Jesus nutzt die Chance von Chanukka

Das jüdische Lichterfest

Darf und soll man Weihnachten feiern? Weihnachten gehört schließlich nicht zu den von Gott gebotenen Festen. Wir kennen auch das genaue Geburtsdatum von Jesus nicht und Geburtstagsfeiern werden in der Bibel negativ dargestellt. Das sehen wir beim Bäcker des Pharaos (1.Mose 40,20-22) und bei Johannes dem Täufer, der am Geburtstagsfest hingerichtet wurde (Matthäus 14,6-8). Jeremia sagt sogar: Verflucht sei der Tag, an dem ich geboren bin; der Tag soll ungesegnet sein, an dem mich meine Mutter geboren hat!“ (Jeremia 20,14). Diese Aussage ist jedoch keine Lehraussage, sondern ein Ausdruck des Frustes, den Jeremia aufgrund des Widerstands erlebte.

Es gibt eine spannende Beobachtung. Juden feiern auch ein Lichterfest: Chanukka. Dieses Fest wird in der Bibel nicht geboten und trotzdem nimmt Jesus die Themen dieses Festes auf und nutzt sie, um die gute Nachricht zu erzählen.

Entscheidend ist also, ob wir ein Fest mit oder ohne Jesus feiern. Wir können Weihnachten entweder ohne Jesus feiern oder es als Anlass nehmen, um von der guten Nachricht zu erzählen. Von der Tatsache, dass Gott uns Menschen so sehr liebt, dass er selbst als Licht der Welt gekommen ist, um uns einen Zugang zum himmlischen Vater zu ermöglichen.

In Apostelgeschichte 26,18 bezeugt Paulus Agrippa II., dass Jesus ihm gesagt hat: Ich sende dich, um „ihre Augen zu öffnen, dass sie sich bekehren von der Finsternis zum Licht und von der Macht des Satans zu Gott, damit sie Vergebung der Sünden empfangen und … geheiligt sind.“ (Vers 20: indem sie der Buße würdige Werke vollbringen).

Worum geht es bei Chanukka?

Der Ursprung des Chanukka-Festes liegt in der Geschichte Israels im 2. Jahrhundert vor Christus. Im Jahr 198 v. Chr. kam Israel unter die Herrschaft der Seleukiden, nachdem es zuvor zum Ptolemäerreich (Hauptstadt Alexandria in Ägypten) gehört hatte. Im griechisch-seleukidischen Reich herrschte die Idee vor, dass alle Menschen durch eine einzige Religion verbunden sein sollten. Dem widersetzte sich ein Teil der Juden.

Die seleukidischen Herrscher verboten unter Androhung der Todesstrafe das Leben nach den Regeln von Mose. Sogar die Zehn Gebote wurden für ungültig erklärt. Torahrollen wurden öffentlich verbrannt. Die jüdischen Feste durften nicht mehr gefeiert, der Schabbat nicht mehr gehalten und die Opfer im Tempel nicht mehr dargebracht werden. Selbst die Beschneidung wurde verboten. Der Höhepunkt der Unterdrückung war erreicht, als Antiochus IV. im jüdischen Tempel in Jerusalem einen Zeusaltar errichten ließ, Schweine opferte und ungestraft in das Allerheiligste des Tempels eindrang. Dies geschah am 25. Kislew 167 v. Chr. und wurde zum Anlass des Aufstandes der Juden.

Aufstand und Wiederherstellung des Tempeldienstes

Unter der Führung von Judas Makkabäus wurde die vielfache Übermacht des seleukidischen Militärs geschlagen und das Land der Juden von den Feinden befreit. Am 25. Kislew 164 v. Chr., drei Jahre nach der Schändung des Tempels, wurde das Fest der Einweihung des gereinigten Tempels gefeiert: Chanukka. Acht Tage dauerte das Fest (2. Makkabäer 10,1-8). Der Höhepunkt war das Neuanzünden des goldenen, siebenarmigen Leuchters im Tempel (Menora). Laut dem Talmud fand man bei der Reinigung des Tempels nur noch einen Krug mit Öl, der von den Nichtjuden unberührt geblieben war. Man erwartete, dass sein Inhalt nur für einen Tag ausreichen würde. Dann geschah ein Wunder: Die sieben Lichtschalen des Leuchters im Tempel brannten mit dem Öl des kleinen Kruges während der ganzen acht Tage des Festes, bis neues Öl nach den Vorschriften hergestellt war. Das Tempelweihfest war eine nachgeholte Sukkotfeier.

Der Chanukka-Leuchter

Der Chanukka-Leuchter besteht aus acht Armen, entsprechend der acht Tage, die das Fest dauert. Jeden Tag wird ein weiteres Licht angezündet. In der Mitte brennt als neuntes Licht die Dienerkerze, die dazu dient, die anderen Lichter anzuzünden. Der Chanukkaleuchter wird immer an einem erhöhten Platz im Haus, im Fenster oder beim Eingang, aufgestellt. Der Leuchter soll für alle sichtbar sein.

Im Gegensatz dazu wird ein brennender siebenarmiger Leuchter (Menora), wie er in den normalen Gottesdiensten der Reformsynagoge verwendet wird, von orthodoxen Juden abgelehnt. Erst in den Tagen des messianischen Heils, wenn der Tempel wieder errichtet und eingeweiht ist, wird die siebenarmige Menora an ihrem vorgesehenen Platz im Tempel in Jerusalem wieder leuchten.

Messiashoffnung

Die Siege der Makkabäer wurden zum Symbol für den Selbstbehauptungswillen des jüdischen Volkes, das inmitten einer feindlichen Welt um sein Überleben kämpfen muss. Viele Juden sahen in Judas Makkabäus den von Israel erhofften Messias, der Israel in die Zeit der Erfüllung des messianischen Zeitalters führen würde. Diese Hoffnung wurde enttäuscht. Bereits einige Generationen später war es mit der von den Makkabäern erkämpften Freiheit für die Juden vorbei. 63 v. Chr. kamen die Römer und 243 Jahre nach dem ersten Chanukka-Fest wurde das Licht der Menora im Tempel erneut ausgelöscht, als Jerusalem und auch der Tempel im Jahre 70 n. Chr. zerstört wurden. Die Menora wurde von den Römern als Trophäe nach Rom gebracht, wie wir es auf dem Titusbogen sehen können.

Chanukka und Weihnachten

Die Tage von Chanukka fallen in die Adventszeit der Christen. Einige sehen in der Tradition des Lichteranzündens eine Verbindung zu Chanukka, was jedoch umstritten ist. Zu Chanukka erhalten die Kinder Süßigkeiten. Ein Kreisel gehört ebenfalls zur jüdischen Tradition. Jede Seite des „Dreidels“ zeigt einen anderen hebräischen Buchstaben. Sie bedeuten „Nes gadol haja scham oder po“. Auf Deutsch: ‚Ein großes Wunder geschah dort oder hier‘. Heute ist er meist mit Süßigkeiten gefüllt. Zu Chanukka gehört auch der Verzehr von Speisen, die im Öl gebacken wurden, wie zum Beispiel Kartoffelpuffer (Latkes oder Levivot) mit Apfelmus und saurer Sahne. Beliebt sind auch die Sufganiot (süße, mit Marmelade gefüllte Krapfen oder Berliner).

Jesus beim Chanukkafest

Nach Johannes 10,22 lehrte Jesus anlässlich des Chanukkafestes (auch Tempelweihfest genannt) im Tempel. In Johannes 10,24 wird Jesus gefragt: „Wenn du der Christus bist, so sage es uns frei heraus.“ Zu dieser Frage kam es, weil Jesus zuvor (in Kapitel 9) einen Blindgebornen geheilt hatte (Johannes 10,21). Und auch wegen den Aussagen Jesu: „Ich bin das Licht der Welt“ (Johannes 8,12 / 9,5) und „Ich bin der gute Hirte“ (Johannes 10,11).

Aus dem Zusammenhang wird ersichtlich, dass das Gespräch bereits in Johannes 8,12 begonnen hatte. In diesen Gesprächen ging es um die Messiasfrage und darum, in welchem Auftrag Jesus handelte.

Jesus selbst bezeichnete sich als das Licht der Welt (Johannes 8,12). Damit nahm er am jüdischen Lichterfest Bezug auf Jesaja 42,6-7: „Ich, der HERR, … mache dich …, zum Licht der Nationen, 7 blinde Augen aufzutun, um Gefangene aus dem Kerker herauszuführen …, die in der Finsternis sitzen.“

Jesus bezeichnet sich als „der gute Hirte“ (Johannes 10,11). Damit verweist er auf Hesekiel 34,15, wo Gott verspricht, selbst als Hirte für seine Schafe zu sorgen.

Zusätzlich heilt er einen Blinden, wie es in Jesaja 42 prophezeit wurde. Damit proklamiert Jesus sich mit Wort und Tat als der verheißene jüdische Messias, der mit Gott eins ist.

Wie die Dienerkerze am Chanukka-Leuchter, die anderen Kerzen entzündet, so werden Menschen aus allen Völkern durch Jesus „angezündet“, indem sie erkennen, dass er der verheißene jüdische Messias ist.

Was nehmen wir mit?

Man kann unterschiedliche Feste zum Anlass nehmen, um Gott in den Mittelpunkt zu stellen.

Der jüdische Chanukkaleuchter wird nicht irgendwo versteckt im Haus aufgestellt, sondern am Fenster oder beim Eingang. Auch wir dürfen unser Licht sichtbar werden lassen.

Die drei Eckpfeiler von Chanukka sind: Licht, Wunder und Öl. Jesus bezeichnet sich als Messias (Öl / der Gesalbte) indem er bezeugt, dass er das verheißene Licht ist (Johannes 8,12) und indem er einen Blindgebornen heilt, was als ein göttliches Schöpfungswunder gilt, da der Betroffene von Geburt an kein Augenlicht hatte.

Jesus greift somit alle drei Themen des Chanukka-Festes auf, und er bezeichnet sich als Licht der Welt.

Als Zacharias, der jüdische Priester, bei der Beschneidung und Namensgebung von seinem Sohn Johannes dem Täufer wieder die Stimme zurück erhielt, beschrieb er die Bestimmung der beiden Kinder (ab Lukas 1,76). Johannes ist der Wegbereiter für das göttliche Licht, das die Menschen im Dunkeln besucht, um sie auf den Weg des Friedens zu lenken.

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