Heilung bedeutet nicht Heil

Die Begegnung von Jesus mit einem Kranken am Teich Betesda in Jerusalem zeigt, dass Heilung nicht automatisch Heil (Errettung) bedeutet und in eine Beziehung zum Heiland (Retter) führt.

Betesda (Beth Chesda) bedeutet „Haus der Gnade”. Die Anlage besteht aus großen, offenen Zisternen mit mehreren Säulenhallen und liegt nördlich des Tempelplatzes. Es ist ein Ort, an dem es nicht so heiß ist und an dem man Leute trifft, die Wasser holen oder etwas waschen wollen. Hier sitzen auch Bettler, die sich von den Besuchern etwas erhoffen. Durch ein Kanalsystem gibt es verschiedene Becken mit unterschiedlicher Wasserqualität. Das Schaftor zeigt an, dass das Wasser dieses Beckens auch zur Reinigung der für den Tempeldienst gebrauchten Schafe dient. Da ein Fest stattfindet, herrscht hier Hochbetrieb.

Johannes 5,1-18: 1 Danach war ein Fest der Juden, und Jesus ging hinauf nach Jerusalem. 2 Es ist aber in Jerusalem bei dem Schaftor ein Teich, der auf Hebräisch Betesda genannt wird, der fünf Säulenhallen hat. 

3-4 In diesen lag eine Menge Kranker, Blinder, Lahmer, Dürrer. 5 Es war aber ein Mensch dort, der achtunddreißig Jahre mit seiner Krankheit behaftet war.

6 Als Jesus diesen daliegen sah und wusste, dass es schon lange Zeit so mit ihm steht, spricht er zu ihm: Willst du gesund werden? 7 Der Kranke antwortete ihm: Herr, ich habe keinen Menschen, dass er mich, wenn das Wasser bewegt worden ist, in den Teich wirft; während ich aber komme, steigt ein anderer vor mir hinab. 

Da gibt es also eine große Zisternenanlage nördlich des Tempelplatzes in Jerusalem. Dieses Wasser wurde zur Reinigung verwendet. Eine Quelle mit frischem Wasser befand sich weiter unten in Jerusalem.

Es entstand der Glaube, dass der erste Mensch, der ins Wasser steigt, geheilt wird, wenn sich das Wasser bewegt. Das war jedoch für diesen Mann keine Option, da er nicht gehen konnte.

8 Jesus spricht zu ihm: Steh auf, nimm dein Bett auf und geh umher! 9 Und sofort wurde der Mensch gesund und nahm sein Bett auf und ging umher. Es war aber an jenem Tag Sabbat.

10 Es sagten nun die Juden zu dem Geheilten: Es ist Sabbat, es ist dir nicht erlaubt, das Bett zu tragen. 11 Er antwortete ihnen: Der mich gesund machte, der sagte zu mir: Nimm dein Bett auf und geh umher. 12 Sie fragten ihn: Wer ist der Mensch, der zu dir sagte: Nimm dein Bett auf und geh umher? 13 Der Geheilte aber wusste nicht, wer es war; denn Jesus hatte sich entfernt, weil eine Volksmenge an dem Ort war. 

14 Danach findet Jesus ihn im Tempel, und er sprach zu ihm: Siehe, du bist gesund geworden. Sündige nicht mehr, damit dir nichts Ärgeres widerfährt!

15 Der Mensch ging hin und verkündete den Juden, dass es Jesus war, der ihn gesund gemacht hatte. 16 Und darum verfolgten die Juden Jesus, weil er dies am Sabbat getan hatte. 17 Jesus aber antwortete ihnen: Mein Vater wirkt bis jetzt, und ich wirke. 18 Darum nun suchten die Juden noch mehr, ihn zu töten, weil er nicht allein den Sabbat aufhob, sondern auch Gott seinen eigenen Vater nannte und sich so selbst Gott gleich machte.

Bei der Erklärung dieser Geschichte liegt der Fokus meist auf der Frage: „Willst du gesund werden?“ (Vers 6). Wenn ja, dann heilt dich Jesus. Spannend ist, dass Jesus nie gegen den Willen eines Menschen handelt. Doch diese Geschichte enthält auch kontroverse Aussagen.

Als einzigen Grund für die Heilung dieses Mannes nennt die Bibel das Erbarmen (Chesed) Jesu mit einem Menschen, der seit 38 Jahren auf Heilung wartet.

Der Mann glaubt an ein System, das für ihn unerreichbar ist. Es ist ein System, in dem nur der Starke gewinnt. Wenn wir nicht auf Gottes Erbarmen bauen, wird auch unser Glaube ein System für starke Menschen.

Warum stehen hier 38 Jahre? In 5.Mose 2,14 steht, dass die Israeliten 38 Jahre in der Wüste warten mussten, bis die Menschen gestorben waren, die nicht glaubten, dass Gott sie ins verheißene Land bringen kann. Hier heilt Jesus einen Kranken, der wie die Israeliten in der Wüste, 38 Jahre auf seine Rettung gewartet hat. Damit sagt Jesus: „Ich bin der, der euch ins verheißene Reich Gottes führt. Das Warten ist vorbei.“

Diese Heilung ist ein Bild für die unverdiente Gnade und des souveränen Handeln Gottes. Am Teich warten viele Kranke, doch Jesus heilt nur einen. Dieser Mann glaubt nicht einmal, dass Jesus der Messias und Retter ist. Auch nach der Heilung kommt er nicht zum Glauben. Ihm ist seine Gesundheit wichtiger als die Frage, wer ihn geheilt hat.

Manche interessieren sich für den Glauben nur so lange, bis es ihnen wieder besser geht.

Als der Mann Schwierigkeiten bekommt, weil er am Schabbat sein Bett trägt, hinterfragt der Geheilte nicht das Glaubens-System, sondern rechtfertigt sich, indem er die Schuld auf den schiebt, der ihn geheilt hat.

Dieses Muster ist in seinem Leben nicht neu. Schon zuvor hat er die Ursache seiner Lebensmisere bei anderen Menschen gesucht, weil sie ihm nicht geholfen haben.

Er fragt Jesus auch nicht: „Kannst du mir helfen?“ Ganz unerwartet fordert Jesus ihn auf: „Steh auf, nimm deine Liege und geh!“ Das steht im totalen Gegensatz zu den Erwartungen dieses Mannes. Gott handelt manchmal anders, als wir es erwarten – manchmal auch, ohne dass wir ihn darum bitten.

Im Tempel sagt Jesus zu ihm, dass nicht die Heilung das Wesentliche ist, sondern ob er sich auf Gott ausrichtet. Es kommt darauf an, ob er seine von Gott gegebene Bestimmung lebt und nicht am Ziel vorbeischießt (Sünde).

Statt sich Jesus anzuvertrauen, zeigt der Mann ihn bei der Sittenpolizei an. Der Mann wird auch nicht beim Namen genannt. Das zeigt, dass er auch nicht Teil der späteren Gemeinde war.

Die Schriftgelehrten verurteilen und beschuldigen Jesus, weil er sich nicht an ihre Gesetze hält. Im Text werden sie schlicht „die Juden” genannt, wobei sich dies im Textzusammenhang mit dem Schabbatgebot auf die geistliche Elite, die Sittenwächter des jüdischen Volkes, bezieht.

Im Talmud steht: „Wenn Israel nur zweimal den Schabbat richtig einhalten würde, würden sie sofort erlöst werden“ (Schabbath 118b). Jesus handelt nicht so, wie es die Pharisäer von einem Messias erwarten. Sie interessieren sich nicht für das göttliche Wunderzeichen, sondern nur für ihre Glaubensprinzipien.

Jesus entgegnet, dass er nur tut, was sein Vater im Himmel auch tut. Denn Gott rettet jeden Tag durch seine Gnade (Chesed). Es gibt keinen Tag, an dem Gott nicht befreien würde. Diese Geschichte zeigt uns: Er hilft sogar Menschen, die ihm dafür nicht danken oder ihn anerkennen.

In der Bergpredigt sagt Jesus: „Er lässt seine Sonne aufgehen über Böse und Gute und lässt regnen über Gerechte und Ungerechte“ (Matthäus 5,45). In Lukas 14,5 fragt er: „Wer unter euch, dessen Sohn oder Ochse in einen Brunnen fällt, zieht ihn nicht sogleich heraus am Tag des Sabbats?“

Mit dem Ausdruck „Mein Vater wirkt bis jetzt“ hinterfragt er die Autorität der Schriftgelehrten, die Abraham als ihren Vater bekannten (Johannes 8,39). Jesus bekennt sich dazu, dass er in der Autorität Gottes handelt. Für die Schriftgelehrten ist das zu viel, denn es bedeutet, dass Jesus sich auf die gleiche Stufe mit Gott stellt und zugleich ihre Schabbatregeln ignoriert.

Ganz nebenbei wird noch gesagt, dass Gott immer wirkt. Sonst wären wir schon längst untergegangen.

Der Geheilte vom Teich Betesda ist ein Beispiel für alle Menschen, die auf ein falsches System setzen. Es ist ein Glaube, in dem der Starke siegt; ein Glaube, in dem man nicht vom Erbarmen Gottes lebt.

Jesus hilft, weil jemand ist und nicht, weil es jemand verdient oder dadurch errettet wird. Heilung ist auch heute noch eine Manifestation von Gottes souveräner Gnade und keine Belohnung für den „richtigen“ Glauben.

Gott manifestiert seine Gnade auch im körperlichen Leiden. So sagt er zu Paulus: „Meine Gnade genügt dir; denn die Kraft wird in der Schwachheit vollendet.“ (2.Korinther 12,9 / 2.Korinther 1,3-11).

Glaube wächst nicht durch Wunder und Heilungen, sondern durch das Vertrauen auf Gott, wenn alles anders läuft, als wir es erwarten – wie bei Abraham.

Gerade in schwierigen Zeiten lernen wir Mitgefühl, erleben Gottes Gegenwart und seine fürsorgliche Liebe. Gottes Liebe offenbart sich sogar im Himmel als Lamm Gottes (Offenbarung 22,1). Es ist ein Mehrwert, mit Gott Dinge auszuhalten.

Das primäre Problem der Menschen sind nicht Krankheiten, sondern ihre Entscheidung, sich nicht auf Gott auszurichten (Sünde) und ihm zu vertrauen.

Deshalb fordert Jesus den Mann auf: „Verfehle nicht die göttliche Bestimmung für dein Leben, damit dir nichts Ärgeres widerfährt, als 38 Jahre lang auf ein System zu vertrauen, das dir nicht geholfen hat!“

Weitere Begegnungen mit Jesus

Jesus der Durstlöscher  Ausgerechnet eine verstoßene Frau öffnet dem Dorf den Zugang zum Retter und Messias.
Die innere, nicht versiegende Quelle ist die Anbetungshaltung zum himmlischen Vater und seinem Sohn.  https://vivakirche-ebnat-kappel.ch/jesus-der-durstloescher/

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Peinlichkeit beim frommen Simon Die Begegnung von Jesus mit einer Frau im Haus des Pharisäers Simon ist voller Gegensätze (Lukas 7,36–50). Es ist Simon peinlich, dass eine Frau, deren Leben völlig daneben ist (Sünde = Zielverfehlung), ungebeten in sein frommes Haus kommt. Jesus stellt unsere Würde wieder her und sagt: Deine Sünden sind vergeben. Geh hin in Frieden!“  https://vivakirche-ebnat-kappel.ch/peinlichkeit-beim-frommen-simon/

Das Credo von Martas Schwester Jesus wird von Marta in ihr Haus eingeladen. Doch bald ärgert sich Marta, da ihre Schwester Maria nicht bei der Bewirtung der Gäste hilft, sondern Jesus zu Füßen sitzt. Es geht darum, dass wir mit ganzem Herzen im Jetzt und mit Jesus verbunden sind. https://vivakirche-ebnat-kappel.ch/das-credo-von-martas-schwester

 

 

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