Nachdem die Menschen sich selbst zugrunde gerichtet hatten, beschloss Gott einen Reset (Neuanfang). Noah war der Mann seines Vertrauens. Doch die Geschichte lehrt uns: Ein Reset und ein neues Umfeld genügen nicht. Der Mensch muss sein Herz ändern.
Im letzten Impuls haben wir gesehen, dass der Mensch selbst entscheiden wollte, was gut für ihn ist. Dadurch wurde sein Urvertrauen in Gott erschüttert. Die Folge ist eine zerrüttete Beziehung zu Gott und Mitmenschen. In 1.Mose 3,15 hat Gott jedoch einen Retter verheißen: „Feindschaft setze ich zwischen dir und der Frau, zwischen deinem Nachkommen und ihrem Nachkommen. Er trifft dich am Kopf und du triffst ihn an der Ferse.“
Nun wird ein besonderer Mensch geboren. So lesen wir in 1.Mose 5,28-29: „Lamech lebte 182 Jahre und zeugte einen Sohn. 29 Und er gab ihm den Namen Noah (Ruhe, Trost), indem er sagte: Dieser wird uns trösten über unserer Arbeit und über der Mühsal unserer Hände von dem Erdboden, den der HERR verflucht hat.“ Andere übersetzten: „Er wird uns aufatmen lassen“. Ist das nun der verheißene Retter?
Petrus schreibt in 2.Petrus 2,5, dass Noah ein Prediger der Gerechtigkeit war. Und in 1.Petrus 3,20, dass Gott geduldig wartete, als Noah die Arche baute. Jesus sagte in Matthäus 24,37: „Wie die Tage Noahs waren, so wird auch die Ankunft des Sohnes des Menschen sein.“ Die Geschichte von Noah spricht also in unsere Zeit hinein.
In 1.Mose 6,5-8 „Der HERR sah, dass die Bosheit des Menschen auf der Erde groß war und alles Sinnen der Gedanken seines Herzens nur böse den ganzen Tag. 6 Und es reute den HERRN, dass er den Menschen auf der Erde gemacht hatte, und es bekümmerte ihn in sein Herz hinein. 7 Und der HERR sprach: Ich will den Menschen, den ich geschaffen habe, von der Fläche des Erdbodens auslöschen, vom Menschen bis zum Vieh, bis zu den kriechenden Tieren und bis zu den Vögeln des Himmels; denn ich habe bereut, dass ich sie gemacht habe. 8 Noah aber fand Gunst (Gnade חֵן – chen) in den Augen des HERRN.“
Gott war zu optimistisch. Anstatt der Erwiderung seiner Liebe, entfaltete sich der Missbrauch der Freiheit. Doch in Vers 8 setzt Gott seine Hoffnung auf einen Mann: Noah. Zum ersten Mal wird in der Bibel das Wort „Gnade“ genannt. Zwar kam sie schon zuvor in den Kleidern aus Fell und der Bewahrung vor noch mehr Schaden zum Ausdruck.
So sprach Gott zu Noah (1.Mose 6,17-18): „Siehe, ich bringe die Wasserflut über die Erde, um alles Fleisch unter dem Himmel, in dem Lebensodem ist, zu vernichten; alles, was auf der Erde ist, soll umkommen. 18 Aber mit dir will ich meinen Bund aufrichten, und du sollst in die Arche gehen, du und deine Söhne und deine Frau und die Frauen deiner Söhne mit dir.“
Nachdem sich die Menschheit selbst zugrunde gerichtet hatte, beschloss Gott, einen Reset (Neuanfang) zu machen. Noah war der Mann seines Vertrauens. Weiter lesen wir (1.Mose 7,15-16): „Die Tiere gingen zu Noah in die Arche, je zwei und zwei … Und der HERR schloss hinter ihm zu. … 23 Nur Noah blieb übrig und das, was mit ihm in der Arche war.“
Die Arche war keine Seenotrettung, sondern ab einem gewissen Zeitpunkt eine geschlossene Gesellschaft. Während der Bauzeit der Arche hatten die Menschen genügend Zeit, sich mit Noahs Botschaft auseinanderzusetzen. Spätestens als die Tiere zur Arche kamen, hätte dies etwas auslösen müssen. Doch sie blieben resistent. Und Gott schloss die Tür.
Die Arche ist ein Bild für die Rettung durch den Glauben an Jesus Christus. Noah wurde angewiesen, die Arche von innen und außen mit Pech zu bestreichen (1.Mose 6,14). Das hebräische Wort für „Pech“ hat die gleiche Wurzel wie das Wort für „Versöhnung“. Das Pech hielt das Verderben von den Menschen, die sich bei Gott bargen, fern. Genauso wie es das Blut Jesu tut.
In 1.Mose 8,15 lesen wir weiter: „Gott redete zu Noah und sprach: 16 Geh aus der Arche heraus, du und deine Frau und deine Söhne und die Frauen deiner Söhne mit dir! 17 Alle Tiere, die bei dir sind, … dass sie wimmeln auf Erden und fruchtbar sind und sich mehren auf Erden!“
Kaum hatte Noah wieder festen Boden unter den Füßen, dankte er Gott mit einem Brandopfer für seine Rettung. Das bewog Gott, ihm das Versprechen zu geben, dass er nie wieder eine Flut schicken werde.
1.Mose 8,21 „Der HERR sprach in seinem Herzen: Nicht noch einmal will ich den Erdboden verfluchen wegen des Menschen; denn das Sinnen des menschlichen Herzens ist böse von seiner Jugend an…22 Von nun an, alle Tage der Erde, sollen nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht.“
1.Mose 9,1 „Und Gott segnete Noah und seine Söhne und sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und vermehrt euch und füllt die Erde! … 6 Wer Menschenblut vergießt, dessen Blut soll durch Menschen vergossen werden; denn nach dem Bilde Gottes hat er den Menschen gemacht.“
1.Mose 9,20 „Noah, ein Landmann, begann auch, Weinberge zu pflanzen. 21 Und er trank von dem Wein und wurde betrunken und lag entblößt im Innern seines Zeltes. 22 Und Ham, der Vater Kanaans, sah die Blöße seines Vaters und berichtete es seinen beiden Brüdern draußen.…25 Verflucht sei Kanaan!“
Hochs und Tiefs liegen manchmal nah beieinander. Zunächst ist da die Begeisterung, dass der Mensch Gott dankt. Dann folgt die harte Realität, dass der Mensch sein Menschsein mitgenommen hat. Trotz der erlebten Gnade, hat Noah sich nicht im Griff und sein Sohn Ham stellt ihn bloß, anstatt seine Blöße zu bedecken. Der Mensch reflektiert nicht Gottes Wesensart, sondern Ham erzählt das Negative weiter. Damit hat er die Würde seines Vaters verletzt und sich des Gebots, Menschen nicht zu schaden (1.Mose 9,6), schuldig gemacht.
Ein Reset und ein neues Umfeld genügen nicht. Der Mensch muss sein Herz ändern.
Gott weiß, dass sich der Mensch nicht verändert hat. Sein Herz ist von Jugend an böse (1.Mose 8,21).
Deshalb gibt Gott den Menschen einige Regeln, die das Leben fördern sollen. So soll er sich nicht an anderen Menschen vergreifen (1.Mose 9,6).
Später kommen die Zehn Gebote des Lebens (2.Mose 20,1-17) hinzu. Sie sind das grundlegendste Ordnungssystem der Geschichte geworden. Alle Merkpunkte sind dazu da, uns zu einem gesegneten und glücklichen Leben zu verhelfen.
Der Gott der Bibel ist ein Gott, der Menschen freisetzt und sie führt. Zur Freiheit gehören auch Regeln, die zu einem gelingenden Leben beitragen.
Fragt man eine Gruppe, welche Regeln für das Zusammenleben wichtig sind, erhält man ähnliche Antworten wie in den Zehn Geboten. Heute wird dies oft wie folgt formuliert: „Alles ist erlaubt, was dem anderen nicht schadet.“ Wichtig ist dabei die Definition von „nicht schaden“. Auch sollte man sich selbst nicht schaden, damit man nicht zum Schaden für sein Umfeld wird.
Die Zehn Gebote zeigen uns nicht den Weg zu Gott, sondern wie wir mit Gott und unseren Mitmenschen leben sollen. Voraussetzung ist, dass wir die Erlösung und Gnade erfahren haben, die Gott uns schenkt. Gott sagt bei Mose: „Ich habe euch aus der Sklaverei befreit.“ Und bei Noah gilt: „Ich habe dich gerettet.“
Die Geschichte wiederholt sich. In Hesekiel 20,11 sagt Gott: „Ich gab ihnen meine Ordnungen, und meine Rechtsbestimmungen ließ ich sie wissen, durch die der Mensch, wenn er sie tut, lebt.“
Doch in Hesekiel 20,25 bekennt er: „Und auch ich gab ihnen Ordnungen, die nicht gut waren, und Rechtsbestimmungen, durch die sie nicht leben konnten.“ Die Menschen verdrehten den Sinn und so hatten sie nicht den gewünschten Effekt.
In Hesekiel 20,38 sagt Gott: „Ich werde von euch ausscheiden, die sich empörten und mit mir brachen; …ihr werdet erkennen, dass ich der HERR bin.“
Was wollen uns diese Berichte sagen?
Es reicht nicht, das Umfeld zu ändern. Wir brauchen ein neues Herz. In Hesekiel 36,26 sagt Gott: „Ich werde euch ein neues Herz geben und einen neuen Geist in euer Inneres geben; und ich werde das steinerne Herz aus eurem Fleisch wegnehmen und euch ein fleischernes Herz geben.“
Übertragen ist das ein spannender Gedanke. Es verändert mich nicht, wenn ich einer Gemeinde angehöre. Es braucht eine Herzensveränderung.
Der zweite Gedanke: Nicht mein Umfeld ist für meine Fehlprägung verantwortlich. Es ist meine Haltung zu mir selbst und anderen gegenüber. Spannend ist der Gedanke, dass wir in anderen Gottes Kreativität (sein Ebenbild) sehen. Jeder von uns spiegelt etwas von Gott wider und wir sollen im anderen das Potenzial erkennen, das Gott in ihn gelegt hat.
Wir sehen auch, dass Gott auf das Gute hofft und versucht, uns für sich zu gewinnen. Im biblischen Muster baut Gott sein Reich mit den Menschen, die sich auf ihn einlassen. Er führt Noah in eine neue Welt. Er befreit das Volk Israel durch Mose aus der Sklaverei und er schenkt uns ein neues Herz, wenn wir uns auf ihn einlassen. Jesus lädt uns ein, uns mit ihm auf einen neuen Weg zu machen.
Jesus sagt in Johannes 12,26: „Wenn mir jemand dient, so folge er mir nach! Und wo ich bin, da wird auch er sein.“ Und in Johannes 6,47 sagt er: „Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer glaubt (d. h. mir vertraut), hat ewiges Leben.“
Paulus sagt es in 2.Korinther 5,17 so: „Wenn jemand in Christus ist, so ist er eine neue Schöpfung; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden.“
„Neues ist geworden“ bedeutet, dass wir in eine neue Richtung unterwegs sind. Wir lassen uns immer mehr von Gottes Art prägen. Jesus fordert uns in Lukas 6,36 auf: „Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist!“
Gott erbarmt sich über Noah, weil er spürt, dass Noah sich nach einer neuen Welt sehnt. Eine Welt, in der Gott den ersten Platz hat. Als Erstes dankt Noah Gott für die Rettung.
Das Kreuz ist die Arche Gottes. Unser Dank für Jesu stellvertretenden Tod und seine Auferstehung ist der Schlüssel, um mit Gott im Gespräch zu bleiben und uns von ihm Schritt für Schritt verändern und prägen zu lassen. Jeder ist dazu eingeladen.
Text: Hanspeter Obrist, Juli 2025
Weitere Grundlagentexte:
- Jeder Mensch ist ein Gedanke Gottes 2. Juni 2025
- Der Mensch erklärt seine Unabhängigkeit von Gott 23. Juni 2025