Rosch haSchana und Jom Kippur

In der Vorankündigung hieß es: Gemäß 3.Mose 23,24 soll Israel am ersten Tag des siebten Monats (= Tischri) den Tag des Schofarblasens feiern. Mit Rosch haSchana (dem jüdischen Neujahrsfest) beginnen zehn Bußtage, die am Abend des Jom Kippur (Versöhnungstag) enden. Einige erwarten, dass im Jahr 2025 an diesem Fest die Entrückung geschieht. Es gibt jedoch auch offene Fragen.

In unserer Serie über die jüdischen Feste haben wir gesehen, dass Karfreitag, Ostern und Pfingsten jeweils an jüdischen Festen stattgefunden haben. Die nächsten von Gott gebotenen Feste sind das Posaunenfest und Jom Kippur.

In 3.Mose 23,24-28 heißt es: „Im siebten Monat, am Ersten des Monats, soll euch Ruhe sein, eine Erinnerung durch Lärmblasen, eine heilige Versammlung. … 27 Doch am Zehnten dieses siebten Monats, da ist der Versöhnungstag. … um Sühnung für euch zu erwirken vor dem HERRN, eurem Gott.“

Eine logische Folge ist, dass an diesen Festen die Versöhnung Gottes mit ganz Israel stattfinden wird.

Rosch haSchana (Kopf des Jahres) des jüdischen Jahres 5786 beginnt im Jahr 2025 am Abend vom Montag, 22. September geht bis Dienstag, 23 September.

Gemäß der jüdischen Überlieferung im Midrasch Wajikra Raba ist Rosch haSchana der Tag, an dem Gott die Menschen erschaffen hat. Der Midrasch erklärt weiter, dass es ein Tag des Gerichts ist, weil auch Adam und Eva bereits an diesem Tag vor dem Himmlischen Gericht erscheinen mussten, nachdem sie die verbotene Frucht gegessen hatten. Nach Rabbi Elieser wurden die Stammväter in diesem Monat geboren, da sie den Anfang einer neuen Ära markierten. An Rosch haSchana soll auch Josef aus dem Gefängnis entlassen worden sein, in dem er zwölf Jahre lang unschuldig eingesperrt war. Von diesem Tag an begann sein Licht zu leuchten. Ebenso soll die Sklaverei in Ägypten an diesem Tag beendet worden sein. So wurde Rosch haSchana zum Tag des Beginns der Erlösung.

Nach der babylonischen Gefangenschaft fanden vom 1.-10.Tischri die Versammlungen des Esra (Nehemia 8,2) statt. So beginnen mit Rosch haSchana zehn Bußtage, die am Abend des Jom Kippur (Versöhnungstag) enden. Somit wurde das Neujahrsfest plötzlich im biblischen siebten Monat gefeiert.

Nach jüdischer Überlieferung wird an Rosch haSchana das Buch des Lebens aufgeschlagen, und Gott sieht auf das Fehlverhalten des vergangenen Jahres. Dadurch wird der Mensch genötigt, Rechenschaft abzulegen. Gott beurteilt das jüdische Volk an Rosch haSchana nicht nur danach, wo es steht, sondern auch danach, wo es vorher war. Im Judentum kommt es nicht darauf an, wo man steht, sondern in welche Richtung man sich bewegt.

Um die Beurteilung Gottes nach jüdischer Vorstellung zu bestehen, müssen folgende drei Aspekte erfüllt werden:

Juden müssen Gott als ihren Schöpfer und König anerkennen. Sie müssen verstehen, dass sich die Welt nicht um sie dreht und sie nicht die Geschicke der Welt lenken, sondern dass sie nur die Verwalter von Gottes Schöpfung sind.

Sie müssen sich vom Materiellen lösen und stattdessen den Wunsch nach immer mehr Spirituellem entwickeln.

Die einzige Möglichkeit, sich aus Gottes Gericht zu retten und seine Gnade zu erfahren, besteht darin, alles Schuldhafte zu bereinigen. Deshalb bittet man in diesen zehn Tagen um Verzeihung.

Nach rabbinischer Vorstellung wenden Umkehr, Gebet und Liebeswerke Gottes Gericht ab. So hofft der rabbinisch orientierte Jude, dass Reue und Wiedergutmachung Gott dazu bewegen, ihn für ein weiteres Jahr in das Buch des Lebens einzuschreiben.

Bei den Christen geht es beim Buch des Lebens um die ewige Gemeinschaft mit Gott (Offenbarung 20,15) und nicht um das irdische Leben.

An Rosch haSchana ist es üblich, die Sünden symbolisch in ein Gewässer zu werfen. In Micha 7,19 heißt es: „Du wirst all ihre Sünden in die Tiefen des Meeres werfen.“ Der Kabbalist Jeschajahu haLevi Horowitz (16./17. Jahrhundert) erklärte, dass im Gewässer möglichst Fische sein sollten. Denn der Mensch kann sich, wie Fische im Netz, in seinen Sünden verfangen. Da Fische zudem keine Augenlider haben, sind ihre Augen stets weit geöffnet. Dies soll bewusst machen, dass Gott die Menschen stets überwacht und gnädig auf sie schaut.

Nach dem Abendgebet wünscht man sich gegenseitig: „Mögest du für ein gutes Jahr eingeschrieben und versiegelt werden.“

Beim Abendessen werden Äpfel in Honig getaucht, und andere besondere Speisen gegessen, die für ein süßes und erfolgreiches Jahr stehen. In manchen Familien wird beim Eintauchen eines süßen Apfels in Honig der Wunsch ausgesprochen: „Es möge Gott gefallen uns ein gutes und süßes Jahr zu schenken.“ Mit dem Jahreswechsel soll ein neuer Anfang stattfinden.

Nach Maimonides (1135–1204) soll das Schofar eindringlich ermahnen: „Wacht auf, ihr Schläfer, und denkt über eure Taten nach. Gedenkt eures Schöpfers, und kehrt zu ihm um in Buße. … Jeder von euch soll seine bösen Wege und Gedanken verlassen und zu Gott umkehren, dass er euch gnädig sein möge.“

Wenn an Rosch haSchana der letzte Ton des Schofars verklungen ist, bleibt es an den folgenden Bußtagen stumm. Es ertönt erst wieder am Ende von Jom Kippur.

Es folgen zehn Bußtage mit dem Gedenktag des Gedalja, an dem man sich daran erinnert, was passiert, wenn man gute Ratschläge ignoriert. Die entsprechende Geschichte steht in Jeremia 40-43.

Jom Kippur bezieht sich nicht auf historische Ereignisse oder Gegebenheiten wie Saat und Ernte, sondern allein auf das Verhältnis des Menschen zu seinem Schöpfer, vor dem er sein Leben und auch das seiner Mitmenschen zu verantworten hat.

Jom Kippur ist der strengste Fastentag im jüdischen Jahr und findet in diesem Jahr (2025) am Donnerstag, dem 2. Oktober, statt.

Zur Zeit des Tempels wurde für die unerkannten Sünden des ganzen Volkes ein Ziegenbock geopfert (3. Mose 16; Hebräer 9,7). Anstelle des dreimaligen Opferdienstes im Tempel trat im rabbinischen Judentum nach der ersten Zerstörung des Tempels der dreimalige Gebetsdienst (siehe Daniel 6,11).

In einigen ultraorthodoxen Gemeinschaften schwingen die Gläubigen am 9. Tischri ein Huhn über ihrem Kopf. Dadurch sollen die Sünden auf das Opfertier übergehen, welches anschießend geschlachtet wird. Diese traditionelle „Kapparot“ (Sühne) Zeremonie zeigt das Bewusstsein, dass für die Vergebung von Sünden Blut fließen muss.

Jom Kippur endet mit der Hoffnung auf Vergebung, aber nicht mit der Gewissheit der Vergebung. Denn im Talmud heißt es: „Die Sühne erfolgt nur durch das Blut“ und in 3.Mose 17,11 steht: „Das Blut ist es, das Sühnung tut durch die Seele in ihm.“ Das Blut musste auf den Sühnedeckel der Bundeslade (3. Mose 16,15) und auf den Altar (Vers 18) gesprengt werden. Darauf verweist auch der Hebräerbrief im Neuen Testament: „Ohne Blutvergießen gibt es keine Vergebung“ (Hebräer 9,22).

In Jesus empfängt der Glaubende den Zuspruch: Deine Sünden sind dir vergeben! (Matthäus 9,2). Offen bleibt, ob die Christen in ihren Gottesdiensten die tiefe Betroffenheit über die persönliche Schuld noch erleben, in der die schmerzhafte Reue und der ehrliche Wille zur Umkehr Ausdruck finden, wie es beim jüdischen Volk am Jom Kippur der Fall ist.

Vergebungsgewissheit erhält der Mensch nur durch Gott selbst. Jesus hat seine Jünger beauftragt, bußfertigen Menschen in seinem Namen Sündenvergebung zuzusprechen (Johannes 20,23; 1.Johannes 1,7- 9).

Der Gottesdienst in der Synagoge schließt mit dem Schema-IsraelGebet („Höre Israel“ nach 5.Mose 6,4) als Ausdruck der Vergebungshoffnung. Wenn sich die Tore des Jom Kippur schließen, dann werden nach rabbinischer Tradition auch bei Gott die Bücher über die Schicksale der Menschen im folgenden Jahr geschlossen.

Messianische Juden beten am Jom Kippur um die Rettung des jüdischen Volkes. Wenn auch jetzt schon viele einzelne Juden zum Glauben an ihren Messias finden, so wird doch ein Tag verheißen, an dem ganz Israel den Messias anerkennen wird (vgl. Sacharja 12,10; Römer 11,25-26; Offenbarung 1,7).

Im Talmud gibt es noch eine besondere Geschichte vom zweiten Ziegenbock vom Jom Kippur. Zwischen seine Hörner wurde ein roter Faden befestigt. Ein Teil des Fadens blieb bei den Priestern. Wenn der Ziegenbock in der Wüste ankam, verfärbte sich der Faden normalerweise von Rot zu Weiß, was bedeutete, dass Gott die Sünden vergeben hatte. Wenn der Faden rot blieb, herrschte allgemeine Niedergeschlagenheit. Im Babylonischen Talmud heißt es im Traktat Joma 39b: „Unsere Rabbanim lehrten: Vierzig Jahre lang vor der Zerstörung des Hauses kam das Los nicht in die Rechte, noch wurde der rot gefärbte Stoffstreifen weiß. Fiel das Los, auf dem „für den HERRN“ stand, in die rechte Hand des Hohepriesters, so verstand man dies als Hinweis darauf, dass Gott bereit war, Israels Schuld zu vergeben. Dies geschah nicht mehr, nachdem die jüdischen Führer Jesus abgelehnt hatten.

Nun wird von einigen behauptet, dieses Jahr an Rosch HaSchana würde die Entrückung stattfinden. Andere weisen jedoch darauf hin, dass dieses Fest als Ganzes die Versöhnung mit dem gesamten jüdischen Volk bedeutet und nicht die Entrückung. Offen bleibt, wie viel Zeit zwischen der Entrückung und der Wiederkunft Jesu liegt. Die Entrückung könnte ein Weckruf für das jüdische Volk sein.

Jesus hat aber auch davon gesprochen, dass seine Wiederkunft und die Vorereignisse wie ein Dieb in der Nacht unerwartet hereinbrechen werden. Im 2.Thessalonicher 2,1-4 spricht Paulus davon, dass der Sohn des Verderbens, der sich selbst zu Gott erklärt, und zuerst offenbar werden muss. In Matthäus 24,36 sagt Jesus, dass nur der Vater im Himmel den Tag und die Stunde kennt. Somit können wir nicht mit Sicherheit sagen, ob die Entrückung am 21. oder 22. September 25 stattfinden wird. Doch wir können sie auch nicht ausschließen.

Die biblische Botschaft ist, dass wir jederzeit bereit sein sollen Gott zu begegnen (auch für die persönliche „Entrückung“). Wer nur am 21. September 2025 bereit ist, Gott zu begegnen, der ist nicht breit ihm zu begegnen. In Hebräer 3,15 heißt es: Heute, wenn ihr seine Stimme hört, verhärtet eure Herzen nicht.“

Einige möchten heute, Gnade ohne Busse und Segen und Erfolge ohne Anstrengung und Opfer.

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