Karfreitag

Am Karfreitag erinnern sich die Christen an die Kreuzigung von Jesus. Bis ins 4. Jahrhundert feierten sie Karfreitag und Ostern zur Zeit des jüdischen Passahfestes. Die Synode von Nicäa im Jahr 325 beendete diesen Brauch, um von den Juden unabhängig zu sein.

Jesus wurde nicht irgendwann gekreuzigt, sondern genau an dem Tag, an dem die Passahlämmer geschlachtet wurden. Das ist kein Zufall, sondern eine Botschaft. Jesus starb als das Passahlamm Gottes.

Als Johannes der Täufer Jesus sieht, sagt er in Johannes 1,29 : „Seht, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt!

Bis heute gibt es die Tradition des Osterlammes.

Passah, wasvorübergehen“ bedeutet, ist das erste von Gott verordnete Fest im ersten Monat des biblischen Kalenders (14. Nissan). Gott selbst hat diesen Monat zum ersten des biblischen Jahres bestimmt (2.Mose 12,2).

Das Fest erinnert an den Auszug aus Ägypten und daran, dass der Engel des Herrn an den Häusern der Israeliten vorüberging und ihre Erstgeborenen verschonte.

Nur wer dem Wort Gottes vertraute, ein Lamm schlachtete und das Blut an die Türpfosten strich, wurde verschont.

Nach neuen Sprachforschungen bedeutet das hebräische Wort Pessach auch „dazwischen stellen“. Gott stellt sich dazwischen.

Pessach erinnert an den Auszug aus der Knechtschaft in ein Leben mit Gott in Freiheit. An diesem Fest werden verschiedene symbolische Speisen gegessen. Dazu gehört auch das Brot ohne Sauerteig, die Matze.

Als Jesus mit seinen Jüngern dieses Fest feierte, nahm er die zuvor gebrochene Matze (Afikomen) und den Becher der Erlösung und bezeichnete sie als seinen Leib und sein Blut. Damit setzte er den neuen Bund ein.

Das Abendmahl ist also ein Teil einer Sederfeier, der Eröffnungsfeier des Pessachfestes. Die verkürzte Form dieser Feier ist ein Bekenntnis: Jesus ist für mich gestorben, damit Gottes Gericht an mir vorübergeht. Jesus befreit mich zu einem Leben mit Gott.

Doch es geht nicht nur darum, dass Jesus für unsere Verfehlungen bezahlt hat, wie es Johannes und auch der Engel Josef (Matthäus 1,21) sagen: „Er wird sein Volk retten von seinen Sünden“.

Wichtig ist: Nicht das Gesetz wird weggenommen, sondern unsere Verfehlungen, indem Jesus das Gesetz für uns erfüllt.

Es geht aber noch einen Schritt weiter. Das Passahlamm ist nach 2.Mose 13,13-15 kein Wiedergutmachungsopfer, wie das Opfer am Versöhnungstag, sondern ein Auslöseopfer. Es geht um die Freisetzung aus der Sklaverei in ein Leben mit Gott. Es geht um einen Herrschaftswechsel. Gott will uns aus der Sklaverei der Sünde befreien, damit wir unser Leben mit ihm gestalten können. Es geht darum, ob wir mit Gott leben wollen.

In 2.Mose 13,13-15 heißt es: „13 Jeden Erstgeborenen deiner Söhne musst du auslösen. 14 Wenn dich morgen dein Sohn fragt: Was bedeutet das?, dann sag ihm: Mit starker Hand hat uns der HERR aus Ägypten, aus dem Sklavenhaus, herausgeführt. 15 Als der Pharao hart blieb und uns nicht ziehen ließ, erschlug der HERR alle Erstgeborenen im Land Ägypten, bei Mensch und Vieh. Darum opfere ich dem HERRN alle männlichen Tiere, die den Mutterschoß durchbrechen; alle Erstgeborenen meiner Söhne aber löse ich aus.“ 

In dieses neue Leben wachsen die Israeliten und auch wir hinein. Es ist eine freiwillige Entscheidung, sich auf Gott einzulassen. Die zentrale Frage ist, ob wir mit Jesus unterwegs sein und ihn lieben wollen.

Glaube ist nicht ein einmaliges Statement. Es braucht ein Dranbleiben.

Man stelle sich vor, Eltern würden ihrem Kind nur einmal sagen, dass es geliebt wird. Das reicht nicht. Es braucht immer wieder aufbauende Worte und Gesten. Man kann einer Pflanze auch nicht einmal Wasser geben und dann meinen, sie wachse einfach so.

Deshalb setzt Jesus das Abendmahl als Erneuerungsmahl ein.

In Lukas 22 steht: „Jesus nahm Brot, sprach das Dankgebet, brach es und reichte es ihnen mit den Worten: Das ist mein Leib, der für euch hingegeben wird. Tut dies zu meinem Gedächtnis! 20 Ebenso nahm er nach dem Mahl den Kelch und sagte: Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blut, das für euch vergossen wird“ (Lukas 22,19-20).

Jesus deutet das Passahlamm als Modell für seinen Tod am Kreuz. Er verwendet beim Passahfest das Brot des Auszugs (Matze) und den Kelch der Erlösung (Lukas 22,20) als Zeichen der Erinnerung an seinen Tod. Er stirbt an diesem Fest und zeigt damit, dass er das wahre Passahlamm ist, damit das göttliche Gericht an uns vorübergeht.

Eine Frau erzählte mir, wie sie in Zürich auf der Straße Leute ansprach. Sie sagte zu einer Frau: „Es gibt eine Lösung für Ihre Schuld. Vergebung von Gott“. Die Angesprochene antwortete: „Das nehme ich gerne in Anspruch“. Darauf sagte die Frau: „Dann müssen Sie nur ein Gebet nachsprechen“. Darauf meinte die andere: „Aber mit diesem Jesus am Kreuz will ich nichts zu tun haben.“

Am Kreuz stoßen sich viele. Vergebung ja. Gottes Segen ja. Doch das Kreuz?

Schon damals nahmen die Menschen Anstoß an den Worten Jesu. So sagt Jesus in Johannes 6,53: „Wenn ihr nicht das Fleisch des Menschensohns esst und sein Blut trinkt, so habt ihr kein Leben in euch.“  Und in Johannes 6,56 sagt Jesus: „Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der bleibt in mir und ich in ihm“. Für Juden ist der Konsum vom Blut durch das Gesetz streng verboten. In der Thora heißt es: „Ihr sollt auch kein Blut essen, weder vom Vieh noch von Vögeln, überall, wo ihr wohnt. Jeder, der Blut isst, wird ausgerottet werden aus seinem Volk“ (3. Mose 7,26-27). Kein Wunder, dass sich die Zuhörer von Jesus distanzierten und sagten: „Diese Rede ist hart“ (Johannes 6,60).

Aber der Kontext von Johannes 6 ist wichtig. Die Zuhörer fragen: Was sollen wir tun? (28) Jesus antwortet: Glaubt an mich (29). Darauf die Zuhörer: Wie beweist du uns, dass du der verheißene Prophet bist? Mose hat uns Brot vom Himmel gegeben (30-31). Nun greift Jesus dieses Bild auf, um den Glauben zu verdeutlichen. „Ich bin das Brot des Lebens“ (35).

Wer Jesus aufnimmt, bei dem wird Jesus Teil vom Leben, den niemand wegnehmen kann. Durch den Glauben soll Jesus in uns in „Fleisch und Blut“ übergehen. Für Christen in Verfolgung und Not ist das sehr entscheidend. Trotz Druck kann ihnen niemand Jesus wegnehmen. Das gilt auch in unserem täglichen Leben.

Nicht alle Zuhörer verstehen Jesu Botschaft. Sie bleiben beim wörtlichen Sinn hängen und verstehen die symbolische Botschaft nicht.

Auch wenn wir nicht alles verstehen, wie das Fleisch und Blut, ist das Vertrauen in Jesus (was Glaube bedeutet) entscheidend.

Beim letzten Pessachfest sagte Jesus über den Kelch mit Wein, den er seinen Jüngern reichte: „Das ist mein Blut des Bundes, das vergossen wird für viele zur Vergebung der Sünden (Matthäus 26,28).

Am Pessachfest deutete Jesus den Kelch der Erlösung als sein Blut. Seinen Leib als das ungesäuerte Brot. Jesus stirbt an unserer Stelle. Aber er ist auferstanden und will angenommen und aufgenommen werden.

Wir können uns nicht selbst erlösen. Das Gesetz wird nicht aufgehoben, sondern durch Jesus erfüllt. Indem wir Jesus in unser Leben einladen, haben wir als seine Kinder Anteil daran. Er übernimmt unsere Verfehlungen.

Aber kann nach der Bibel jemand anderes meine Verfehlungen übernehmen?

Rabbi Berel Wein schreibt in „The Triumph of Survival, 1990“: „Es war eine alte jüdische Tradition aus biblischer Zeit, dass der Tod der Gerechten und Unschuldigen als Ausgleich für die Sünden der Nation oder der Welt diente.“

Dass der Tod eines Gerechten Auswirkungen auf die Lebenden hat, finden wir in 4. Mose 35,25-28. Beim Tod des Hohepriesters gab es eine Generalamnestie. Auch Jesaja spricht im Kapitel 53 vom Tod des Gerechten. „Er wurde durchbohrt wegen unserer Vergehen, wegen unserer Sünden zermalmt.  … der HERR ließ auf ihn treffen die Schuld von uns allen.“ (Jesaja 53,5-6).

Jesus befreit uns zu einem Leben mit Gott, indem er alles wegnimmt, was uns daran hindert, mit Gott zu leben. So ist die Taufe das öffentliche Bekenntnis zu einem Leben mit Jesus. Das Abendmahl das „immer wieder Bekräftigen“: Jesus ich liebe dich, komm und gestalte mich zu einem Menschen um, der dich verherrlicht. Ich bekenne vor dir meine Erlösungsbedürftigkeit und nehme deine Vergebung in Anspruch. Ich will mit dir leben.

Kommen wir noch einmal auf Pessach zurück, welches hinter Karfreitag und Ostern steht. Dieses Fest soll daran erinnern, dass uns Gott aus der Sklaverei der Sünde befreit, zu einem Leben mit ihm. Wenn wir auf Gott hören und tun, was er uns sagt, geht das Gericht Gottes an uns vorüber (Passah, passieren). Durch Jesus ist unser „Lebenshaus“ geschützt.

Der Tod Jesu am Karfreitag ist mehr als nur ein Versöhnungsopfer, es ist der Beginn eines Lebens mit ihm. Der Schlüssel liegt darin, dass wir unsere Erlösungsbedürftigkeit anerkennen und uns an der rettenden Hand Jesu festhalten. Im christlichen Glauben geht es nicht um ein einmaliges Gebet, sondern um ein ständiges Festhalten an Jesus.

Der Mensch lebt mit Gott, nicht um von ihm angenommen zu werden, sondern weil er von Jesus angenommen ist und aus Dankbarkeit sein Leben mit ihm gestaltet.

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