus sprechen. Einer erklärte mir das so: „Es ist, als würde ich einen Autoschlüssel erhalten und damit auf den Parkplatz gehen. Wenn ich auf den Türöffner drücke, meldet sich das Auto, das zu meinem Schlüssel gehört.

Menschen, die eher auf die machbare Seite tendieren, möchten unbedingt bei jedem Gottesdienst eine Reaktion sehen. Da wird manch einer zu einer geistlichen Frühgeburt gedrängt, obwohl er dazu noch gar nicht bereit ist. Manche solcher Frühgeburten überleben geistlich nicht und bleiben frustriert auf der Strecke.

Glaube ist nicht nur ein Statement, Glaube ist ein Prozess. Man will ein Leben lang von Jesus lernen. Deshalb setzt man sich mit der Bibel auseinander und tauscht sich mit anderen Christen aus.

Als Schüler von Jesus sind wir Übersetzer für Menschen, die noch nicht so viel Erfahrungen mit Gott gemacht haben. Wenn wir im Gebet Gott signalisieren, dass wir bereit sind, andere auf ihrem Weg mit Gott zu ermutigen, öffnen sich uns Türen.

Jesus spricht davon, dass wir Hirten brauchen, um selbst Hirten in unserem Umfeld zu werden. Ein Hirte sorgt für die passende Ernährung (Inspiration).

Manchmal hilft es auch, sich einfach bewusst zu werden, dass Menschen eigentlich darauf warten, dass jemand sie auf ihrem Weg zu Gott ermutigt.

Wir möchten nun gemeinsam einen Videoausschnitt schauen, in dem eine Person von den Erfahrungen mit Gott berichtet. https://youtu.be/R3Cuv5eJdpE (bis 18:40).

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