
Die Taufe des Johannes war ein jüdisches Reinigungsritual, das die Umkehr zu Gott ausdrückte. Mit der Taufe gaben die Menschen zum Ausdruck, dass sie ihre Wege ohne Gott bereuten und nun mit ihm leben wollten. Sie waren bereit, den Messias zu empfangen.
So heißt es in Markus 1,4–5: „4 Johannes trat auf und taufte in der Wüste und predigte die Taufe der Buße zur Vergebung der Sünden. 5 Und es ging zu ihm hinaus das ganze jüdische Land und alle Einwohner Jerusalems, und sie wurden im Jordanfluss von ihm getauft, indem sie ihre Sünden (Verfehlungen) bekannten.“
Wenn Jesus ohne Sünde war, wieso kam er zu Johannes, um sich taufen zu lassen?
In Matthäus 4 heißt es: „13 Dann kommt Jesus aus Galiläa an den Jordan zu Johannes, um sich von ihm taufen zu lassen. 14 Johannes aber wehrte ihm und sprach: Ich habe nötig, von dir getauft zu werden. Und du kommst zu mir? 15 Jesus aber antwortete und sprach zu ihm: Lass es jetzt so sein! Denn so gehört es sich für uns, alle Gerechtigkeit zu erfüllen. Da lässt er ihn.“ (Matthäus 3,13–15).
Es geht also darum, den Willen des himmlischen Vaters umzusetzen. Dabei geht es nicht um eine Reinigung, sondern um eine Einigung.
In Hebräer 4,15 heißt es: „Denn wir haben nicht einen Hohen Priester, der nicht Mitleid haben könnte mit unseren Schwachheiten, sondern der in allem in gleicher Weise wie wir versucht worden ist, doch ohne Sünde.“
Jesus nimmt den Auftrag an, die Sünden der Welt zu tragen. Später sagt Johannes zu seinen Jüngern: „Siehe, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt wegnimmt! 30 Dieser ist es, von dem ich sagte: Nach mir kommt ein Mann, der vor mir ist, denn er war eher als ich. 31 Und ich kannte ihn nicht; aber damit er Israel offenbar wird, deswegen bin ich gekommen, mit Wasser zu taufen“ (Johannes1,29–31).
Jesus soll offenbar werden. Das ist der zweite Grund, den uns Johannes nennt. Die Taufe markiert den Übergang von seinem ruhigen Leben als Bauarbeiter zu seinem öffentlichen Auftreten als der von Gott gesandte Messias.
Spannend ist, dass Johannes ihn nicht kannte, obwohl er ein Verwandter war (Lukas 1,36). Johannes musste schon früh in seinem Leben in die Wüste gegangen sein (Lukas 1,80). Einige vermuten, dass er in Qumran am Toten Meer zu den Essenern zur Schule ging. Dort hatte Johannes Zugang zu allen biblischen Büchern. Durch das Studium der Schriften erkannte er durch den Heiligen Geist, was vom Messias verheißen ist. Gottes Geist öffnet auch uns das Verständnis für die biblischen Zusammenhänge.
Johannes hatte tiefe Erkenntnisse über geistliche Dinge und erlebte persönliche Gottesoffenbarungen. Er sagt über Jesus: „Nach mir kommt ein Mann, der vor mir ist, denn er war eher als ich“ (Johannes 1,30). Johannes ist sechs Monate älter als Jesus (Lukas 1,36) und er sagte, Jesus habe schon lange vor ihm existiert. Aus menschlicher Sicht ist das eine erstaunliche Aussage. Jesus hat schon immer existiert (Johannes 8,58) und ist durch seine Geburt für einige Jahre Mensch geworden.
Die Taufe des Johannes mit Wasser war also ein Ritualbad mit der Bitte um Reinigung und einen Neubeginn. Johannes wollte den Menschen die Augen für den Messias öffnen und ein Bewusstsein für die Notwendigkeit der Versöhnung mit Gott wecken – eine bis heute aktuelle Aufgabe.
Weiter heißt es in Lukas 3,21–22: „21 Es geschah aber, als das ganze Volk getauft wurde und Jesus getauft war und betete, dass der Himmel geöffnet wurde 22 und der Heilige Geist in leiblicher Gestalt wie eine Taube auf ihn herabstieg und eine Stimme aus dem Himmel kam: Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen gefunden.“
Das Erste, was Jesus nach der Taufe auf dem Herzen hat, ist zu beten. Dann öffnet sich der Himmel. Der dreieinige Gott offenbart sich. Der Vater spricht zu seinem Sohn und stärkt ihn durch den Heiligen Geist. Auch unsere Gebete sind ein Ausdruck der Gemeinschaft mit Gott und öffnen immer wieder den Himmel, sodass wir Gottes Realität neu sehen und erfahren.
Im Bericht von der Taufe Jesu spricht nicht mehr eine andere Person, sondern Gott selbst. Niemand soll zweifeln: Jesus ist der Sohn Gottes.
Diese Himmelsstimme muss sehr beeindruckend gewesen sein. Kurz vor dem Abschluss der öffentlichen Wirksamkeit Jesu, in Johannes 12,27–29, ist erneut eine Himmelstimme zu hören. Dort heißt es: „27 Jetzt ist meine Seele bestürzt. Und was soll ich sagen? Vater, rette mich aus dieser Stunde? Doch darum bin ich in diese Stunde gekommen. 28 Vater, verherrliche deinen Namen! Da kam eine Stimme aus dem Himmel: Ich habe ihn verherrlicht und werde ihn auch wieder verherrlichen. 29 Die Volksmenge nun, die dastand und zuhörte, sagte, es habe gedonnert; andere sagten: Ein Engel hat mit ihm geredet.“
Der himmlische Vater setzt seinen Sohn in den Dienst ein, indem Jesus sich mit uns Menschen solidarisiert. Er verlangt von uns nicht, was er nicht selbst getan hat.
Die Taufe gehört zum Leben von Jesus. Nach dem Empfang des Heiligen Geistes an Pfingsten war es allen klar, dass man mit einer Taufe zum Ausdruck bringt: Ich will mein Leben mit Jesus teilen, wir halten zusammen und sind füreinander da. Bei der Bekehrung entscheiden wir uns für Jesus. Durch die Taufe besiegeln wir die Lebensgemeinschaft, die nie mehr aufgelöst werden soll.
In allem handelt Gott. Wir brauchen Gott, der uns entgegenkommt, der uns an der Hand nimmt und mitgeht und mitträgt.
Was nehmen wir mit? Die Taufe ist ein Gehorsamsschritt und ein öffentliches Zeichen, dass wir unser Leben mit Jesus verbringen wollen. In der Taufe bekennt sich auch Gott zu uns: Du bist mein geliebtes Kind.
Am Schluss seiner Wirksamkeit auf der Erde sagt Jesus in Matthäus 28,18–20 zu seinen Jüngern: „Mir ist alle Macht gegeben im Himmel und auf Erden. 19 Geht nun hin und macht alle Nationen zu Jüngern, und tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, 20 und lehrt sie alles zu bewahren, was ich euch geboten habe! Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis zur Vollendung des Zeitalters.“